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Weil britische Sender gepennt haben: Eine von Russland finanzierte Agentur hat das Exklusiv-Video von Assanges Verhaftung

WikiLeaks-Gründer Julian Assange
WikiLeaks-Gründer Julian Assange ©dpa

Schon jetzt einer der großen Medienmomente und wohl eines der wichtigsten Bilder des Jahres: Gegen vier Polizisten ankämpfend und mit langem weißen Bart wird Julian Assange aus der ecuadorianischen Botschaft in London abgeführt. Bitter wie peinlich für britische Medien: Die exklusiven Aufnahmen stammen von einer RT-Tochter. Eben jenem Nachrichtendienst, der von der russischen Regierung unterstützt wird.

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Das dramatische Filmmaterial zeigt, wie der Wikileaks-Gründer von mehreren britischen Polizisten aus der ecuadorianischen Botschaft in London abgeführt wird. Es wurde von einem Kameramann der Nachrichtenagentur Ruptly aufgenommen – einer Tochtergesellschaft des von der russischen Regierung unterstützten Nachrichtensenders RT.

Die in Berlin ansässige Agentur hat sich spezialisiert auf Live-Streaming-Events, die von anderen Medienunternehmen mitunter ignoriert werden – wie Proteste und öffentliche Unruhen. Auf Tumblr präsentiert man sich folgendermaßen: „Die derzeitige Medienlandschaft pulsiert, der Informationsfluss scheint unbegrenzt. Aber die, die den Bereich von innen kennen, sehen Lücken im existenten Angebot von Video-Nachrichten-Agenturen und Massenmedien. Wir wollen diese Lücken ausfüllen, Licht ins Dunkel bringen, ein Sprachrohr für Ungehörte sein, das zeigen was normalerweise ignoriert wird.

Seit dem 5. April hatte Ruptly offenbar Kamerateams postiert, die den Eingang der Botschaft rund um die Uhr, also wirklich 24 Stunden pro Tag, überwachen, so Laura Lucchini, Redaktionsleiterin von Ruptly, gegenüber dem Guardian.

Peinlicherweise müssen sich britische Fernsehsender jetzt auf Filmmaterial einer von der russischen Regierung unterstützten Nachrichtenorganisation verlassen, um über ein Ereignis zu berichten, das im Zentrum Londons stattfand. Offenbar gab es eine Vereinbarung seit dem 5. März, dass BBC, ITN und Sky News abwechselnd eine Kamera vor der Botschaft zur Verfügung stellten. Die Sender erklärten sich offenbar bereit, jegliches Filmmaterial zu teilen. Doch diese sogenannte “Poolvereinbarung” wurde am Wochenende aufgegeben. Die Nachrichtenredaktionen kamen demnach zu dem Schluss, dass Assange nicht unmittelbar die Botschaft verlassen müsse.

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Ruptly dementiert, vorab über Verhaftung informiert worden zu sein

Nun heißt es, dass RT, früher bekannt als Russia Today, offenbar vorab informiert wurde, dass eine Verhaftung anstand und noch rechtzeitig Ruptly informieren konnte. Die Mitarbeiter von Ruptly bestehen jedoch darauf, dass es eine einfachere Erklärung gibt: Sie waren mehr darauf bedacht, jederzeit einen Kameramann außerhalb des Gebäudes zu haben als andere Sender. Nun hat die Medienagentur mit russischer Finanzierung die Chance, erhebliche Summen aus der Lizenzierung des Materials auf der ganzen Welt zu verdienen. Vor allem aber werfen Kritiker der Agentur die politische und wirtschaftliche Interessendurchsetzung Russlands vor.

Vor der Festnahme hatte die Regierung Ecuadors Assange das diplomatische Asyl entzogen, mit der Begründung, er habe gegen Regeln verstoßen. Die britische Polizei teilte mit, der Botschafter habe sie in die Botschaft in London “eingeladen”. Der gebürtige Australier lebte dort seit Juni 2012 im selbstgewählten Exil. Der 47-Jährige wollte so einer Festnahme und der von ihm befürchteten Auslieferung an die USA entgehen.

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