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DuMont, Funke und Co.: Die letzte gedruckte Zeitung erscheint 2033 – was müssen Verlage bis dahin tun?

Professor Klaus Meier
Professor Klaus Meier

Die Zeitungsverlage sind in der Krise, wie die Entwicklungen bei Funke und DuMont zeigen. Doch was bedeutet es, wenn es irgendwann kein einziges lokales Blatt mehr in einem Landkreis gibt? Wer stellt dann Öffentlichkeit her? Journalistik-Professor Klaus Meier sieht bereits Innovationen im deutschen Markt und rät zudem, einen Blick ins Ausland zu wagen. Ein Gastbeitrag

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Von Klaus Meier

Die lokale und regionale Zeitungslandschaft in Deutschland wird sich in den nächsten zehn Jahren deutlich stärker verändern als in den letzten zehn Jahren. Weil Tageszeitungen seit mehr als 100 Jahren die Hauptinformationsquelle im Lokalen waren und sind, wird dies die lokale Öffentlichkeit und damit unsere Demokratie stark beeinflussen.

Quo vadis Lokaljournalismus? Was bedeutet es, wenn es irgendwann kein einziges lokales Blatt in einem Landkreis gibt? Wer stellt dann Öffentlichkeit her? Wer bietet dann Orientierung, Navigation und Teilhabe am politischen Prozess und wer kontrolliert die lokalen Machthaber? Diese zentralen Fragen bewegen uns seit einigen Jahren, aber sie werden drängender denn je – und einfache Antworten gibt es nicht.

Die Diagnose: Die letzte gedruckte Zeitung erscheint 2033

Das Jahr 2019 hat nicht gut begonnen: Die Funke-Mediengruppe wird bei den drei Zeitungstiteln in Nordrhein-Westfalen zehn Prozent Personal streichen. Und DuMont will sich nun endgültig vom Geschäft mit den Tageszeitungen trennen – nach Jahren der Einsparungen und Konsolidierungen. Dabei handelt es sich nicht um lokale Kleinverleger, sondern um die nach Marktanteilen dritt- und viertgrößten Zeitungsverlage in Deutschland.

2012 habe ich die Auflagenzahlen der gedruckten Tageszeitungen in Deutschland der vergangenen 20 Jahre in eine Trendberechnung geschickt. Das Ergebnis war frappierend: Fast alle Werte lagen tatsächlich sehr genau auf einer Kurve, die sich langsam, aber immer stärker senkt. Die Statistik sagte uns voraus: 2022 würden noch ca. 11 Millionen Exemplare verkauft – und 2034 sei dann Schluss. Was aus heutiger Sicht noch frappierender ist: Alle Auflagenzahlen bis 2018 liegen fast genau auf dieser Linie – alles in allem sogar leicht darunter: Mit heutiger Berechnung erscheint 2033 die letzte gedruckte Tageszeitung, also in 14 Jahren (siehe Grafik).

Die gedruckte Auflage der Tageszeitungen (Quelle: BDZV/IVW; eigene Berechnung von Prof. Klaus Meier: Trendlinie mit Excel)

Natürlich ist der Sinn solcher Berechnungen nicht die exakte Prognose eines Sterbedatums, sondern das Wachrütteln in der Gegenwart: Die Zukunft der Lokalzeitung liegt sicherlich im Digitalen und nicht in der Printausgabe. Dort, wo es in fünf bis zehn Jahren noch eine gedruckte Ausgabe geben wird, wird sie noch teurer sein und nur von einer Bildungselite gekauft werden, die sich mehrheitlich kurz vor oder in Rente befindet. Schon jetzt – und erst recht in Zukunft – erreichen Zeitungen mehr Publikum digital als gedruckt.

Sparmaßnahmen bis hin zur Zombiezeitung

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wird nicht müde zu betonen, dass die Gesamtreichweite der Tageszeitung steigt: Im Herbst 2018 lasen zumindest ab und zu gedruckt 60 Prozent, digital 67 Prozent und zusammen 89 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung eine Tageszeitung. Keine Frage: Die Tageszeitungen haben ein attraktives Angebot, das sehr breit genutzt wird. Aber werden die Zeitungsverlage in ihrer Vielfalt das Sterben der gedruckten Ausgaben überleben? Und werden wir auch rein digital eine Zeitungslandschaft haben, die jeden Landkreis abdeckt?

