Partner von:
Anzeige

Ritterschlag vom Silicon Valley-Mogul: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg interviewt Mathias Döpfner

Gespräch auf Augenhöhe: Mark Zuckerberg (li.) traf Mathias Döpfner bei Berlin zum Podcast-Talk
Gespräch auf Augenhöhe: Mark Zuckerberg (li.) traf Mathias Döpfner bei Berlin zum Podcast-Talk ©Charles Yunck

Dieses Interview hätte wohl jeder europäische Verleger gern gegeben: Am vergangenen Wochenende traf Axel Springer-CEO Mathias Döpfner auf den Facebook-Gründer höchstselbst. Abgesehen davon, dass derartige Zusammenkünfte höchst selten sind, waren die Umstände bemerkenswert. Denn Fragesteller war nicht der Medienmanager, sondern Mark Zuckerberg, der damit seine Podcast-Premiere zur Zukunft von Internet und Gesellschaft bestritt.

Anzeige

Am Montagnachmittag launchte Zuckerberg – natürlich bei Facebook – einen gut einstündigen Video-Mitschnitt des Gesprächs, das nach Angaben der Beteiligten “in der Nähe von Berlin” stattgefunden hatte und zu welchem offenbar der US-Amerikaner eigens nach Europa geflogen war. Wie aus dem Umfeld des Verlagshauses zu hören ist, fand das Meeting am Rande der Springer-Management-Tagung statt.

Man darf annehmen, dass das neuerdings unverkennbare Interesse des Facebook-Chefs für europäische Befindlichkeiten durchaus mit den für das Netzwerk bedrohlichen Regulierungsbestrebungen der EU und der zunehmend erfolgreichen Lobby-Arbeit der Verleger-Verbände zusammenhängt. So wurde Google von Kartellbehörden wiederholt mit Milliarden-Strafen belegt. Facebook droht die Zerschlagung des Konzerns und ebenso die Verfolgung wegen illegaler Inhalte auf der Plattform.

Zuckerbergs Reaktion scheint die Flucht nach vorn zu sein. Der Gründer der erst 2004 gegründeten und weltweit bald zwei Millarden Nutzer starken Community reagiert darauf mit fast übertrieben wirkender Offenheit und eigenen Vorschlägen, wie das Netzwerk von Fake News, Hatespeech, Gewaltdarstellungen und massenhaften Urheberrechstverletzungen gesäubert werden kann. Viele Politiker und die mit Facebook um Werbeeinnahmen rivalisierenden Medienhäuser sehen das kritisch, der Glaube an die Selbstreinigungskräfte des Netzwerks sind nicht besonders ausgeprägt, auch die Aufrichtigkeit der Bekenntnisse des Gründers wie die von CEO Sheryl Sandberg werden lautstark in Zweifel gezogen.

Der Deutsche Mathias Döpfner dürfte dabei aus Sicht von Zuckerberg eher der dunklen Seite der europäischen Macht zuzurechnen sein. Dennoch hat sich der 34-Jährige den Springer-CEO als Interviewpartner ausgesucht, um den Dialog mit den Medien zu starten. Dafür gibt es mindestens zwei gute Gründe: Zum einen ist der Vorstandschef aus Berlin neben seiner Tätigkeit für den Verlag auch Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und damit eine Art Premium-Influencer in der Branche, die Facebook derzeit zu befrieden sucht. Zum anderen ist Döpfner, bei aller Kritik, auch ein Fan des immer noch jungen Manns, der einst sein Havardstudium schmiss, um sich mit einer irgendwie spinnerten Geschäftsidee selbstständig zu machen, die in der Folge rasch einen Weltkonzern begründete.

Eine typische Konstellation, für die sich in der Verlegerszene das Wort Frenemy etabliert hat: Man hätte einen wie Zuckerberg gern zum Freund, fürchtet aber zugleich, dass der am Ende Feind und womöglich Totengräber des eigenen Geschäftsmodells sein könnte. Von all dem ist im Interview-Setting erst einmal nichts zu spüren: Der Eine (Zuckerberg) gibt sich betont respektvoll, der Andere (Döpfner) trotz seines Altersunterschieds von 21 Jahren betont jugendlich. Beide präsentieren sich ohne Krawatte und kragenlos in T-Shirt und Pulli, die Ärmel über die Unterarme hochgeschoben. Eine loftartige Kulisse mit Sichtmauerwerk und Holzdielen bildet den Rahmen einer Unterhaltung auf Augenhöhe, die zumindest für diesen Moment die Illusion schafft, dass hier nicht Goliath mit David konferiert, was angesichts der wirtschaftlichen Eckdaten beider Konzerne überaus zutreffend wäre.

