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Geht es der gedruckten Welt bald an den Kragen? Axel Springer konzentriert Print-Marketing auf Welt am Sonntag

Stephanie Caspar, Vorstand Axel Springer News Media National
Stephanie Caspar, Vorstand Axel Springer News Media National ©Picture-Alliance

Bei Axel Springer schraubt man an der Vertriebs- und Marketingstrategie für die Welt-Gruppe. Montags bis samstags sollen Auflagenbestandteile, "die sich nicht rechnen", künftig komplett wegfallen. Print-Marketing-Aktionen sollen künftig auf die besser vermarktete Welt am Sonntag konzentriert werden. Das Medienhaus könnte hier den Boden dafür bereiten, langfristig auf eine werktägliche Print-Ausgabe zu verzichten.

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Für das 4. Quartal 2018 meldete die Welt (mit Welt kompakt) eine verkaufte Auflage von 155.607 bei der IVW. Davon waren immer noch knapp 50.000 subventionierte Bordexemplare und knapp 30.000 sonstige Verkäufe. Gemeinhin gelten vor allem diese beiden Auflagen-Bestandteile als “weich”, also eher wenig bis gar nicht rentabel. Traditionell werden mit Bordauflage und sonstigen Verkäufen die Zahlen für die Vermarktung aufgehübscht. Diese Methode wurde in der Vergangenheit schon zurückgefahren, nun will Springer damit offenbar komplett schluss machen, zumindest für die werktägliche Welt-Ausgabe.

“Zusätzlich zum intensiven Ausbau der digitalen Abo-Angebote orientiert sich die Vertriebsstrategie des gedruckten Kernprodukts Die Welt künftig noch konsequenter ausschließlich am zahlenden Leser. Dies geschieht mit einer klaren Konzentration auf den Einzelverkauf (EV) und die Abo-Auflage”, heißt es in der entsprechenden Verlagsmitteilung. Allerdings schaut die Welt-Auflage bei Einzelverkauf und Abos nicht direkt fröhlich aus. Im 4. Quartal war ein Minus von 11,7 Prozent zu verdauen – das dickste Minus bei den überregionalen Tageszeitungen. Insgesamt kam die werktägliche Welt bei EV und Abo noch auf  76.455 Exemplare.

Die Welt am Sonntag dagegen verzeichnete im 4. Quartal bei EV plus Abo immerhin knapp 220.000 verkaufte Exemplare und ein vergleichsweise moderates Minus von 2,9 Prozent. Mit anderen Worten: Springer sieht bei der WamS offenbar noch Vermarktungspotenzial und ist darum auch bereit, dort in (Print)-Reichweite und Marketing weiter zu investieren. Bei der werktäglichen Welt: eher weniger. Hier ist lautet die Frage, wie lange der Betrieb eines Druck- und Vertriebsapparates noch rentabel ist.

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In derselben Verlagsmitteilung wird viel Wert auf die wachsenden Digitalabos gelegt. “Für unser digitales Bezahlangebot Weltplus haben wir 100.000 Abonnenten als nächsten Meilenstein fest im Blick und bei der gedruckten Welt nehmen wir im Interesse einer langfristigen Rentabilität eine kurzfristig stärker sinkende Auflage bewusst in Kauf“, sagt Stephanie Caspar, Vorstand Axel Springer News Media National. Die Auflage der gedruckten Welt wird in den kommenden IVW-Auswertungen also noch deutlicher schrumpfen. Irgendwann könnte dann die Fokussierung auf Digital-Angebot plus gedruckte Welt am Sonntag tatsächlich lukrativ sein. Wobei dieses “Irgendwann” in gar nicht allzu ferner Zukunft liegen könnte.

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