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Zuckerberg baut Facebook um: Was der Komplettumbau des sozialen Netzwerkes für Publisher bedeutet

Facebook baut sein Netzwerk neu auf
Facebook baut sein Netzwerk neu auf © Picture Alliance/Ap Images

Facebook hat einen Kurswechsel auf allen Ebenen angekündigt: Mehr Privatsphäre, Verschlüsselung und eine neue Optik verordnet sich der Konzern. Publisher und Werbetreibende müssen sich auf große inhaltliche Neuerungen einstellen – insbesondere was den Umgang mit dem Newsfeed, Gruppen und Events angeht. Was bedeutet das für sie?

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Humor auf großer Bühne geht selten gut. Insbesondere bei heiklen Themen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat es auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 am Dienstagabend trotzdem versucht. “Ich weiß, dass wir im Moment nicht den allerbesten Ruf in Sachen Privatsphäre haben… um es freundlich zu formulieren”, rief er schmunzelnd ins Publikum. Der Satz klingt, als hätte er ein paar Lacher ernten sollen – doch niemand in dem vollen Saal lachte.

Ein mieser Start für ein Event, das für Zuckerberg und Facebook nichts geringeres als den größten Einschnitt der 15-jährigen Konzerngeschichte bedeutet. Neun Jahre nach Zuckerbergs selbstgesetztem Ende der Privatsphäre und nach zahlreichen Datenschutzskandalen gibt es ein neues Mantra im Konzern. Das lautet: “Die Zukunft ist privat”. Dieser Satz fällt an dem Abend erstaunlich oft.

Facebook stellt sein Netzwerk neu auf. Dem Nutzer dürfte das insbesondere an der Optik auffallen. Sowohl in der App als auch im Browser reduziert der Konzern sein typisches Facebook-Blau und setzt in Zukunft auf moderne Weißflächen. Doch die Änderungen gehen weit über die Kosmetik hinaus. Der Messenger wird bald standardmäßig verschlüsselt. Weder Facebook noch irgendjemand anderes bekommt also mit, welche Inhalte die Nutzer dort austauschen. Die Metadaten (Zeit, Ort und Gesprächspartner) sind für Facebook aber weiterhin sichtbar. Zudem bekommt der Messenger einen prominent platzierten Knopf, hinter dem die Kommunikation mit Familie und engen Freunden gebündelt wird.

Gruppen bekommen den größten Stellenwert

Auf große Änderungen muss sich im Zuge des Privatsphären-Mantras auch die Haupt-App einstellen. Das soziale Netzwerk wird seinen Schwerpunkt auf Events und Gruppen legen, die sogar einen eigenen Tab in der neu gestalteten App haben werden. Laut Zuckerberg sind insbesondere Gruppen der Ort, wo die meiste Interaktion passiert. Facebook führt daher für spezifische Zwecke Sonderfunktionen in Gruppen ein: Arbeitgeber werden die Möglichkeit haben, Stellenangebote zu veröffentlichen. In Gesundheitsgruppen können sich Nutzer dagegen anonym austauschen.

In Zukunft werden die Gruppen laut Facebook in allen Teilen des Netzwerkes vertreten sein – und sogar in der Verkaufplattform Marketplace und dem Video-Teil Facebook Watch beworben. Nutzern wird es einfacher gemacht, neue Communities anhand ihrer Interessen zu finden. Und sie können auch direkt von der Startseite aus Inhalte in die Gruppen posten.

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Für Publisher bedeutet das ein Umdenken: Interaktionen können sie zukünftig immer weniger über Seiten, sondern vor allem dadurch gewinnen, dass sie in themenspezifischen Gruppen Communities aufbauen. Nach der Algorithmusänderung im vergangenen Jahr, der Facebook-Seiten von Medien bereits stark heruntergestuft hat, ist das ein weiterer bemerkenswerter Schritt. Erste Medienmacher experimentieren bereits erfolgreich mit den Communities, die organisch schon jetzt schneller wachsen können als herkömmliche Fanseiten.

Der neue Fokus auf das Tool führt zudem unweigerlich dazu, dass der Newsfeed bei Facebook an Bedeutung verliert, erwarten Beobachter. Der Chefarchitekt des Newsfeeds hat Facebook daher erst kürzlich verlassen. Facebook meint den Umschwung also durchaus ernst: In früheren Blogeintragen sprach Zuckerberg bereits davon, den “digitalen town square”, den Facebook bislang darstellte, in ein “digitales Wohnzimmer” zu verwandeln. Nutzer unterhalten sich darin ihren Interessen entsprechend separat voneinander – und somit deutlich intimer.

Stiehlt sich Facebook der Verantwortung?

Verschlüsselte Kommunikation, Fokus auf Gruppen und Events – der neue Privacy-Kurs wirft aber generell Fragen auf. Zum Beispiel: Wenn Inhalte mit der sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt sind, so dass nur Absender und Empfänger sie sehen können, wie soll Facebook dann Terrorpropaganda oder Hassrede finden und löschen? Stiehlt sich Facebook damit aus der Verantwortung – und wird die Politik das zulassen? Das Online-Netzwerk wolle ausgiebig unter anderem mit Sicherheitsbehörden über die richtige Vorgehensweise bei diesem Problem beraten, sagt Zuckerberg. In einem Interview mit New York Times ergänzt er, dass Facebooks Software unerlaubte Aktivitäten zum Teil auch an Datenfluss-Mustern ohne Zugang zu den Inhalten erkennen könne. Das heißt auch: Es gibt noch viele andere Daten, die Facebook sammeln kann, auch wenn Inhalte verschlossen bleiben.

Noch eine andere Frage stellen sich viele Besucher der Entwicklerkonferenz F8: Was bedeutet eine konsequente Umsetzung eines Neuanfang mit dem Fokus auf Privatsphäre für das Geschäftsmodell von Facebook? Werden die öffentlich geteilten Informationen noch ausreichen, um weiterhin zielgenaue Werbeanzeigen zu schalten? Wird sich Facebook neue Geschäftsideen suchen? Ein mögliches Zeichen dafür: Facebooks Online-Flohmarkt Marketplace wird um eine eigene Bezahlfunktion ergänzt. Und auch bei Instagram und WhatsApp soll es mehr Möglichkeiten für kommerzielle Anwendungen geben, etwa eine Shopping-Funktion.

Für Zuckerberg könnte der Fokus aufs private Umfeld also ein lohnenswerter Schritt sein, insbesondere um das Wachstum der aktiven Nutzer wieder anzukurbeln und die Kritiker ruhig zu stellen. Der Unternehmer schlägt so Kapital aus der Not. In Europa steigen die Nutzerzahlen zwar nach einer zwischenzeitlichen Flaute wieder – aber nicht mehr so stark wie früher. Über alle Facebook-Angebote hinweg – zum Konzern gehören auch die Chatdienste WhatsApp und Messenger sowie die Foto-Plattform Instagram – waren 2,7 Milliarden Nutzer aktiv, davon 2,1 Milliarden täglich.

(mit Material der dpa)

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