Einerseits hat nach Angaben des BDZV die Zahl der gedruckten Lokalteile in Deutschland nicht abgenommen. Andererseits werden Lokalredaktionen zusammengelegt und so manche Redaktion muss mehrere Lokalteile bespielen oder bekommt Inhalte von angrenzenden oder konkurrierenden Verlagen zugeliefert – bis hin zur Zombiezeitung, die gänzlich ohne eigene Redaktion auskommt.

Qualität: Glanz und Elend – aber besser als früher

Aufgrund der genannten Trends könnte man vermuten, dass die Qualität des Lokaljournalismus schlechter geworden ist. Das ist aber nicht der Fall. Eine umfangreiche Studie mit 103 Lokalteilen von Klaus Arnold und Anna-Lena Wagner an der Universität Trier hat gezeigt, dass in Summe zwar nach wie vor hintergründiger und kritischer über das lokale Geschehen informiert werden könnte, dass sich der Lokaljournalismus aber gegenüber den früher ermittelten Defiziten verbessert hat, etwa im Bereich der Themenvielfalt und Unabhängigkeit.

Der Lokaljournalismus in Deutschland war und ist geprägt vom weiten Spektrum zwischen Glanz, Mittelmaß und Elend: Es gibt sowohl die unterbesetzte Redaktion, die sich schwer tut, auch nur annährend Qualitätsansprüche umzusetzen, als auch die Redaktion, die höchste Qualität und preiswürdige Arbeit abliefert.

Es spricht für das Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis des Lokaljournalismus, dass die beiden wichtigen Journalistenpreise im Lokalen keine Reportagen (wie im überregionalen Journalismus), sondern gemäß Demokratiefunktion und Wächteramt auszeichnen: der Lokaljournalistenpreis der Konrad Adenauer Stiftung (seit 1980) und der Wächterpreis der Tagespresse der Stiftung „Freiheit der Presse“ (seit 1969).

Die jüngsten Preisträger sind über ganz Deutschland verstreut: von Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten über Pforzheimer Zeitung, Main-Post und Kieler Nachrichten zum Nordkurier (Konrad Adenauer Preis), vom Tölzer Kurier bis zum Westfälischen Anzeiger (Wächterpreis) – um nur einige zu nennen. Auch andere Preise, wie etwa der Ralf Dahrendorf-Preis für Lokaljournalismus, betonen den Wert des (Lokal-)Journalismus für die Demokratie.

Wer kann die Aufgaben des Journalismus und professionelle Unabhängigkeit garantieren?

Im Kern hat Journalismus drei Aufgabengebiete:

  1. Orientierung und Navigation im Informationsdschungel bieten, also gesellschaftlich wichtige Themen von unwichtigen trennen
  2. den Menschen Teilhabe an Öffentlichkeit und Politik ermöglichen und zur regionalen Identität, einer regionalen Heimat, beitragen
  3. Wächter des lokalen Machtgefüges sein, also den Mächtigen auf die Finger schauen und Machtmissbrauch ans Tageslicht bringen.
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Dazu braucht es neben einer soliden (Aus-)Bildung und Mut vor allem professionelle (hauptberufliche), wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit.

Diese Aufgaben haben zwei Konsequenzen: Erstens können weder aktivistische Blogs noch Informationsplattformen von Städten und Gemeinden diese Funktionen erfüllen, weil beides anwaltschaftlich und interessengeleitet ist. Zweitens ist es fragwürdig, inwiefern Einzelkämpfer oder kleine Zusammenschlüsse freier Journalisten das Rückgrat eines Verlags in ihre Unternehmung einziehen können.

Denn Hauptberuflichkeit meint auch: Ich kann mich zu hundert Prozent auf Journalismus, also auf Recherche, Gewichtung und Aufbereitung, auch auf Moderation und Diskurs mit dem Publikum, konzentrieren und muss nicht nebenbei dafür sorgen, dass ich mit dieser Tätigkeit Geld verdiene oder bei aufdeckenden Recherchen juristische Probleme abfedern kann. In Nischen und als (häufig unterfinanzierte) Ergänzungen des bestehenden Verlagsangebots funktionieren lokale digitale Startups zwar, aber ob sie flächendeckend Lokalzeitungen ersetzen können, wenn es diese in einem Landkreis gar nicht mehr geben sollte – dafür gibt es zurzeit keine empirischen Erkenntnisse in Deutschland.

