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Umfrageportal als Debatten-Generator: Radio Bremen startet neues Bürger-Tool „Meinungsmelder“

Neuer Service für mehr Bürgernähe: Radio Bremen will mit einem neuen Tool Meinungen aus der Region einfangen und auf dem Sender zum Thema machen
Neuer Service für mehr Bürgernähe: Radio Bremen will mit einem neuen Tool Meinungen aus der Region einfangen und auf dem Sender zum Thema machen

Mehr Bürgerbeteiligung auch für jene Menschen, die sich bisher nicht wahrgenommen fühlen: Das will Radio Bremen (RB) mit einem neuen Projekt erreichen, das heute offiziell an den Start geht – dem „Radio Bremen Meinungsmelder“. Menschen aus der Region können online ihre Meinung zu brisanten Fragen äußern. Anschließend berichtet der Sender – ergänzt mit eigenen Recherchen – über die Ergebnisse.

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Von Eckhard Stengel

Die kleinste ARD-Anstalt gab jetzt bekannt, wie das neue Angebot funktionieren soll. Demnach geht es bei der ersten Frage darum, für welche Ziele und auf welche Weise die Bürgerinnen und Bürger im Sendegebiet gerne protestieren würden. Im Abstand von zunächst zwei Wochen sollen weitere Fragen „zu gesellschaftlich relevanten Themen“ folgen, zum Beispiel zur Behinderten-Inklusion an Schulen, zur örtlichen Verkehrssituation oder auch zu der Frage, ob Werder-Spieler Max Kruse wieder in die Nationalmannschaft aufgenommen werden sollte.

Beteiligen kann sich jeder, der sich auf www.meinungsmelder.de oder den anderen Internetadressen des Senders anmeldet. Auch eine eigene Smartphone-App steht bereit.

Das Ergebnis der Umfragen wird anschließend in Radio, Fernsehen und Internet vorgestellt – aber auch „journalistisch eingeordnet“. Dafür will der Sender die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit den geäußerten Ansichten konfrontieren, quasi stellvertretend für die Umfrageteilnehmer.

Programmdirektor will “das Meinungsspektrum abbilden”

Nach den Worten von Programmdirektor Jan Weyrauch möchte RB auf diese Weise „Meinungstrends einfangen und das Meinungsspektrum abbilden“. So sollen auch jene Menschen eine Stimme erhalten, die sich „von gesellschaftlichen Prozessen abgekoppelt“ und nicht wahrgenommen fühlen. Und das Programm solle „näher an die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger vor Ort“ heranrücken. Weyrauch: „Wir möchten unseren Blick erweitern und den einzelnen Stimmen Gewicht verleihen.“

Als Vorbild der „Meinungsmelder“ dient ein ähnliches Angebot des niederländischen Programms „Een Vandaag“. Dort gibt es laut RB seit über zehn Jahren eine wöchentliche Online-Befragung zu den Themen, die das Land gerade bewegen. 50.000 Menschen seien dort als Teilnehmer angemeldet. Die Ergebnisse würden in den Hauptnachrichten des Fernsehens präsentiert, aber auch im Radio und im Internet.

Wer sich an den Bremer „Meinungsmeldern“ beteiligen will, muss neben Mailadresse, Geburtsjahr und Geschlecht auch seine Postleitzahl angeben, wie ein RB-Sprecher auf Nachfrage von MEEDIA erläuterte. „Wenn wir nach diesen Merkmalen filtern, können wir jeweils auswählen, ob wir uns allein die Bremer oder die Bremerhavener oder die Menschen aus dem Umland ansehen.“

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Auch unabhängig von dieser Filtermethode glaubt der Sprecher nicht, dass Radio Bremen nun von Kommentaren aus ganz Deutschland überflutet wird. Denn in der Regel würden regionalbezogene Fragen gestellt.

“Aus den Stimmen der Menschen hier vor Ort Geschichten machen”

Dass sich die Teilnehmenden nur zu vorgegebenen Fragen äußern können, statt auch selber Themen zu setzen, begründet RB mit praktischen Erwägungen: Bei Hunderttausenden von Einwohnern gebe es wahrscheinlich auch Hunderttausende von Themen. „Damit können Sie nicht wirklich arbeiten.“

Aber: „Unsere Hoffnung ist in der Tat, dass wir im Laufe der Zeit aus den Antworten der Teilnehmenden auch neue Themenideen bekommen.“ Grundsätzlich wolle der Sender „aus den Stimmen der Menschen hier vor Ort Geschichten machen“. Dazu verwende er mehrere Fragen, mit denen „wir den Befragten immer wieder die Möglichkeit geben, sich über die Kommentarfunktion frei zu äußern, um möglichst viele oder auch neue Aspekte entdecken zu können.“ Die Auswahl des Themas erfolge nach journalistischen Kriterien wie Relevanz, Aktualität und regionaler Bezug.

Um den Zusatzaufwand bewältigen zu können, hat Radio Bremen dafür gesorgt, dass seine Produktionsfirma Bremedia ein dreiköpfiges Projektteam engagiert hat, für zunächst ein Jahr.

Eigentlich war die erste Umfrage zunächst für Donnerstag geplant, aber schon am Mittwochnachmittag ließ sich die Startseite des „Meinungsmelder“ aufrufen. Dabei zeigte sich, dass das neue Angebot nicht besonders niedrigschwellig ist. „Bitte füllen Sie den Fragebogen ohne Unterbrechungen aus. Das wird etwa acht Minuten dauern“, heißt es in den Bedienungshinweisen. Nach der Bestätigung der eigenen Mailadresse muss man noch zusätzlich einen per Mail zugesandten „Verifikations-Code“ eintragen. So soll verhindert werden, dass sich jemand mehrfach an ein und derselben Umfrage beteiligt.

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Alle Kommentare

  1. Bremen hinkt offensichtlich noch mit den Konzepten zur deliberativen Demokratie nach. “Meinungsmelder” ist ein Konzept der Vergangenheit. In der aktiven partizipativen Demokratie sind “Hinweise, Betroffenheit von Auswirkungen und Vorschläge” gefragt.

    Aufgrund der Komplexität moderner Städte geht das aber nur noch kollaborativ, mit Moderation.

    Zeitungen und Medien in Citizenship können das “organisieren” – der Grundauftrag von Journalisten verändert sich … das was ist, und das was sinnvoll angefordert werden soll, wird gesucht!

    Public Open Innovation ist heute möglich! Sogar als Medien- und Unterhaltungsformat! Oder digitale Stadtzeitung!*

    Bremen brennt vor Ideen, und kleinste ARD-Anstalt sollte daraus eine Tugend machen! Lasst die Citizens frei!

    * Support aus Berlin zum Aufbau eigentragfähiger Pressemedien ist möglich!
    Am Besten gleich “endorsement” für „Cities Coalition for Digital Rights“ auf den
    Weg bringen!

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