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Funke, Main-Post, RP und Co. sind dabei: Facebook unterstützt lokale Verlage mit zwei Millionen Euro

Facebook-CEO Mark Zuckerberg
Facebook-CEO Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg auf Deutschland-Tour: Erst lieferte er in einem Gastbeitrag Vorschläge zur Regulierung des Internets, dann erschien am Dienstag ein Interview mit Springer-CEO Mathias Döpfner und nun zündet der Facebook-Gründer die nächste Stufe seiner Charme-Offensive. Zwei Millionen Euro sollen 13 deutsche Verlagsgruppen im Rahmen eines zwölfwöchigen Programms erhalten.

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Facebook hat am Dienstag den Start des “Local News Subscriptions Accelerators” für Deutschland bekanntgegeben. In einem Beitrag im Newsroom erklärt das US-Unternehmen, dass künftig zwei Millionen Euro an lokale Verlage gehen sollen, um ihnen bei der Weiterentwicklung digitaler Bezahlmodelle zu helfen. Das Projekt ist Teil des “Facebook Journalism Project”, eine auf drei Jahre angelegte weltweite Initiative mit einem Budget von 300 Millionen Dollar.

In Deutschland sind nun 13 Verlage dabei: Dazu gehören die Funke Mediengruppe, MHS Digital, Mediengruppe Straubinger, Tagblatt/Landshuter Zeitung, Rheinische Post Digital, Nordbayern Infonet, Oberpfalz Medien, Verlag und Druckerei Main-Echo, DuMont, Ippen Digital, Mediengruppe Main-Post, Mediengruppe Oberfranken und Lensing Media.

Wie können Verlage soziale Netzwerke besser nutzen?

Das zwölfwöchige Programm umfasst mehrtägige Workshops mit den teilnehmenden Verlagen und individuell gestaltete Übungen zu einer Reihe verlagsspezifischer Fragestellungen. Im Anschluss werden die Teilnehmer weiter unterstützt, heißt es. In Zusammenarbeit mit Coaches werden die Verlage eigene Projekte entwickeln, die dann mit den Fördermitteln in die Praxis umgesetzt werden sollen.

Mit dabei sein werden unter anderem Tim Griggs (ehemaliger Manager der New York Times und heute Berater für die digitale Medienbranche) und Yasmin Namini (leitete das Verbrauchermarketing bei der New York Times).

Für die Funke Mediengruppe beispielsweise geht es bei der Teilnahme um Folgendes, wie Ruth Betz, Leiterin für Digitale Transformation, in einer Mitteilung erklärt: “Das Programm wird uns dabei helfen, unsere Strategien und Taktiken bei der Akquise von Abonnenten weiter zu verbessern. In den Coachings, Workshops und Webinaren wird es darum gehen, wie wir Soziale Netzwerke wie zum Beispiel Facebook noch stärker für unsere Ziele optimieren und einsetzen können.”

Lokales Engagement soll nur der Anfang sein

Jesper Doub, Ex-Spiegel-Geschäftsführer und nun Director of News Partnerships (EMEA) bei Facebook, sagt zum Projektstart: “Wir freuen uns sehr, dieses Accelerator-Programm nun erstmals nach Europa zu bringen. Besonders freut mich die positive Resonanz vieler lokaler Verlage in Deutschland, die sich gerne einbringen wollen.” Der Accelerator sei jedoch nur ein Teil des Engagements. Der US-Konzern werde in Zukunft “noch mehr in die Stärkung lokaler Nachrichtenorganisationen in Europa investieren.”

Im Interview mit Horizont gibt Doub zu, dass die Zusammenarbeit mit Medienpartnern in Europa verbessert werden könne. “Mein Ziel ist es, unser Partnerships Team in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) neu aufzustellen und zu erweitern, um eine bessere Brücke zwischen Facebook und der Medienbranche zu schlagen”, betont er. Außerdem habe das Soziale Netzwerk eine Verantwortung, “Medienunternehmen bei der Veränderung ihres Kerngeschäfts zu helfen”.

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Dass es sich vor dem Hintergrund der üppigen Werbeeinahmen der Plattform lediglich um einen kleinen Beitrag handelt, sieht er anders. Doub erläutert: “Für ein dreimonatiges Programm in einem Land sind zwei Millionen Euro durchaus eine bedeutende Investition.” Er verweist zudem auf das weltweite “Journalism Project”. Dennoch sei den Verantwortlichen bewusst, dass die Initiative kein Allheilmittel sein kann. “Der Accelerator wird die grundsätzliche Herausforderung, nämlich die radikalen Veränderungen in der Medienbranche, nicht auflösen”, so Doub.

Zusammenarbeit mit gemeinnütziger Organisation

“Wir sind davon überzeugt, dass lokale Nachrichten für den gesellschaftlichen Zusammenhalt eine entscheidende Rolle spielen. Daher möchten wir sicherstellen, dass das Ökosystem rund um lokale Medien robust ist. Ganz egal ob die Artikel auf Facebook erscheinen oder nicht”, wird Anne Kornblut, Director of News Initiatives, im News Partnerships Team bei Facebook, im Blogeintrag zitiert.