Einige bestehenden Nischenangebote sind allerdings aus journalistischer Sicht innovativ. Beim merkurist.de zum Beispiel können Nutzer selbst Themen vorschlagen, die sie für wichtig halten: in Großstädten wie Frankfurt oder Mainz ebenso wie in kleinen Orten wie Ottweiler oder Idar-Oberstein.

Strategie: profilgebende, exklusive Themen mit lokalem Bezug

Hilfreich für einen nüchternen Blick in die Zukunft des Lokaljournalismus sind Innovationen in Verlagen und Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen das Sterben der gedruckten Tageszeitung schon deutlich weiter fortgeschritten ist:

Eine Reihe von Zeitungsverlagen versucht zurzeit, sich nicht nur durch Einsparungen, sondern vor allem durch umfassende redaktionelle Projekte auf die Zukunft einzustellen. Mit zwei Konsequenzen: Einerseits sollen digitale Ausspielwege im Kern der Verbreitung stehen, die gedruckte Zeitung also allenfalls an gleicher Stelle, aber bald schon an zweiter Stelle. Produktionsabläufe, IT-Infrastruktur und redaktionelle Strategien müssen konsequent darauf ausgerichtet werden. Andererseits sollen trotz weniger Redakteure die Produkte optimiert werden.

Die Main-Post in Würzburg zum Beispiel hat den Weg eingeschlagen, bei den Stoffen zu differenzieren: In profilgebende, exklusive Themen mit lokalem Bezug und Mehrwert für viele lokale Leser wird der Schwerpunkt der redaktionellen Tätigkeit gesteckt. Andere Themen und Arbeiten, die nicht notwendiger Weise von Journalisten übernommen werden müssen, werden standardisiert, automatisiert oder ausgelagert. Vereine, Schulen sowie andere Gruppierungen und Einrichtungen sollen selbst Text und Foto einsenden. Unter der Überschrift „Sie haben das Wort!“ heißt es: „Sie haben so die Möglichkeit, einen Teil der Zeitung mitzugestalten.“ Wenngleich dabei die Redaktion „prüft, was veröffentlicht werden kann“.

Unabhängigkeit der Redaktion von politischen und wirtschaftlichen Interessen – in Verbindung mit einer Beteiligung der Leser. Diese Kombination ist ein wesentliches Element der Zukunftsfähigkeit der lokalen Tageszeitung, egal ob sie gedruckt oder digital erscheint. Transparenz und Dialog werden zu überlebenswichtigen Elementen: Redaktionen müssen erklären, warum welche Themen in der Zeitung stehen, woher Informationen und Fakten kommen und wie sich Leser einbringen können. Es gibt noch Potential darin, die Leser zu bestärken, dass sie die Lokalzeitung als „ihre Zeitung“ wahrnehmen und aus „Abonnenten“ sogar „Mitglieder“ werden.

Entwicklungen in Spanien und den USA

Ein Blick in andere Länder kann verdeutlichen, wie es vielleicht in fünf bis zehn Jahren bei uns weitergeht. Zwei Länder als Beispiele:

  • Spanien hat traditionell eine geringe Zeitungsreichweite, das Land litt unter einer lang anhaltenden Wirtschaftskrise – und die Medienunternehmen leiden erheblich mit. Dies hat aber dazu geführt, dass es inzwischen mehr als 3.000 digitale Medien gibt, davon gut 1.000, die nur digital erscheinen, wie eine Studie der Universität Navarra gezählt hat. Etwa drei Viertel davon sind lokal verbreitet. 81 Prozent finanzieren sich über Anzeigen, aber immerhin 363 digitale Medienangebote über Abonnement und 77 über Crowdfunding, was die Autoren der Studie erstaunt hat: „Vor kaum einem Jahrzehnt wurde allgemein angenommen, dass niemand für digitale Nachrichten zahlen würde, besonders in Spanien.“ Sie ziehen die Schlussfolgerung, dass der digitale Medienmarkt beständig zugenommen hat und heute „ziemlich diversifiziert“ ist – „mit spürbarer Stärkung“.
  • In den USA spricht man schon seit einigen Jahren von „news deserts“: Einer Studie der Abteilung Journalistik an der University of North Carolina zufolge haben 171 US-counties (Bezirke) keine lokale Zeitung und viele der Zeitungen in den anderen counties erscheinen nur wöchentlich. In wohlhabenden Gegenden können Online-Startups die Lücken füllen, aber ländliche Gebiete und Minderheitenviertel in Großstädten werden als besonders trockene Nachrichtenwüsten bezeichnet. Die Lücken sind gut als Einfallstor für Partisan-Websites geeignet: Plattformen für Online-News, die sich als „newspaper“ bezeichnen, aber sehr einseitig berichten und Lügen verbreiten. Politico hat ein entstehendes Netzwerk aus rechts-ideologischen lokalen Websites als „Baby Breitbarts“ bezeichnet und nennt als Beispiele den Tennessee Star und den Maine Examiner.