This year I'm hosting a series of discussions about the future of technology and society. This time I sat down with Mathias Döpfner in Berlin. He started his career as a journalist and he's now the CEO of Axel Springer, the largest publisher in Europe. We talked about the role quality journalism plays in building informed communities and the principles Facebook should use for building a news tab to surface more high quality news, including the business model and ecosystem to support it. We also discussed the privacy-focused vision I laid out for the future of social networking and the four ideas for internet regulation I published this weekend. These are important topics and I could have spent hours talking to Mathias about them. It's important to me that we help people get trustworthy news and find solutions that help journalists around the world do their important work.

Gepostet von Mark Zuckerberg am Montag, 1. April 2019

Als eine “Serie” von Gesprächen kündigt Zuckerberg die Unterredung in einem einleitenden Statement an, den Auftakt mache das Thema “Internet und Journalismus”. An Döpfner gerichtet erklärt der Facebook-Chef, er sei “wirklich dankbar, die Chance zu haben”, mit dem Springer-Manager “hier zu sitzen und zu sprechen” – als habe er es gerade so geschafft, sich ein rares Zeitfenster im übervollen Terminkalender des Berliners zu sichern. Döpfner, lobt Zuckerberg, habe seine “Karriere der Freiheit der Presse gewidmet” und repräsentiere mit Axel Springer den “größten News Publisher Europas”.

Anzeige

Den gezielten Schmeicheleien weicht Döpfner einigermaßen gekonnt aus, indem er ein wenig Werbung für seine Company macht. Springer verfüge nur noch über zwei Zeitungsmarken, die gedruckt erscheinen, und erwirtschafte 84 Prozent des Konzern-Profits bereits mit digitalen Angeboten. Weniger als 10 Prozent des Gewinns stamme aus dem Printgeschäft, bilanziert der 55-Jährige, der die Transformation des Verlagsgeschäfts entschlossen wie kein zweiter deutscher Medien-CEO vorangetrieben hat. Das Hauptziel seines Hauses, so Döpfner, sei es, dem “digitalen Journalismus zum Wachstum zu verhelfen”.

Unter den Talk-Themen waren die Konflikt-Klassiker EU-Urheberrechtsnovelle und DSGVO, die unkalkulierbare Rolle Chinas im Web-Business, die Zukunft des lokalen Journalismus sowie die Frage, ob Facebook Verleger-ähnlich agieren solle und könne. Und Döpfner zeigt sich in der Sache hart, macht deutlich, dass Journalismus ein funktionierendes Geschäftsmodell und „faire“ Rahmenbedingungen braucht.

Eine kleine Breaking News gab es aber auch: Zuckerberg stellte ein innovatives Facebook-Nachrichtenangebot vor, das eine den Verlegern vorbehaltene Sektion im Community-Angebot beeinhaltet. “Hoch-qualitative News” nannte der Facebook-Gründer das Projekt. Verleger könnten für dazu beigesteuerte Beiträge eigens bezahlt werden. Die Rubrik wäre dann in der Nutzer-Navigation mit einem eigenen Button hinterlegt. Voraussetzung: Der Nachfrage nach solchen Themen sei auch tatsächlich vorhanden.

©Charles Yunck

Axel Springer-CEO Mathias Döpfner (li.) und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Verleger werden aus dem Interview von Zuckerberg mit Döpfner die interessante Vision mitnehmen, dass die professionellen News-Produzenten künftig auf ein Lizenzgeschäft mit dem weltgrößten und enorm nutzerstarken Netzwerk hoffen dürfen. Der Springer-CEO reagierte positiv auf die Idee seines Gegenübers, der in seinem Sinne das Interesse Facebooks an “hoch-qualitativen, vertrauenswürdigen Inhalten” hervorhob. Die bemerkenswerteste Nachricht des Treffens sind aber nicht die Gesprächsinhalte, sondern der Fakt, dass es überhaupt in dieser Konstellation stattgefunden hat. Für Mathias Döpfner ist der Podcast-Talk mit dem Internet-Weltstar so etwas wie ein Ritterschlag nach Silicon Valley-Art – digital verbreitet über den größten Broadcaster der Welt.

