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Weg frei für Fusion von SpOn und Spiegel-Verlag? Betriebsräte sollen bei strittigen Fragen auf der Ziellinie sein

Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann
Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann

Die Verschmelzung von Spiegel Online und dem Spiegel-Verlag zu einem Gemeinschaftsbetrieb rückt näher. Die Betriebsräte der beiden Verlagsbereiche stehen offenbar kurz bevor, sich in strittigen Punkten auf eine gemeinsame Linie zu verständigen. Zuletzt gab es hier Zoff um eine Regelung für die Überstunden von SpOn-Mitarbeitern. Nun schein der Weg für die geplante Gemeinschaftsredaktion geebnet.

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Recht turbulent ging es zuletzt beim Spiegel zu: der Skandal um den früheren Redakteur Claas Relotius hielt den ganzen Verlag in Atem, vor allem Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann und Verlagschef Thomas Hass waren gefordert. Die Folgen sind bekannt: Relotius-Förderer Ulrich Fichtner wurde – anders als ursprünglich geplant – nicht Print-Chefredakteur und durch Clemens Höges als Mitglied der Chefredaktion ersetzt, Matthias Geyer stieg nicht zum Blattmacher auf und gab die Leitung des Gesellschafterressorts ab. Die Affäre um die gefälschten Reportagen überstrahlte einfach alles.

Völlig in Vergessenheit geriet in dem Trubel eine der wichtigsten Veränderungen für die Spiegel-Gruppe: Die geplante Verschmelzung von Spiegel Online mit dem Spiegel-Verlag zu einem Gemeinschaftsbetrieb. Ein historischer Schritt für das traditionsreiche Printhaus an der Ericusspitze. Nun kommt aber offenbar Bewegung in das komplexe Thema: Nach monatelangen Diskussionen um strittige Fragen sollen sich die Arbeitnehmervertreter von SpOn und des Verlags endlich auf die Ziellinie zubewegen. „Wir sind bei der Integration der beiden Redaktionen im Zeitplan. Die Verhandlungen mit den Betriebsräten des Spiegel-Verlags und von Spiegel Online laufen sehr konstruktiv und wir erwarten in Kürze eine kaufmännische Einigung auf die wesentlichen Eckpunkte, die für den Gemeinschaftsbetrieb gelten werden“, erklärt eine Unternehmenssprecherin auf MEEDIA-Anfrage.

Wann der Gemeinschaftsbetrieb allerdings formal startet, ließ eine Sprecherin unbeantwortet – zumindest aber nicht vor dem 1. Mai, heißt es. Denn die Sprecherin der Spiegel-Gruppe macht klar: „Vielmehr sieht eine im November des vergangenen Jahres mit den beiden Betriebsräten getroffene Vereinbarung lediglich vor, den Gemeinschaftsbetrieb nicht vor dem 1. Mai in Kraft treten zu lassen, um den Gesprächen ausreichend zeitlichen Spielraum zu geben“.

In Spiegel-Kreisen geht man allerdings davon aus, dass das endgültige Go für den Gemeinschaftsbetrieb wohl erst in ein bis zwei Monaten erfolgt. Denn nicht alle strittigen Punkte sind wirklich ausgeräumt. Zuletzt gab es unter anderem Zoff um eine Überstundenregelung bei Spiegel Online. An dieser will der SpOn-Betriebsrat offenbar festhalten – wohl auch aus finanziellen Erwägungen. Denn SpOn-Redakteure sollen im Schnitt immer noch weniger verdienen als ihre Print-Kollegen, heißt es.

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Dreh- und Angelpunkt war aber zuletzt ein noch viel größeres Problem: der Aufstieg der SpOn-Mitarbeiter zu stillen Gesellschaftern. Erstmals in der Unternehmensgeschichte der Spiegel-Gruppe öffnet sich hier nämlich die Mitarbeiter-KG, mit 50,5 Prozent Mehrheitsgesellschafter des Spiegel. Bislang war dieses Privileg ausschließlich Arbeitnehmern des Verlags vorbehalten. Jetzt soll aber auch die SpOn-Belegschaft in den Genuss kommen. Doch das wurde in den betroffenen Betriebsräten zum Streitfall.

Der Grund: Die SpOn-Mitarbeiter sollen nicht alle auf einen Schlag zu stillen Gesellschaftern aufsteigen. Vielmehr ist geplant, dass sie die Stellen von ausscheidenden Mitarbeitern in der KG besetzen, die ihre stille Beteiligung satzungsgemäß abgeben müssen. Doch die frei werdenden Plätze im KG-Boot sind rar. Jährlich verlassen lediglich 30 bis 40 Vorruheständler das Unternehmen. Wer also soll als erstes eine stille Beteiligung erhalten? Hier müssten sich die Betriebsräte und die Mitarbeiter-KG auf einen Modus einigen. Zuletzt waren mehrere Optionen im Gespräch. Dazu zählte die Auswahl per Losverfahren oder per Betriebszugehörigkeit. Was nun zum Tragen kommt, wird sich zeigen.

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