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Digital First bei der Hamburger Morgenpost: Boulevardzeitung stellt gedruckte Nachtausgabe ein

Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow
Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow

Kurz vor einem möglichen Verkauf ihrer Zeitungstitel nimmt das Kölner Verlagshaus DuMont einen Einschnitt bei der Hamburger Morgenpost vor: Die Boulevardblatt stellt die gedruckte Nachtausgabe ein. Grund hierfür ist eine Neuausrichtung der Zeitung. Sie soll ab Juli stärker digital erscheinen. Um möglichst aktuell zu sein, verschiebt Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier den Redaktionsschluss nach hinten. Der Verlag hofft auf steigende Abo-Zahlen beim E-Paper.

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Bars, Restaurants, Kneipen – seit Jahren ziehen Verkäufer nachts durch die Hamburger Szene-Viertel, um Lesern druckfrisch die neueste Ausgabe der Hamburger Morgenpost zu verkaufen. Auch bei Tankstellen mit Nachtöffnung galt das traditionsreiche Boulevardblatt seit Jahrzehnten als fester Bestandteil der Print-Auslagen.

Doch damit ist bald Schluss. Im Juli stellt die Kölner DuMont Mediengruppe die gedruckte Nachtausgabe der Hamburger Morgenpost ein. Dies bestätigt eine DuMont-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Die Hauptausgabe der gedruckten Mopo für die Metropolregion Hamburg erscheine “aber wie bisher jeden Morgen Montag bis Sonntag”, heißt es. Von der Nachtausgabe verkaufte der Mopo-Verlag zuletzt nach MEEDIA-Informationen täglich bis zu 2.000 Exemplaren, vor mehr als zehn Jahren waren es noch 15.000 Stück. Für die Zeitung ist dies eine tiefe Zäsur. Denn die Nachtausgabe gilt als ein wichtiges Instrument für die Leser-Blatt-Bindung. Sie soll zudem helfen, neue Leser für den 1949 von Heinrich Braune gegründeten Titel zu gewinnen.

E-Paper-Offensive

Dass der Verlag jetzt bei diesem wichtigen Bestandteil der Printauflage die Reißleine zieht, liegt offenbar an der Neuausrichtung der Zeitung. Denn Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow plant, den Verkauf von E-Paper deutlich voranzutreiben. Derzeit bewegt sich hier die Zahl bei knapp 8.000 Exemplaren, davon mehr als 1.000 Abos. Zum anderen bringt Molzow die Einstellung der Nachtausgabe Kostenvorteile. Sie spart sich die Druck- sowie Vertriebskosten der Print-Nachtausgabe. Vor allem die gestiegenen Papierpreise machen vielen Verlagen das Leben schwer. Sie treiben daher die Digitalisierung ihrer journalistischen Produkte massiv voran, um sich von diesen Marktgegebenheiten unabhängiger zu machen.

Doch die neue Digital-First-Strategie hat auch Folgen für die Redaktion. Mopo-Chefredakteur Frank Niggemeier will den Redaktionsschluss nach hinten schieben, um aktueller zu sein. „Ab 1. Juli stellt die Hamburger Morgenpost alle Weichen in Richtung Digital First. Um künftig die Inhalte für die Digitalkanäle der Mopo optimal produzieren zu können, wird die Arbeitsweise der Redaktion konsequent darauf abgestimmt. Das heißt, der erste Redaktionsschluss wird von 18.30 Uhr auf 21.45 Uhr verschoben“, erklärt eine Verlagssprecherin. Die Umstellung werde von einer E-Paper-Offensive begleitet, heißt es. Wie diese konkret aussieht, ist offen. Auch bei mopo.de ändert sich was. So sollen die Redakteure künftig stärker digital verbreitete News von anderen Medien aggregieren, um die Reichweite der Webseite zu erhöhen, heißt es.

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Verkaufspläne

Fraglich ist, ob die DuMont Mediengruppe mit dem Umbau die Mopo für einen Verkauf aufhübschen will. DuMont-CEO Christoph Bauer hatte jüngst Planspiele bestätigt, die den Verkauf von allen Zeitungstiteln der Gruppe enthalten. Zum Kölner Zeitungsreich gehören die drei Boulevard-Titel Express, Berliner Kurier sowie die Mopo und die drei Regionalzeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, Berliner Zeitung und Mitteldeutsche Zeitung. Bis Mitte des Jahres wollen die DuMont-Eigentümer entscheiden, ob man sich von den Zeitungen trennt. Für einen Kauf der Titel sollen sich angeblich mehrere Medienhäuser interessieren. In Branchenkreisen ist von Funke, Madsack und Ippen die Rede.

Die Einstellung der gedruckten Mopo-Nachtausgabe passt aber auch ins Branchenbild. Immer stärker achten die Verlage darauf, sich von unrentablen Print-Bestandteilen zu trennen – allerdings zu Lasten der Sichtbarkeit ihrer gedruckten Produkte.

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