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Angeblich aus Versehen erschossen: “Neue IRA” bekennt sich zur Tötung der Journalistin Lyra McKee

Ein Mann schreibt in ein Kondolenzbuch für Lyra McKee, die am Donnerstagabend (18.04.2019) bei gewaltsamen Ausschreitungen in der Stadt Londonderry erschossen wurde
Ein Mann schreibt in ein Kondolenzbuch für Lyra McKee, die am Donnerstagabend (18.04.2019) bei gewaltsamen Ausschreitungen in der Stadt Londonderry erschossen wurde Foto: Brian Lawless/PA Wire/dpa

Die Journalistin Lyra McKee ist bei Ausschreitungen in Nordirland gestorben. Eine Kugel traf ihren Kopf, die Polizei spricht von Mord und nahm eine verdächtige Frau fest. Nun gibt es ein Bekennerschreiben. Laut der "Neuen IRA" stand die Journalistin neben "feindlichen Kräften".

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Die militante katholisch-nationalistische Gruppe “Neue IRA” hat sich zur Tötung der Journalistin Lyra McKee in Nordirland bekannt. In einem der Zeitung  The Irish News am Dienstag zugespielten Bekennerschreiben hieß es: “Im Laufe des Angriffs auf den Feind wurde Lyra McKee tragischerweise getötet, während sie neben den feindlichen Kräften stand.” Man wolle sich beim Partner des Opfers, der Familie und ihren Freunden aufrichtig entschuldigen.

Verdächtige am Dienstag festgenommen

Die 29-jährige McKee war am Donnerstagabend bei gewaltsamen Ausschreitungen in der Stadt Londonderry erschossen worden. Sie stand in einer Menschengruppe in der Nähe von Polizeifahrzeugen, als eine Kugel ihren Kopf traf. Die Ermittler bezeichneten die Tat als Mord und riefen die Bevölkerung zur Mithilfe auf, um die Täter zu finden.

Am Dienstag wurde eine 57 Jahre alte Frau im Zusammenhang mit der Tat festgenommen, wie die Polizei in Nordirland mitteilte. Zwei am Wochenende nach der Tat festgenommene junge Männer waren zuvor wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Anschuldigungen gegen sie seien nicht erhoben worden, teilte die Polizei mit.

Mehr als 50 Brandsätze auf Polizisten geschleudert

Die “Neue IRA” hatte sich im März auch zu Briefbomben bekannt, die in London und Glasgow aufgetaucht waren. Sie lehnt das friedensstiftende Karfreitagsabkommen von 1998 ab und strebt mit gewaltsamen Mitteln eine Vereinigung mit der Republik Irland im Süden der Insel an.

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Am Rande von Londonderry waren am Donnerstag in Tatortnähe mehr als 50 Brandsätze auf Polizisten geschleudert worden. Fahrzeuge brannten. Zuvor hatten Polizisten in dem Wohnviertel nach Waffen gesucht. Auslöser für die Krawalle war der Jahrestag des Osteraufstands, bei dem irisch-katholische Nationalisten im Jahr 1916 vergeblich versuchten, die britische Herrschaft in Irland zu beenden.

Nordirland ist Teil des Vereinigten Königreichs. Die Gesellschaft dort ist tief gespalten in Protestanten, die sich als Briten verstehen, und Katholiken, die sich als Iren definieren. Drei Jahrzehnte lang lieferten sich militante Gruppen auf beiden Seiten sowie Polizei und das britische Militär einen erbitterten Bürgerkrieg mit Tausenden Toten.

“Schockierend und sinnlos”

Die britische Premierministerin Theresa May sprach von einer “schockierenden und wahrlich sinnlosen” Tat. Die Journalistin Lyra McKee habe ihre Arbeit mit großem Mut ausgeübt. Der irische Premierminister Leo Varadkar teilte in Dublin mit: “Wir können nicht jenen erlauben, die Gewalt, Angst und Hass verbreiten, uns in die Vergangenheit zurückzuziehen.” Die Chefin der nordirischen Partei DUP, Arlene Foster, nannte die Tat “sinnlos”. “Diejenigen, die in den 70er, 80er und 90er Jahren Schusswaffen in unsere Straßen gebracht haben, lagen falsch. 2019 ist es auch falsch.” Die DUP unterstützt Mays Minderheitsregierung.

Auch der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, zeigte sich betroffen von der Tat. “Wir sind erschüttert und fordern rasche Aufklärung und konsequente Strafverfolgung”, sagte Mihr der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. “Der Fall zeigt, wie gefährlich die Arbeit für Journalistinnen und Journalisten auch in vermeintlich sicheren Ländern geworden ist.”

dpa

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