Damit die Ideen auch tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden, besteht eine Zusammenarbeit mit dem International Center for Journalists (ICFJ), einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Washington D.C. “Journalistinnen und Journalisten, die über lokale Ereignisse berichten, tragen entscheidend zur Meinungsbildung in ihren Gemeinden bei”, betont Joyce Barnathan, Präsidentin des ICFJ. “Wir engagieren uns weltweit für die Stärkung lokaler Medien und freuen uns insbesondere auf die gemeinsame Arbeit in Deutschland, wo wir seit Jahrzehnten mit Redaktionen in engem Austausch stehen.”

Diverse Projekte in den USA angelaufen

In den USA sind bereits verschiedene Programme angelaufen, um Lokaljournalismus zu stärken. Laut Facebook werden Beiträge mit regionalem oder lokalem Bezug von Nutzern besonders gern gelesen. Auf seiner Webseite nennt das Unternehmen dazu ein paar Beispiele. Zusammen mit dem Pulitzer-Zentrum startet der Konzern etwa die Initiative “Bringing Stories Home“. Sie unterstützt jährlich zwölf lokale Multimedia-Projekte verschiedener Verlage in den Staaten. Fünf Millionen Dollar investiert der Konzern in dieses Projekt.

Weitere zwei Millionen fließen in ein Vorhaben der Initiative “Report for America”, durch das in den nächsten fünf Jahren rund 1000 Stellen Journalisten in Lokalredaktionen der USA geschaffen werden (MEEDIA berichtete). 2018 wurde zudem in den Staaten außerdem das “Facebook Membership Accelerator” gelauncht.

tb

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  1. “Alle Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern, werden als „gemeinnützig“ bezeichnet. Vereine und Körperschaften, die sich auf das Gemeinwohl ausrichten, genießen ein Steuerprivileg, und können nach den Kriterien des Steuerrechts (Abgabenordnung) als gemeinnütziger Verein oder Firma anerkannt werden. Spenden, staatliche Zuwendungen und Sponsorengelder werden an Gemeinnützigkeit geknüpft. Doch ist die Gemeinnützigkeit an die Bedingungen des § 52 Abgabenordnung (AO) geknüpft.

    “So müssen gemeinnützige Zwecke direkt und unmittelbar (§57 AO) verfolgt werden. Werden gemeinnützige Zwecke unter Nutzung sozialer Medien verfolgt, so entfällt die Unmittelbarkeit. Die Institution ist nur noch „mittelbar“ gemeinnützig, denn die Mitgliederdaten werden für die Erzielung „mittelbarer Datengeschäfte Dritter“ genutzt.” ”

    “Die ausgespielten Informationen in Facebook werden durch Algorithmen gesteuert, die nach völlig diversen Präferenzen und Datenschutzeinstellungen der Gruppen-Mitglieder getriggert werden. Das Prinzip der inneren Demokratie von Vereinen ist somit prinzipiell zerstört. Die Vereinsmitglieder haben unterschiedliche Informationsstände. Auch das „Pertinenzprinzip“ ist gestört, die Zugehörigkeit von Informationen zu Sachzusammenhängen. Dazu sind auch Chronologieprinzip und die Wiederauffindbarkeit von Informationen gestört. Es würde unverhältnismäßigen Aufwand bedeuten, sich nachträglich einen Gesamtüberblick zu verschaffen.”

    Für die Demokratie und die Funktion der Stadtgesellschaft (Polis) können Twitter und Facebook somit keine „Garantenstellungen“ einnehmen, die Gleichheit, gleichen Informationszugang und gleiche Mitbestimmungs- und Beteiligungsrechte absichern.

    Das Demokratie-Prinzips wird durch die „algorithmisch gesteuerte Information“ zerstört, weil es die „Allgemeingültigkeit“ von Informationen voraussetzt. Für die Konstitution der Polis ist es aber unerläßlich, breite allgemeine Zustimmung und allgemeine soziale Übereinkünfte und Gesetze durch allgemeingültige Informationen herzustellen.”

    “Die möglichen Konsequenzen für die Stadtgesellschaft: Bisher gemeinnützige Vereine und Kulturinstitutionen müssen sich künftig auf eine veränderte Steuerpraxis einstellen, und Vorkehrungen gegen eine (rückwirkende) Aberkennung der Gemeinnützigkeit treffen.

    Zeitungsredaktionen müssen sich künftg neu auf ihre Garantenstellung für die Öffentlichkeit und die Polis besinnen, und den Umgang mit sozialen Medien überprüfen.”

    Auszüge aus: “Facebook und soziale Netzwerke sind nicht gemeinnützig”
    28.6.2018

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