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Unruhe beim SWR: Verwaltungschef Jan Büttner zieht Intendanten-Bewerbung zurück – und kritisiert Sender heftig

Jan Büttner zieht seine Kandidatur zurück
Jan Büttner zieht seine Kandidatur zurück © SWR

Vor der anstehende Wahl eines neuen Intendanten gibt es Unruhe beim SWR. Von den fünf Kandidaten, die sich um die Nachfolge von Noch-Boss Peter Boudgoust bewerben, sind zwei deutlich bevorzugt. Einer der übrigen hat seine Bewerbung nun entnervt zurückgezogen. Er kritisiert die Anstalt heftig.

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“Leider hat das Gegeneinander von Direktionen und Standorten in den letzten Jahren stark zugenommen”, zitiert die Süddeutsche Zeitung aus einem Brief des SWR-Verwaltungsdirektoren Jan Büttner, der auch der BNN vorlag. Um “weiteren Schaden” vom SWR abzuwenden hat er seine Bewerbung um das Amt des Intendanten zurückgezogen.

Seine Erklärung ist gleichzeitig eine Abrechnung mit dem SWR: Büttner forderte in seinem Rundschreiben mehr “arbeitsteiliges” Miteinander bei der Anstalt. Selbst 21 Jahre nach der Fusion des Süddeutschen Rundfunks (SDR) und Südwestfunk (SWF) habe es der SWR nicht geschafft, eine Einheit zu binden. Büttner spricht von “Gegensätzen”.

Der SWR-Verwaltungschef erklärte zudem, die Anstalt müsse in den Strukturen und im Programm effizienter werden. “Der multimediale Umbau hat in der Praxis teilweise zu überbordenden Planungs- und Abstimmungsprozeduren geführt.”

Kritik an Vorschlag der Findungskommission

Selbst während der gerade ablaufenden Vorbereitung auf die Intendantenwahl im Mai zeigt sich das Chaos beim SWR. Kritik musste die Anstalt etwa einstecken, weil eine zwölfköpfige Findungskommission das Kandidatenfeld vorzeitig eingeschränkt hat: Obwohl es fünf namhafte Bewerber gab, hatte sie die Auswahl auf “Tagesschau”-Boss Kai Gniffke und die baden-württembergische SWR-Landessenderdirektorin Stefanie Schneider begrenzt.

Neben Jan Büttner zählen Clemens Bratzler (Vize-Landessenderchef) und Andreas Cichowicz (NDR-Fernseh-Chefredakteur) zu den Aussortierten. Beide wollen laut der SZ aber an ihrer Bewerbung festhalten.

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Streit um Wahlmodus

Mehrere Rundfunkrats-Mitglieder machen sich vor der für Freitag angesetzten Vollversammlung des Rundfunk- und Verwaltungsrates stark dafür, nicht nur die zwei vorgeschlagenen, sondern alle nun vier übrigen Kandidaten bei der Wahl anzuhören. Ob dieser Vorstoß angenommen wird, ist laut SZ jedoch fraglich. Demnach scheinen die zwölf Mitglieder der Findungskommission alles dafür zu tun, eine Mehrheit für ihren bisherigen Plan, ein Duell zwischen Gniffke und Schneider, zu organisieren.

Damit wollen sie wohl eine langwierige Wahlprozedur verhindern: Um die Wahl zu gewinnen, muss der Kandidat nicht nur die Mehrheit des Gremiums haben. Er braucht darüber hinaus mindestens jeweils die Hälfte der Stimmen der Mitglieder aus jedem Bundesland. Zwischen jedem Wahlgang müssen laut Staatsvertrag zudem sechs Wochen liegen. Die Intendanten-Wahl an sich findet wohl erst im Mai statt.

Der SWR wollte zu den Vorgängen auf MEEDIA-Nachfrage keine Stellung beziehen. Das Verfahren zur Intendantenwahl liege ganz in den Händen der Gremien.

Der Gewählte wird ab Sommer den bisherigen Intendanten Peter Boudgoust ersetzen. Er hatte vergangenes Jahr erklärt, von seinem Posten zurückzutreten. Den Schritt hatte er unter anderem damit begründet, der Nachfolge keine Steine in den Weg zu legen: “Ich möchte den Staffelstab dann übergeben, wenn der Kurs der kommenden Jahre ohne Vorfestlegung bestimmt und meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger die Vorbereitung darauf noch nach eigenen Überlegungen und strategischen Einschätzungen gestalten kann”, so der scheidende Intendant im vergangenen Jahr.

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Alle Kommentare

  1. Krass. Keiner einziger schwarzer, muslimischer Diverses unter den Kandidaten.
    Dieser Rassismus, diese Diskriminierung, diese völkisch-nationalistische Bewerberauswahl ist eine Schande für Demokratie und Deutschland!!

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