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“Amal” startet Lokaljournalismus-Projekt für Geflüchtete in Hamburg – aber es gibt auch Kritik

Das Team von “Amal” (v.l.): Omid Rezaee, Nilab Langar und Ahmad Alrifaee
Das Team von "Amal" (v.l.): Omid Rezaee, Nilab Langar und Ahmad Alrifaee ©Amal

Sprache ist der Schlüssel zur Integration, heißt es. Das Nachrichtenportal "Amal" liefert Geflüchteten seit 2017 Nachrichten zum lokalen Geschehen in Berlin, auf Arabisch und Farsi. Nun kommt das Projekt nach Hamburg. Ein dreiköpfiges Redaktionsteam will den Neuankömmlingen künftig die "Teilhabe am städtischen Leben" erleichtern. Doch es gibt Kritik am Konzept.

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Mitten im Newsroom des Hamburger Abendblatts hat seit kurzem eine dreiköpfige Redaktion ihren Platz gefunden. “Amal, Hamburg!” heißt das am Mittwoch gestartete Nachrichtenportal, das die afghanische Journalistin Nilab Langar, ihr syrischer Kollege Ahmad Alrifaee und der Iraner Omid Rezaee künftig betreuen werden.

“Amal”, der Name des Portals, kommt aus dem Arabischen und bedeutet “Hoffnung”. Das Konzept: Lokaljournalismus für Geflüchtete. Oder Newcomer, wie Redaktionsleiter Rezaee sie gerne nennt. Den Neuankömmlingen aus Afghanistan, Iran, dem Irak und Syrien werden die Artikel in ihrer Muttersprache Arabisch oder Farsi (Persisch) präsentiert. Die drei Redakteure in Hamburg leben selbst erst seit wenigen Jahren in Deutschland.

Integration durch Information?

“Als ich nach Berlin kam, das war Ende 2014 und damit vor der sogenannten ‘Flüchtlingswelle’, konnte ich kein einziges Wort Deutsch”, erzählt Rezaee im Gespräch. Zwar habe er ab Mai 2015 einen Sprachkurs belegt, die deutschen Zeitungen konnte er aber nicht auf Anhieb verfolgen. Was auf bundesweiter Ebene passierte, erfuhr er zwar über englischsprachige Medien oder die Deutsche Welle Farsi. “Dennoch wollte ich wissen, was in Berlin und meiner Nachbarschaft passiert.”

“Wir wollen diejenigen erreichen, die noch nicht so gut Deutsch sprechen, als dass sie die deutschen Medien nutzen können und sich trotzdem informieren wollen. Das geht für Newcomer oft nur in ihrer Muttersprache”, sagt der Journalist über den redaktionellen Anspruch. Er habe sich damals noch durch die Texte deutscher Lokalblätter in Berlin kämpfen müssen. “Auch ein Weg, die Sprache zu lernen”, so Rezaee. Allerdings glaubt er an das Konzept von “Amal”. Man könne sich nur integrieren, wenn man informiert sei. “Wenn etwas in meiner Nachbarschaft passiert, muss ich davon wissen. Vielleicht kann ich wegen der Sprache oder aus anderen Gründen nicht mitmachen, aber ich weiß es zumindest.”

Kritik am Konzept

Dass das Portal auf Arabisch und Farsi über die lokalen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Kultur berichtet, ist einer der am häufigsten genannten Kritikpunkte. Als das Abendblatt über den Start der Nachrichtenplattform berichtete, hätten zahlreiche Leser dies in Kommentaren erwähnt, erzählt Projektleiterin Cornelia Gerlach beim Treffen in der Redaktion. Die freie Journalistin hat das Konzept gemeinsam mit ihrer Schwester Julia bereits vor zwei Jahren in Berlin auf den Markt gebracht.

Würden die Geflüchteten die fremde Sprache nicht schneller lernen, wenn sie deutschsprachige Medien konsumieren? “Nachrichten in der Muttersprache nehmen die Geflüchteten und Neu-Hamburger vom ersten Tag an mit hinein in das Geschehen der Stadt”, entgegnet Gerlach ihren Kritikern. Aus ihrer Sicht schaffen sie Ansatzpunkte, “die Stadt und ihre Gesellschaften zu verstehen und sich darin einzubringen”. Durch den Zugang zum Leben in der Großstadt gebe es zudem Chancen für Gespräche mit den deutschen Nachbarn. “Auch das stärkt die Sprachkompetenz”, betont sie.

“Professioneller Lokaljournalismus auf Arabisch und Farsi”

Beim Schwesterprojekt “Amal, Berlin!” arbeiten mittlerweile zehn Journalisten, die aus Afghanistan, Syrien, Ägypten oder dem Iran kommen. Alle Redakteure haben in ihren Heimatländern bereits journalistisch gearbeitet, manche jahrelang. Im März 2019 hatte das Portal rund 32.000 Homepage-Besucher. Hinzu kommen 27.700 Facebook-Fans für die arabische Seite und knapp 9.500 Follower für die Farsi-Seite. Ähnliches Potenzial sehen Gerlach und das dreiköpfige Redaktionsteam für den neuen Standort.

“Hamburg hat die zweitgrößte iranische Community in Europa nach London und die größte afghanische Community auf der Welt, abgesehen von Afghanistan”, sagt Omid Rezaee, der seit August 2017 im Berliner Team gearbeitet hat und derzeit parallel einen Master in “Digital Journalism” absolviert. Etwa 50.000 Menschen mit afghanischer, syrischer, iranischer oder irakischer Staatsbürgerschaft leben insgesamt in der Hansestadt. “Die Herausforderung in Berlin lag vor allem darin, wie wir uns einen Namen machen. Darum haben wir gekämpft und das wird nun wieder im Fokus stehen”, erläutert er.

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Zu Beginn gab es Hilfe aus Berlin

Dies geschieht vor allem über Facebook, weil dies weiterhin das wichtigste Netzwerk für die “Newcomer” sei. Instagram und Twitter sollen dennoch bald folgen. Den größten Vorteil für eine schnelle Verbreitung sieht er allerdings im Alleinstellungsmerkmal des Angebots. “Wir sind die einzige Plattform, die Lokaljournalismus professionell auf Arabisch und Farsi macht.” Klar, es gebe Facebook-Gruppen bzw. Seiten und Telegram-Channels, journalistisch sei das aber nicht. “Es sind entweder Übersetzungen anderer Artikel oder schlicht die Verbreitung von Gerüchten ohne deren Überprüfung”, betont er.

Damit die Seite zum Launch mit genügend Inhalten bestückt werden konnte, hat das kleine Team redaktionelle Unterstützung durch die Berliner Kollegen erhalten. Elf Stücke sind es geworden: Darunter ein Porträt von Shabnan Ruhin, die in ihrer Heimat Afghanistan für die dortigen Fußball-Nationalmannschaft spielte und heute bei einem Klub im Süden Hamburgs kickt. In einem anderen Stück erzählt die Journalistin Amloud Alamir darüber, wie sie auf ihrer Flucht nach Schweden unfreiwillig einen Tag auf dem Hamburger Flughafen verbrachte.

Die Beiträge zu bundesweiten Themen liefert zukünftig die Hauptstadt-Redaktion. Neben den bereits etablierten Formaten Text und Video sollen Podcasts das journalistische Angebot ergänzen.

Zusammenarbeit mit dem Abendblatt

Die Plattform ist eine Kooperation der Evangelischen Journalistenschule und der gemeinnützigen Körber-Stiftung und wird zudem von der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie verschiedenen anderen Organisationen unterstützt. Bis Ende 2021 fließen rund 1,5 Millionen Euro, womit beide Standorte gesichert sind.

Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Abendblatt. “Wir erhoffen uns einen regen Austausch, werden ihnen Texte von uns zur Verfügung stellen und hoffen unsererseits auf interessante Themen und Ideen von ‘Amal'”, sagt Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider auf Nachfrage.

Dabei geht es vor allem um Themen, zu denen die Lokalredakteure beispielsweise aufgrund einer Sprachbarriere im Umgang mit Geflüchteten oder Migranten nicht so schnell Zugang finden. Entscheidend sei, so Haider, dass die Redaktion von “Amal” mitten im Newsroom des Abendblatts sitzt. “Der Kontakt könnte nicht enger sein. Wir sind sehr gespannt, was sich daraus alles entwickelt.”

Der offizielle Startschuss von “Amal, Hamburg!” wird am Mittwochabend im KörberForum gegeben. Dort stellt sich das Team um Leiter Omid Rezaee bei der Auftakt-Veranstaltung unter anderem den Fragen des Publikums.

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Alle Kommentare

  1. >Bis Ende 2021 fließen rund 1,5 Millionen Euro

    Job in Asylwirtschaft garantiert beste Leben!

  2. > Texte in Arabisch oder Farsi (Persisch)

    Was für ein Blödsinn. Hier werden mit unendlich viel Steuergeld Parallelgesellschaften erzeugt.

    Wer in Deutschland bleiben will, muss Deutsch lernen – ohne Wenn und Aber.

    Geld für Deutschkurse? Ja.

    Geld für Islam-Journalismus? Nein.

  3. Ein Artikel, der die tiefsinnigen Kommentare der üblichen Verdächtigen einsammelt. Es ist ja auch wirklich schrecklich, dass es bei der Bemühung um Integration neuer Bürger irgendeine Hilfestellung gibt, die über das Vermitteln rudimentärer Kenntnisse der Landessprache hinausgeht.

    Bei Kommentaren wie oben stellt sich die Frage, wie integriert eigentlich die Schreiber sind, und vor allem, in was eigentlich? Betrachtet man den meist eher flachen bis unlogischen Inhalt und den verwendeten Sprachduktus ihrer “Beiträge”, dürfte es wohl eine eher sehr rechtslastige Blase sein, die hier ein bis mehrere ihrer Sockenpuppen tanzen lässt.

    Offenbar ist es auch dem neuen Betreiber “Busch Group” völlig Latte, ob die erzeugten PI von Rechtsextremen Trollen oder der eigentlichen Zielgruppe kommen.

  4. Ich denke, wenn der Journalismus in Deutschland überleben möchte, sollten die Printprodukte, aber auch die Fernsehsender generell dazu übergehen in Farsi, Arabisch und Türkisch zu berichten. Hier liegt demographisch gesehen die Zukunft, deutsch ist irgendwie von gestern, In dieser Sprache haben sich die Nazis unterhalten, das kann also weg.

  5. Ich kann “Jesus” und Franziska nur zustimmen.

    Es ist beängstigend, für was alles Geld im Land verpulvert wird. Das “Projekt” sieht mir stark danach aus, als wollen linke und grüne Kreise auf Biegen und Brechen die Arbeitsmarktstatistik für Migranten schönen. Bisher ist deren Bild trotz Hochkonjunktur nämlich ziemlich lau.

    Wer nach Kanada, in die USA oder Neuseeland blickt, weiß wie Integration funktioniert: Strikt nach dem Grundsatz: Entweder Du passt Dich der neuen Heimat an, oder gehst zurück in die alte.

    Auch dort gibt es Einwandererzeitschriften und -portale. Die sind aber zu einhundert Prozent marktfinanziert. Nicht der allwissende Staat weiß, mit viel Steuergeld im Nacken, was der Bürger gefälligst zu lesen hat (wie bei uns), sondern der Einzelne entscheidet selbst, für welche Medienprodukte er sein eigenes Geld ausgibt.

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