Partner von:
Anzeige

Nach Konfrontation mit Nazi-Zeichnungen in Live-Sendung: FPÖ fordert Rauswurf von ORF-Moderator Armin Wolf

ORF-Moderator Armin Wolf
ORF-Moderator Armin Wolf

In einem Fernsehinterview sind der österreichische Moderator Armin Wolf und der Generalsekretär der rechtspopulistischen FPÖ aneinandergeraten. Wolf stellte dort einen Cartoon der steirischen FPÖ-Jugend antisemitischen NS-Darstellungen gegenüber. Der Generalsekretär reagierte erzürnt – und drohte live in der Sendung mit "Folgen". Die Beschimpfungen gehen auch nach Ausstrahlung der TV-Show weiter.

Anzeige

Auslöser war ein Interview des in Österreich bekannten ORF-Moderators Armin Wolf mit Harald Vilimsky, dem Generalsekretär der FPÖ und Spitzenkandidat bei der Europawahl. Wolf stellte in dem am Dienstagabend ausgestrahlten Live-Talk ein Cartoon der steirischen FPÖ-Jugend zur Migration mit einer antisemitischen Darstellung aus dem NS-Blatt “Der Stürmer” gegenüber. Der Moderator wollte wissen, wie Vilimsky dazu steht.

Was folgte, war ein denkwürdiger Schlagabtausch der beiden Männer. Vilimsky sprach von “einer unterstellten Ähnlichkeit” mit der “Stürmer”-Zeichnung. “Das ist unterste Schublade”, schimpfte der FPÖ-Politiker. Er nannte den Vergleich “skandalös”, “jenseitig” und “geschmacklos” und schoss zugleich gegen den ORF und Armin Wolf. Ein solcher Vergleich, klagte er, sei “etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann”.

Die Szene lässt sich ab Minute 1:19 ansehen:

Kündigungsdrohung und Facebook-Attacken

Ohne Folgen blieb das Abendinterview tatsächlich nicht. Einen Tag nach der Ausstrahlung legte Vilimsky beim TV-Kanal des Nachrichtenportals “Österreich” nach: “Wäre ich Generaldirektor des ORF, würde ich Derartiges nicht zulassen”, sagte der FPÖ-Mann. Auf die Frage, ob er Wolf feuern würde, sagte Vilimsky: “Wäre ich der Generaldirektor, ja.”

Rückendeckung bekam der Generalsekretär unter anderem von FPÖ-Parteichef-Strache. Er legte auf Facebook nach mit dem Vorwurf, “Sachlichkeit kennt ein Herr Wolf wohl nicht”. Und weiter: “Wiedermal wird man beim ORF nicht müde, unsachliche Interviews zu führen… Es ist frustrierend.” Der Facebook-Beitrag des FPÖ-Chefs hat über 600 Kommentare – fast alle von empörten FPÖlern, die Wolf frontal angreifen.

Auch der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats Norbert Steger nannte den Stürmer-Vergleich “pervers”. Steger war allerdings selbst FPÖ-Parteichef und wurde von der Partei in den Stiftungsrat nominiert, wie Wolf auf Twitter festhielt.

Anzeige

“Politik hat sich nicht einzumischen”

Die harsche Kritik der FPÖ an dem Interview blieb in Österreich nicht ohne Gegenwehr. Österreichs Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) entgegnete nach anfänglichem Zögern: “Die Politik hat sich nicht in Beschäftigungsverhältnisse von Journalisten einzumischen, völlig unabhängig davon, wie Fragestellungen oder Interviewführungen bewertet werden.”

Der Generaldirektor des ORF, Alexander Wrabetz, hat die Kündigungsforderung Vilimsky indes in der Zeitung Kurier zurückgewiesen. “Die Entscheidungen in diesem Unternehmen treffe ich. Vilimsky ist nicht Generaldirektor, und ich lasse mir von einem Parteigeschäftsführer nicht zurufen, wer bei uns die ‘ZiB’ (Zeit im Bild, österreichische TV-Sendung, Anm. d. Red.) moderiert”.

FPÖ-Politikerin vergleicht Wolf mit Nazi-Richter

Unterdessen gerät die Debatte in eine neue Richtung. Ursula Stenzel, Ex-ORF-Moderatorin und nun Wiener FPÖ-Stadträtin, bringt im Gespräch mit dem Sender oe24.TV neuen Zündstoff ein: Hätte sie seinerzeit im ORF so gefragt wie Wolf, „hätte ich das nicht überlebt“, sagt Stenzel. Wolf könne wegen seines “staatsanwaltlichen Verhörton” beim “Volksgerichtshof auftreten“ – einem Nazi-Gericht, das Tausende Regimegegner zum Tode verurteilte. Zudem verglich sie den ORF-Moderator mit dem französischen Revolutionär Saint-Just, der später auf der Guillotine endete.

Der Moderator zeigte sich sprachlos auf die neuerliche Attacke:

Die FPÖ und der ORF, insbesondere mit Moderator Armin Wolf, befinden sich schon länger im Clinch. Wolf ist für die Partei eine Art Feindfigur geworden. Immer wieder kritisiert sie den Moderator für seine angeblich tendenziösen Sichtweisen. Die Regierungspartei droht in der aktuellen Diskussion um ein neues ORF-Gesetz zudem mit der Abschaffung der Gebühren und stellt Journalisten, die sich aus ihrer Sicht nicht fair verhalten, Kündigungen in Aussicht. Das Interview hat den Streit nun erneut sichtbar gemacht.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia