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Tiktok-Erfinder Bytedance: Wie die Firma hinter der gehypten Teenie-App die Techwelt aufmischen will

Das Tech-Unternehmen Bytedance aus China
Das Tech-Unternehmen Bytedance aus China ©unsplash/chuttersnap/ Montage: MEEDIA

Das Unternehmen zählt zu den wertvollsten Startups der Welt und lehrt als chinesischer Konzern westlichen Plattformen das Fürchten: Bytedance ist mit der Teenager-App Tiktok ein überraschender Welterfolg gelungen. Und doch kennt kaum jemand außerhalb von China die Firma. Wie konnte sie so erfolgreich werden?

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Es hat etwas zu bedeuten, wenn der Apple-Chef Tim Cook persönlich in der Zhichun Road in Peking vorbeischaut. Dort sitzt mit Bytedance das derzeit wohl angesagteste Startup der Welt, das mit der Video-App Tiktok für Aufruhr in der westlichen Tech-Szene sorgt.

Selten konnte ein chinesisches Unternehmen mit einer Plattform in Europa und den USA so große Reichweiten generieren wie Bytedance. Über eine halbe Milliarde Menschen nutzen die Videocommunity, vier Millionen in Deutschland. 2018 war Tiktok die weltweit am vierthäufigsten heruntergeladene App – sogar noch vor Instagram und Snapchat. Kein Wunder, dass westliche Unternehmen bei diesen Zahlen hellhörig werden – und sich Cook im vergangenen Herbst zu einem geheimen Treffen mit dem Bytedance-Chef verabredete.

Das Unternehmen ist innerhalb weniger Jahre gewissermaßen zu einem Hidden-Champion gewachsen. Die aktuelle Bewertung liegt bei 75 Milliarden Dollar. Das sind drei Milliarden mehr als der Fahrdienstvermittler Uber. 40.000 Mitarbeiter arbeiten für den Konzern. Im Vergleich: Facebook beschäftigt weltweit etwa 36.000.

Mit Tiktok zum Welterfolg

Tiktok ist zwar nicht der einzige, aber hierzulande wohl bekannteste Dienst des neuen Riesen aus China. Nutzer drehen in dem Netzwerk 15-sekündige Clips, die sie mit Musik hinterlegen und öffentlich teilen können. Die Videos sind häufig albern, unterhaltsam und amüsant. Weil die Zeit begrenzt ist, müssen die User aber möglichst schnell überzeugen. “Make Every Second Count”, lautet der Spruch. Und der kommt an. Vor allem bei Teenagern ist das Netzwerk beliebt.

Diesen Welterfolg hat Bytedance erstens einem strategischen Aufkauf zu verdanken. 2017 leibte sich der Mutterkonzern die LipSync-App Musical.ly ein, bei dem User ihre Lippen zu ihren Lieblingssongs bewegten. Geschätzter Kaufpreis: etwa eine Milliarde Dollar. Zehn Monate später wechselte Bytedance das Konzept zu Tiktok, brachte das Netzwerk weg vom Karaoke-Image und sammelte damit Millionen neue User.

Tiktok setzt zweitens auf einen intelligenteren Algorithmus, der die Inhalte dem Nutzer empfiehlt. Durch die Maschine im Hintergrund hat jedes Video das Potential, viral zu gehen – egal wie viele Follower der Nutzer hat. Das Unternehmen selbst spricht vom Einsatz künstlicher Intelligenz. Sie soll das Geheimnis hinter dem Erfolg des Netzwerks sein.

Mit einem Nachrichtenaggregator fing alles an

Seinen Ursprung hat der Algorithmus aber in einer anderen App, die zum Reich von Bytedance gehört und das Unternehmen in China überhaupt erst groß gemacht hat: Toutiao, ein sogenannter Nachrichtenaggregator. In Deutschland kennt kaum jemand die App. Sie empfiehlt Schlagzeilen, Videos, Blogeinträge und andere Inhalte. Kurzum: alles, was chinesischen Nutzern gefallen könnte.

Auch Toutiao arbeitet laut Unternehmensangaben mit künstlicher Intelligenz, die die Lesegewohnheiten der Nutzer bis ins Kleinste analysieren kann. Das Konzept ging ebenfalls auf: Toutiao läuft auf über 240 Millionen Geräten in China. 73 Minuten verbringen die Nutzer im Schnitt auf der Plattform, die meisten von ihnen sind jünger als 30 Jahre. In Europa versucht Bytedance diesen Erfolg mit dem 2017 aufgekauften Newsaggregator News Republic zu wiederholen.

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Der Gründer ist gerade einmal 36 Jahre alt

Tiktok und Toutiao haben das 2012 gegründete Startup innerhalb weniger Jahre begehrt gemacht. Der Gründer und Ideengeber des Unternehmens heißt Zhang Yiming. Der unscheinbare Mann ist ein 36 Jahre alter Softwareingenieur aus der südlichen Küstenprovinz Fujian. Mittlerweile ist er Chinas neuntreichste Person. Interviews gibt er selten. Wenn man etwas von ihm erfährt, dann dass er das Unternehmen „so grenzenlos wie Google“ machen möchte.

Der Erfolg hat Yiming selbstbewusst gemacht: In China tritt der Gründer als streitfreudiger Tech-Star auf, der sich gerade mit dem Tencent-CEO einen lautstarken Schlagabtausch geliefert hat. Es ging unter anderem um den Vorwurf, dass Tencent in seiner in China bekannten Chat-App WeChat Videos von Tiktok vernachlässigte. Bisher kamen chinesische Unternehmen selten daran vorbei, mit den China-Größen Tencent oder Alibaba zu kooperieren. Yiming ist das egal.

Umsatz wächst Jahr für Jahr

Obwohl Bytedance mit Tiktok und Toutiao zwei erfolgreiche Apps auf dem Markt hat, erfindet es ständig neue. Mit Duoshan hat es erst im Januar einen chinesischen Snapchat-Klon gelauncht. 2016 versuchte das Unternehmen sogar das Internet-Forum Reddit zu kaufen. Der Deal scheiterte.

Das Geld für solche Finanzspiele bekommt Bytedance von Investoren. Zuletzt war etwa der japanische Medienkonzern SoftBank als Investor im Gespräch. Selbst ist das Unternehmen noch nicht profitabel, erhöht seinen Umsatz jedoch stetig: Verzeichnete Bytedance 2017 noch einen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar, konnte es ein Jahr später 7,5 Milliarden umsetzen. Für 2019 ist das Doppelte geplant. In dieser Hinsicht kommt das Startup den US-Tech-Konzernen noch nicht nahe. Facebook nahm 2018 etwa 55,8 Milliarden Dollar ein.

Bytedance verdient das Geld wie Facebook durch Werbung in den Netzwerken, aber auch durch ein integriertes Münzsystem. Innerhalb von Tiktok können Anwender Münzen kaufen, um ihren Idolen Geschenke zu machen. Das größte Paket umfasst 10.000 Münzen – je nach Handy kosten die 109,99 Euro. Laut dem Marktforschungsinstitut Sensortower hat Bytedance damit bislang 75 Millionen Dollar verdient – ohne es aktiv zu bewerben. Der meiste Umsatz mit den Münzen kommt nicht aus China, sondern aus den USA.

Das ist, was Bytedance ausmacht: Das Unternehmen hat es geschafft, mit einfachen Ideen und Unternehmenszukäufen über alle Länder hinweg agile Netzwerke aufzubauen. Sie lassen die Plattformen rasant wachsen. Und ihren Content nutzt Bytedance, um auf Youtube und anderen Plattformen für die eigenen zu werben.

Bislang war es so, dass chinesische Unternehmen, die solche Plattformen angeboten haben, vor allem in ihrem Heimatland Erfolg hatten. Bytedance aber arbeitet von Beginn an international. Für westliche Tech-Konzerne wird das Startup daher in Zukunft womöglich eine größere Rolle spielen, als so manch einer gedacht hat. Tim Cook hat in dieser Hinsicht schon ein gutes Gespür gezeigt.

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