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Codename „Apollo 27“: Sven Afhüppe stellt Redaktionskonzept für Digitaloffensive beim Handelsblatt vor

Neues Redaktionssystem, neue Arbeitsweise: Sven Afhüppe will mit “Apollo 27” in die digitale Zukunft starten
Neues Redaktionssystem, neue Arbeitsweise: Sven Afhüppe will mit "Apollo 27" in die digitale Zukunft starten

Digital First: Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe will die Arbeitsweise der Redaktion neu ausrichten. Künftig sollen die Wirtschaftsjournalisten ihre Artikel so aufbereiten, dass zunächst die digitale Produktion klar im Vordergrund steht. Davon hofft sich der frühere Spiegel-Journalist, die Zahl der Digital-Abos zu steigern. Langfristig könnte die neue Digital-Denke der Redakteure das Bild der gedruckten Zeitung verändern.

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Aus für die englischsprachige Digitalausgabe Handelsblatt Today, Spekulationen über einen Personalabbau im Verlag und Redaktion – in den vergangenen Wochen machten negative Schlagzeilen bei der Verlagsgruppe Handelsblatt die Runde und drückten die Stimmung in der Redaktion. Jetzt will Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe eine neue Ära in der Redaktion einläuten. Dazu hat der ehemalige Spiegel-Journalist ein neues Projekt ins Leben gerufen. Der prägnante Name: Apollo 27. Einzelheiten hierzu gab der frühere Spiegel-Journalist heute um 10 Uhr auf einer Redaktionskonferenz bekannt.

Geplant ist, dass die Redaktion ihre Arbeitsweise radikal ändert. Künftig sollen die Wirtschaftsjournalisten ihre Artikel so verfassen, dass sie voll die digitale Produktion – verstärkt durch Grafiken und multimediale Anwendungen – im Blick haben und danach die Artikel für die gedruckte Zeitung entsprechend aufbereiten. „Bislang erfolgte dies in der Redaktion eher halbherzig, jetzt soll dies konsequent umgesetzt werden“, erklärt ein Redakteur.

Neues Redaktionssystem macht Wechsel möglich

Dazu plant Afhüppe nach MEEDIA-Informationen, ein neues Redaktionssystem einzuführen. Mit der Maßnahme will der Handelsblatt-Chefredakteur die Zahl der Digitalabos weiter steigern, um langfristig die Abhängigkeit vom gedruckten Medium weiter zu verringern. Denn gestiegene Druckkosten – getrieben durch Papierpreise – sowie wachsende Zustellkosten belasten die Ertragsrechnung des Düsseldorfer Verlags.

Die neue Arbeitsweise in der Redaktion könnte Folgen für das gedruckte Medium haben. Langfristig ist denkbar, dass sich hierdurch das Blattbild sowie die Blattstruktur der Wirtschaftszeitung verändert, heißt es in Unternehmenskreisen. Wie und in welchem Umfang, ist aber noch unklar. „Apollo 27 ist der Name eines großen Investitionsprojekts, mit dem wir die Redaktion der Zukunft bauen. Das Projekt ist gerade gestartet und wird in den kommenden Monaten inhaltlich erarbeitet. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Fragen dazu beantworten können“, erklärt eine Unternehmenssprecherin hierzu auf Anfrage von MEEDIA.

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Die Verlagsgruppe Handelsblatt ist mit ihrer verstärkten Ausrichtung auf die digitalen Bedürfnisse der Leser in der hartumkämpften Printbranche kein Einzelfall. Beherzt verkündete erst vor Kurzem die Essener Funke Mediengruppe einen Strategieschwenk. Das Regionalzeitungshaus, das sich bislang vor allem aufs Gedruckte konzentrierte, richtet sein Zeitungsgeschäft seit einigen Monaten voll aufs Digitale aus – und muss dafür ebenfalls mit Einsparungen planen. „Wir gehen diese Offensive konsequent an und stellen das Digitale radikal und ohne Kompromisse in den Mittelpunkt“, betonte Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo und schob hierfür gleich den Grund nach. Schoo: „Print alleine verteidigen zu wollen, ist der falsche Weg“.

Zwar ist beim Handelsblatt mit „Apollo 27“ der Strategiewechsel nicht ganz so revolutionär gedacht, aber zumindest evolutionär. Der Grund für die Zurückhaltung: man wolle das Print-Produkt durch die künftige Digital-Denke der Redakteure nicht entwerten oder gar beschädigen. Und dies aus gutem Grund: denn noch immer steuere das gedruckte Medium den größten Teil zur Beitragsrechnung bei, heißt es. Doch Handelsblatt-Chefredakteur Afhüppe muss stark auf die Kostenbremse drücken. Erst jüngst wurde bekannt, dass die Verlagsgruppe bis Ende 2021 mehrere Millionen Euro einsparen muss – vor allem an Personalkosten.

So kursieren am Markt Gerüchte, wonach die Zeitung auch im Ausland an verschiedenen Stellen ihr Korrespondentennetz anpassen und Jobs streichen will. Fragen hierzu ließ eine Verlagssprecherin unbeantwortet. Sollte es im Verlag zu einem Stellenbau kommen, favorisiert man vor allem Vorruhestandsregelungen. Kündigungen will der Verlag aber wohl nicht ausschließen, heißt es.

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