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PR-Eigentor: Volkswagen blamiert sich bei “Goldener Kamera” mit geschenktem SUV nach Thunberg-Auftritt

Erst die Klima-Ikone, danach der SUV
Erst die Klima-Ikone, danach der SUV ©Volkswagen News(Twitter-Screenshot)/ Montage: MEEDIA

Volkswagen ist einer der Hauptsponsoren der Goldenen Kamera. Dafür stehen die Karossen des Wolfsburger Autokonzerns dann neben Stars und Sternchen im Rampenlicht. Dass dann auch noch Klima-Ikone Greta Thunberg ein Brandrede für mehr Klimaschutz hielt, waren eigentlich ideale Voraussetzungen für einen Konzern, der nach dem Dieselskandal um ein ökologischeres Image bemüht ist. Doch das ging nach hinten los.

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Für ihr Engagement für den Klimaschutz erhielt die 16-Jährige am Samstag den Ehrenpreis der Goldenen Kamera. Wie auch andere Promis wurde die schwedische Klimaaktivistin in einem VW-Auto zur Bühne gefahren. Einem elektrisch angetriebenen Golf. Das Gesicht des Klimaschutzes vor einem E-Golf – eigentlich die perfekte Markeninszenierung für Volkswagen. Das Image des Konzern ist nach der Dieselaffäre angeschlagen. Nach eigenen Angaben will das Unternehmen künftig die Produktion von Autos mit klassischen Verbrennermotoren auslaufen lassen, um nur noch elektrisch angetriebene Pkw zu fertigen.

Erst “Unser Haus brennt”, dann ein SUV als Geschenk

Und so tat Thunberg am Samstagabend zur besten Sendezeit, was sie am besten kann: sich mit Inbrunst für eine bessere Klimapolitik einsetzen. “Unser Haus brennt”, erklärte die junge Schwedin, nachdem sie den Ehrenpreis entgegengenommen hatte. Jeder im Saal sei aufgefordert, sich für den Klimaschutz zu engagieren. Schauspieler würden von ihren Fans mitunter wie Götter verehrt und sollen ihren Einfluss nutzen. Dafür bekam die 16-Jährige Standing-Ovations und minutenlangen Applaus. Ohne Frage war die Rede der jugendlichen Klima-Ikone das Highlight der von der Funke-Mediengruppe ausgerichteten Veranstaltung.

Kurze Zeit später ehrte die Jury dann die Nachwuchsschauspielerin Milena Tscharntke als bestes Nachwuchstalent. Für die 22-Jährige hatte man sich eine Überraschung überlegt. Sie werde sicherlich nicht jede Anreise zu einem Casting bezahlt bekommen, mutmaßte Gala-Moderator Steven Gätjen. “Deshalb haben wir noch eine kleine Überraschung für Dich.” Was passt besser zu einer jungen Dame als ein SUV, hatte sich Sponsor Volkswagen vermutlich gedacht. Und so überreichte Gätjen dem Nachwuchstalent die Schlüssel für einen T-Cross.

“Augen auf bei der Sponsorenwahl”

Der Haken an dieser Geste: Der Mini-SUV auf Polo-Basis hat keinen Elektromotor, sondern Dreizylinder mit wahlweise 95 oder 115 PS. Thunbergs Auftritt wurde so quasi ad absurdum geführt.

Auf Twitter ernten die “Goldene Kamera”, aber auch Volkswagen für den Faux-pas Häme und Kritik. Viele Nutzer können nicht nachvollziehen, wie man nach einem Plädoyer für den Klimaschutz einen SUV verschenken kann. Die Modelle sind nicht unbedingt für ihre Sparsamkeit bekannt und mitunter als Spritfresser verpönt. Der PR-Elfmeter, er wurde zum Eigentor.

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Nur noch geringes Interesse an Funke-Gala

Da kann Volkswagen ja fast noch froh sein, dass dieses Jahr so wenig zuschauten wie noch nie: 2,36 Millionen interessierten sich am Samstagabend für die Gala im ZDF. Der Marktanteil lag bei schwachen 8,9%. Eindeutig zu wenig für eine solch aufwändige Veranstaltung. Allein im Vergleich zum Vorjahr gingen damit 780.000 Zuschauer verloren, rund ein Viertel der damaligen 3,14 Mio..

Der Marktanteil rutschte zum ersten Mal überhaupt unter die 10%-Marke. Zum Vergleich: 2012 sahen noch mehr als 5 Mio. Leute zu. In nur sieben Jahren verlor die Verleihung damit Stück für Stück 55% ihrer Zuschauer. Bei den 14- bis 49-Jährigen gab es mit 460.000 Sehern ebenfalls einen Tiefstwert, der Marktanteil von 5,9% ist hingegen “nur” der drittschwächste – nach 2018 mit 5,7% und 2014 mit 4,5%.

Offenbar ungeachtet der vielen Kritik in den sozialen Medien twittert Volkswagen noch in der Nacht zum Sonntag ein Bild der “glücklichen Gewinnerin”. Darauf ist die 22-Jährige relativ teilnahmslos neben Christian Hellmann, Chefredakteur der Programmzeitschriften der Funke Mediengruppe, und dem VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann zu sehen.

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