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In 17 Jahren zum Erfolg: Wie die Financial Times die magische Marke von 1 Mio. Digitalabos geknackt hat

FT-CEO John Ridding, Chairman & Group CEO Nikkei, Tsuneo Kita, und FT-Herausgeber Lionel Barber (v.li.)
FT-CEO John Ridding, Chairman & Group CEO Nikkei, Tsuneo Kita, und FT-Herausgeber Lionel Barber (v.li.) © Financial Times

Neben der New York Times und dem Wall Street Journal in guter Gesellschaft: Die Financial Times zählt nun zum erlauchten Club der einstigen Printmedien mit über einer Million Digital-Abonnenten. Dabei setzt die altehrwürdige Wirtschaftszeitung auf einen Mix aus Qualitätsjournalismus und datengetriebener Weiterentwicklung redaktioneller Produkte.

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“Mit der Entwicklung eines Abonnementmodells und Investition in die digitale Transformation haben wir bewiesen, dass Qualitätsjournalismus ein Qualitäts- und Wachstumsgeschäft sein kann”, erklärte CEO John Ridding in einem Schreiben an die Mitarbeiter. “Wir haben auch den dauerhaften Wert einer unabhängigen, autoritativen und zuverlässigen Berichterstattung und Analyse in einer Zeit von Fake-News, Sensationslust und Polarisierung in den Medien demonstriert.” Ferner hätte man diesen Rekord mit Hilfe einer Strategie erreicht, die von den Eigentümern Nikkei geteilt und unterstützt würde. Die japanische Mediengruppe zählt inzwischen selbst mehr als 650.000 digitale Abonnenten.

Drei Viertel der Gesamtauflage sind Digitalabos

Gleichwohl ist die Erfolgsmeldung nicht Produkt eines Hypes, sondern vielmehr das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit. So führte die Financial Times bereits 2002 eine Paywall ein. 2007 folgte ein “Metered”-Zugangsmodell, bevor man 2015 zu bezahlten Studien als primäres Vergütungsmodell überging. Mittlerweile machen digitale Abonnements mehr als drei Viertel der FT-Gesamtauflage aus. 70 Prozent der Leser stammen dabei aus dem Ausland, greifen also außerhalb Großbritanniens auf die Inhalte zu. Dennoch: Für die erste Million Digital-Abos benötigte die FT stolze 17 Jahre.

“So sehen langfristige Planung und langfristige Investitionen aus”, erklärt Douglas McCabe, CEO von Enders Analysis, gegenüber Digiday. “Von allen Unternehmen, mit denen wir bislang gesprochen haben, ist die FT dem, wie ich es nennen würde, “First Principles”-Ansatz am nächsten. Sie beschäftigen nicht Hunderte von Menschen auf dem Abonnement-Funnel, haben dafür aber einen klar definierten strategischen Rahmen und klare Entscheidungskriterien für das Verständnis von Trade-offs.”

 

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Dabei legt der Verlag viel Wert auf die passende User-Experience. Ein eigens zu diesem Zweck gegründetes Engagement-Team wertet ständig alle verfügbaren Daten der Abonnenten aus: Wie sind sie auf die Plattform gekommen? Wie lange bleiben sie? Was lesen sie? Eine Messgröße, genannt “Quality Reads” weist die Anzahl der Pageviews aus, die mindestens die Hälfte eines Artikels gelesen haben – basierend auf der “time on page”, Scrolltiefe und darauf, wie Abonnenten sich bei vergleichbarem Content verhalten. Die Auswertungen werden regelmäßig mit den Ressorts geteilt.

Data first
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Die FT bietet unterschiedlichen Zielgruppen angepasste Angebote: Auf MyFT kann sich jeder Abonnent einen FT-Newsfeed basierend auf den eigenen Vorlieben zusammenstellen. Gleichwohl produziert die Redaktion Multimedia-Reportagen und interaktive Spiele, um jüngere Zielgruppe anzusprechen. Ein weiteres Programm zielt darauf ab, Lehrer und vor allem Schüler zu dauerhaften FT-Lesern zu machen. “All das passiert data-driven”, erklärt Nic Newman, Herausgeber des Reuters Institute Digital News Report.

Gleichwohl ist auch Printzeitung auf lachsfarbenem Papier weiterhin profitabel. Die Umsätze im vergangenen Jahr beliefen sich auf 502 Millionen Dollar, der Gewinn liegt bei 33 Millionen Dollar. Seit der Übernahme des FT durch Nikkei im Jahr 2015 sind Umsatz und Gewinn sukzessive weiter gestiegen.

Traditionsbewusstsein im Zeitalter digitaler Transformation

Dem Qualitätsjournalismus taten Verkauf und Ausbau der Digitalaktivitäten scheinbar keinen Abbruch: Unter Chefredakteur Lionel Barber gewann die FT allein 2018 fast 50 Preise, für Reportagen aber auch Innovationen im Newsroom. Darunter die Preise “Newspaper of the Year” und “News Team of the Year” bei den British Press Awards. Bei den British Journalism Awards wurde die FT als “News Provider of the Year” ausgezeichnet.

Wie wichtig der 1888 gegründeten Wirtschaftszeitung im Zeitalter digitaler Transformation die Tradition ist, davon zeugt der Umzug in ihr historisches Zuhause. Noch im April verlegt die FT ihren globalen Hauptsitz von der One Southwark Bridge in London in das Bracken House im Herzen der Stadt. Bis in die Achtziger beherbergte das altehrwürdige Gebäude aus rosafarbenem Sandstein – eine Anspielung auf die ungewöhnliche Papierfarbe – die Financial Times.

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