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Geldregen für US-Verlage: Apple soll rund 500 Mio. Dollar für Vorgänger von Apple News+ zahlen

Apple News+: Magazin-Inhalte auf iPhone und iPad verfügbar machen
Apple News+: Magazin-Inhalte auf iPhone und iPad verfügbar machen ©Apple

Bevor Apple vor wenigen Wochen Apple News+ an den Start gebracht hat, hatte der iPhone-Konzern die Digital-Kiosk-App Texture gekauft. Nun stellt sich heraus: Die kolportierten 100 Mio. waren nur eine Anzahlung. Der Ausflug ins digitale Verlagswesen ist Apple wohl bis zu einer halbe Milliarde Dollar wert. Condé Nast, Hearst, Meredith, Rogers Media und des Private Equity-Finanzierer KKR profitieren davon über die nächsten Jahre.

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Bis dato war lediglich bekannt, dass Apple die App Texture für geschätzte 100 Millionen Dollar übernommen haben soll. Der digitale Zeitschriften-Kiosk bildet die technische Grundlage für Apple News+. Worin die Unterschiede zwischen den beiden Services liegen, dem haben wir uns in unserer ausführlichen Analyse gewidmet.

Wie nun jedoch die New York Post in Erfahrung gebracht haben will, waren die 100 Mio. Dollar nur eine Anzahlung bzw. Vorabzahlung für die Übernahme der Technologie – und der zum damaligen Zeitpunkt rund 230.000 Abonnenten. Demnach soll Apple der Ausflug ins Magazingeschäft in den kommenden Jahr rund eine halbe Milliarde Dollar kosten. Vertraglich geregelt sind demnach noch Garantiezahlungen: für das erste Jahr 145 Millionen Dollar, für das zweite dann 240 Millionen. Dies seien Minimalbeträge, hieß es. Insgesamt also mindestens 485 Millionen Dollar.

Condé Nast, Hearst und auch KKR profitieren

Wohlgemerkt: Texture ist keine App eines Silicon-Valley-Startups. Der Dienst war die Anstrengung diverser Verlage, den Tech-Giganten mit einer eigener Inhalte-Plattform etwas entgegenzusetzen. Angekündigt wurde das Joint-Venture von Condé Nast, Hearst, Meredith, Rogers Media und des Private Equity-Finanzierer KKR im Jahr 2009, kurze Zeit später ging die App live. In einer Zeit, in der das iPad noch als absoluter Heilsbringer der Verlagsbranche galt. Springer-Chef Mathias Döpfner ließ sich einst im Talk mit dem US-Star-Journalisten Charlie Rose zu dem mittlerweile legendären Zitat hinreißen: “Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet.”

Nun, rund ein Jahrzehnt später, haben Tablets ihren festen Platz gefunden. Allerdings in der Nische. In den USA und auch hierzulande machen sie durchschnittlich rund sieben Prozent des Web-Traffics aus. Der Großteil der Nutzer konsumiert digitale Inhalte viel lieber übers Smartphone. Und ob es nun an unmotivierten Versuchen der Verlage lag oder nicht: E-Magazine kamen nie wirklich zum Fliegen.

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Android-Nutzer sehen bald schwarz

Schlechte Nachrichten gibt es derweil für Android-Nutzer: Mit der Übernahme und dem nun erfolgten Start von Apple News+ in den USA und Kanada schaltet Apple demnächst Texture für Android ab, schreibt die New York Post. Der Konzern aus Cupertino scheint derweil überzeugt, das Angebot erfolgreich machen zu können. Auf Werbung wolle man daher komplett verzichten und sich für das Plus-Abo für 9,99 Dollar fokussieren.

Die ersten Meldungen beteiligter Verlage klingen auch recht optimistisch: Das Wall Street Journal konnte in den ersten Tagen mit Apple News+ bessere Abrufzahlen für bestimmte Inhalte verbuchen als auf den eigenen Webseiten. Dabei wirkten die zunächst kolportieren, aber bislang immer noch unbestätigten 50 Prozent Provision für alle Erlöse innerhalb der App für Apple wie ein massiver Dämpfer – deutsche Verlegerverbände winkten deswegen erstmal ab. Doch offenbar scheint sich Apple News+ für Verlage durchaus zu lohnen – vor allem für jene, denen die Technologie gehörte.

Dass besagtes Verlagskonsortium rund ein Jahrzehnt später seine App ausgerechnet an einen der Tech-Giganten veräußert, denen man die Stirn bieten wollte, ist zum einen absurd. Zum anderen aber ein Eingeständnis an die Tatsache, dass man sich selbst nicht mehr zutraute, die Plattform selbst erfolgreich weiterzuentwickeln. Eine Niederlage letzten Endes, wenn auch eine gut bezahlte.

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