 

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. das ist ja alles ganz nett mit den tollen Konzern-Profits von CEO Döpfner. Allerdings kennt die Springer Aktie seit einem Jahr nur noch eine Richtung: Steil nach unten. Von 70 auf 46. Das sind 33 Prozent Verlust. In nur einem Jahr…

      1. Nicht falsch. Die Anbiederung ist trotzdem peinlich. Ausgerechnet dort muss er im Partnerlook auftreten. Man sieht förmlich vor sich, wie er die Gartenlaube durchklaubt auf der Suche nach diesen ausgetretenen Turnschuhen, die waren da doch noch irgendwo …

  2. Ist doch logisch, dass der unter Druck stehende Mafioso Zuckerberg den Schulterschluss sucht mit deutschen Qualitätsmedien und hier besonders dem opportunistischen Springer-Konzern. Der Amerikaner weiß, wem er Honig ums Maul schmieren muss, damit der Gegenwind der Rechtstaatlichkeit etwas nachlässt. Warum macht er es nicht wie Google? Die legen gleich ungeniert das Geld auf den Tisch um deutschen Qualitätsjournalismus noch qualitätvoller zu machen.

  3. Meinungsfreiheit ist gefährdet, weil eine Elite vor allem ihre Sicht der Dinge durchdrücken will (Deutungshoheit)

    Facebook benutzen Wir nicht mehr…….Axel Springer Konzern Produkte auch nicht…..was natürlich nicht ganz leicht ist auf Grund der Beteiligungen des Konzerns!

    Atlantik Brücke ist für mich CIA….letzlich ist man im Arsch des US deep States.

    Nee Leute……Demokratie bedeutet “Herrschaft des Volkes” und nicht Herrschaft durch Konzerne, Medienbosse, Militärs, Hochfinanz…das wäre Plutokratie!

  4. DIe „Cities Coalition for Digital Rights“ und die EU-DSGVO markieren einen wichtigen Umbruch, der die Zivilisierung digitaler Technologien weltweit einleitet.

    Die “Digitale Unversehrheit der Person” wird zentrales Rechtsgut in jeder Stadt und Region.

    Die Städte und Regionen werden zu sozialen und digital-arbeitsteilig verwalteten Plattformen.

    Das Grundmuster der Globalisierung wird sich künftig nach “SmartCities & connected SmartRegions” ausrichten!

    Zeitungen, digitale Medien und soziale Netzwerke werden künftig Werkzeuge, die durch kommunale SmartCity-Satzungen “verwaltbar und gestaltbar” sind.

    Statt hunderter AGB´s, Disclaimer und abzuhakender Checkboxen sollte es in der digitalen Stadt 5.0 eine etwa 100 Seiten starke SmartCity-Satzung geben!

    Es ist möglich!

    Die Syntegration der Digitalen Agenda der Bundesregierung 2014-2020 wird in Berlin als Public Open Innovation Projekt unabhängig umgesetzt!

  5. Bis wir diese Smartcity – Gedanken umsetzen, sind wir 12 Milliarden, haben ein Ressourcen-Problem und die “Verluste” des zweiten Weltkriegs sind ein Witz gegen das was wir bis 2050 in Afrika an menschlichem Leid erleben werden.

    Also keine Sorge: Wir werden “unseren Wohlstand” nicht smarter machen, jedenfalls nicht 80% der Bevölkerung – wir werden ihn so bitter die Buntland-Deppen das sehen – verteidigen müssen.

    1. … es geht nicht um Gedanken, sondern um die “Smart Serverless Citizens City”, in der “Stadtbürger” in “Stadtfreiheit” leben, und von 1-Watt-Screen- , Sensor-, Actor-Diensten umgeben sind, die alle Angebote, Kommunikationsangebote und Dienste frei, auswählbar und gegen Kauf oder Gebühr verfügbar machen.

      Das heutige Internet als “DataCenter-Medien-Internet” ist eine völlige Fehlentwicklung, die an ein Ende gelangt, weil sie immer mehr “Produktivitäts-Paradoxa” und Elektroschrott erschafft!

      Das neue Internet mit universellen personalisierten Tokens und smartMobilePages mit “Citizen-to-Citizen”, “Citizen-to-Group” und “Citizen-to-World” – Kommunikation wird besser funktionieren!

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia