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Wochenrückblick: die große Facebook-Medien-Politik-Kuschelei

Me and Mark: Medienmenschen und Politiker zeigen sich gern mit Mr. Facebook
Me and Mark: Medienmenschen und Politiker zeigen sich gern mit Mr. Facebook ©Dorothee Bär(Instagram)/ Mark Zuckerberg(Facebook)/ Kai Diekmann(Twitter)/Montage: MEEDIA

VDZ-Präsident Rudolf Thiemann schimpfte beim bayerischen Mediengipfel in München auf die "Hasenfüßigkeit der Politiker". In und um Berlin kuschelten namhafte Vertreter aus Politik und Medien heftig mit Facebook-CEO Mark Zuckerberg. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Am Donnerstag war ich zu Gast auf dem Mediengipfel des Verbands der Zeitschriftenverlage in Bayern (VZB). Der VZB ist ein regionaler Ableger des großen VDZ, des Verbands der Zeitschriftenverleger. Das ist insofern bemerkenswert, da auch der professionelle Medienfuzzi von der Existenz dieser regionalen VDZ-Ableger bis vor einiger Zeit fast nichts mitbekommen hat. Das hat sich dramatisch geändert, als die frühere Chefin des Münchner MVG Verlags (u.a. Cosmopolitan, Joy), Waltraut von Mengden, die heute als Beraterin arbeitet, beim VZB als Erste Vorsitzende das Ruder übernommen hat. Die begnadete Netzwerkerin von Mengden hat aus dem jährlichen Stelldichein des Regionalverbands mittlerweile ein bundesweit beachtetes Top-Event der Branche gemacht. Diesmal drehte sich das Programm rund um China und was man von den dortigen Entwicklungen lernen kann. VDZ-Präsident Rudolf Thiemann hielt die Keynote, lobte die verabschiedete EU-Urheberrechtsreform und schimpfte über die “Hasenfüßigkeit der Politiker” – weil einige Angehörige der politischen Klasse angesichts der Proteste gegen die Urheberrechtsreform mit öffentlichen Rückruderbewegungen begonnen hatten. Eine zumindest originelle Allegorie für die EU-Urheberrechtsreform fand der bayerische Medien-Minister Florian Herrmann in seiner Dinner-Speech: Die US-Plattformen hätten bisher ungefähr so agiert wie ein Wirt, der seinen Gästen Wildbret vom Wilderer serviert und nur an den Getränken verdient. Den Gast freue das natürlich, weil: gratis Mahlzeit. Den Wirt auch, der verdient am Bier. Aber wo bleibt der arme Jagdpächter, der sich brav an Getz und Ordnung hält? Nur falls Sie nicht aus Bayern stammen und/oder keinen Jagdschein besitzen: Der Wilderer ist hier der böse IT-Konzern (z.B. Facebook), der Gast ist der User und der arme Jagdpächter ist ein Verlag. Klar, oder?

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Dabei zeigte sich der wilde Facebook-Chef diese Woche den Medien gegenüber ganz zahm. Facebook-CEO Mark Zuckerberg startete eine großangelegte Kuschel-Offensive in Richtung Medienbranche. Zuerst ein Artikel in diversen Zeitungen, in denen er treuherzig eine Regulierung der Plattformen einforderte. Dann ein Besuch in Berlin inklusive Gesprächen mit CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, dann ein großes Interview mit Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner. Wobei erwähnenswert ist, dass der Facebook-Boss hier den Medienmann interviewte und nicht etwa umgekehrt. Dabei stellte “Zuck” leicht wolkig einen eigenen Bereich für Medien innerhalb des Facebook-Ökosystems in Aussicht. Und es gab noch ein paar Milliönchen für Lokalmedien, in Deutschland u.a. für die Funke Gruppe und die Rheinische Post. Dort dürfen sich Mitarbeiter bald auf Besuch von Durchblickern aus Übersee freuen, die ihnen in Workshops auf Facebooks Kosten endlich verklickern, warum das bisher mit den Digitalabos bei ihnen noch nicht so richtig superrund gelaufen ist.

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Dies Offerten Facebooks in Richtung Medien waren aber ja gar nicht das, was die Medien wirklich am Besuch von Zuckerberg interessiert hat. Interessant für die Medien war vor allem die Stilfrage:

Und wenn wir schon mal dabei sind: Bitte beachten Sie, dass Zuckerberg nach dem Treffen mit AKK den Anzug flugs gegen einen flauschigen Pulli getauscht hat. Beim Dinner parlierte er dann auch mit ehemaligen Springer-Granden:

Den Hashtags kann man entnehmen, dass neben Diekmann auch Ex-Bild-Chefredakteurin Tanit Koch (nun n-tv-Chefin), CSU-Digital-Staatsministerin Dorothee Bär, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Vodafone CEO  Hannes Ametsreiter und der aktuelle Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann an dem Zuckerberg-Essen teilnahmen. Ganz schön exklusiv! Man staunt ein wenig, wie gern sich die Politiker, Medien und Wirtschaftsbosse mit dem Facebook-CEO zeigen. Und in welcher Rolle war eigentlich Kai Diekmann vor Ort: Als Ex-Bild-Chef? Als Inhaber einer PR-Agentur? Bei potenziellen Kunden seiner Agentur Storymachine kommt so ein Me-and-Mark-Selfie sicher gut an. Ist halt dann doch irgendwie cool, der Mark. Auch wenn man bei anderer Gelegenheit dann wieder über ihn und seinen furchtbaren Moloch-Datenfresser-Konzern schimpft. Aufgefallen ist das auch t-online.de-Chefredakteur Florian Harms. Der schrieb in seinem Morgenletter “Tagesanbruch”:

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Da sind zum dritten die Digitalstrategen der Bundesregierung wie Staatsministerin Dorothee Bär, die alle naselang erzählen, wie doof sie Facebooks Angriffe auf den Datenschutz finden – und im nächsten Atemzug stolz Selfies mit Herrn Zuckerberg verbreiten. Natürlich auf Instagram, das ebenfalls Herrn Zuckerberg gehört. Eine so fröhliche Skrupellosigkeit erfordert ein gehöriges Maß an Selbstverleugnung.

Siehe hier:

War Florian Harms jetzt so empört weil er ein aufrechter Geselle ist oder hatte er am Ende keine Einladung? Ich weiß es nicht, unterstelle wie stets aber ausschließlich beste Absichten.

Das Foto von der Doro und dem Mark hat ausweislich der Bildunterschrift übrigens der “new master of photography Kai Diekmann” gemacht. Ach! Darum war der also da!

Schönes Wochenende!

PS: Um Facebooks Charmebolzen-Offensive geht es auch in der  neuen Folge unseres Podcasts “Die Medien-Woche”. Außerdem spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt über das Israel-Bild in deutschen Medien. Dazu gibt es auch ein Interview mit dem Grünen-Politiker und Israel-Kenner Volker Beck. Und wir diskutieren die aktuelle Kritik an YouTube wegen des Umgangs der Plattform mit problematischen Videos. Ich freue mich, wenn Sie reinhören!

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