Was bedeutet das für Deutschland?

In Deutschland bleibt es abzuwarten – zum Beispiel auch wie sich Inkubatoren, die journalistische Startups fördern, langfristig auf dem digitalen Lokaljournalismus auswirken: Beispiele dafür sind die Initiativen der Landesmedienanstalten, z.B. das „Media Lab Bayern“ oder das „Journalismus-Lab Vor Ort NRW“.

Wenn die Menschen merken, dass sie unabhängige lokale Informationen brauchen, bezahlen sie vielleicht auch für neue Angebote in der digitalen Medienwelt – so die Hoffnung. Die Befürchtung ist, dass lokale Öffentlichkeit zum Spielball von politischen und wirtschaftlichen Interessen wird.

Die gedruckte Tageszeitung jedenfalls wird in jedem Zukunftsszenario an Bedeutung verlieren, egal ob wir den Blick auf fünf, zehn oder 14 Jahre bis 2033 richten.

 

Zum Autor: Klaus Meier ist seit 2011 Professor für Journalistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt –  davor war er an der Technischen Universität Dortmund und der Hochschule Darmstadt. Meier ist Autor und Herausgeber verschiedener Lehrbücher zur Journalistik. Weitere Infos zu seiner Person gibt es unter journalistik.ku.de oder klaus-meier.net.

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Alle Kommentare

  1. Die Frage “Die letzte gedruckte Zeitung erscheint 2033 – was müssen Verlage bis dahin tun?” beantwortet Professor Meier doch sehr theoretisch und wenig pragmatisch. Eine größere Beteiligung der Leser wird sicher nicht dazu führen, dass ein Verlag mit Schwerpunkt Lokajournalismus langfristig genügend Abonneten bindet um zu überleben.
    Denn seien wir ehrlich: Mitmachen wollen nur wenige, der Großteil will sich einfach informieren, konsumieren.
    Die Verlage müssen pragmatisch, realistisch, zielgerichtet umdenken.
    Besonders die Verlage, die in der Provinz ein Monopol haben, müssen ihre Glaubwürdigkeit nutzen und jetzt, nicht in 5 Jahren konsequent umschwenken und sich von der Lokalzeitung zum lokalen Mediehaus wandeln, mit den Formaten, die das lokale Publikum begeistern. Wer in einer Stadt mit 70.000 Einwohnern lebt, der weiß nur zur gut, dass in den täglichen Ausgaben von Mo bis Fr nur spärlich interessante News zu finden sind und die Zeitung am WE geradezu aufblüht. Also warum nicht die täglichen Ausgaben ersetzen, durch ein exklusiven Newsletter, ein professionelles Video-News-Magazin am Abend, einen Push-Dienst mit Breaking-News, eben das ganze digitale Portfolio nutzen, höchst attraktive Produkte anbieten. Und am Sa eine pralle Zeitung machen, die in jedem Ressort überzeugt, die wichtigen Themen exklusiv anbietet und auf die sich der Leser freut. Kosten sparen kann man so nicht, denn für erstklassige Paid Digtal und Videoangebote braucht man Profis – aber mehr kosten als die täglichen Ausgaben wird es auch nicht. Der Leser der dann sein Abo kündigt, der hat dann einfach auch kein Interesse an seiner Region – und das kann dann auch ein Verlag nicht ändern. Doch diese Leser dürften in der Unterzahl sein. Auf geht’s, durchstarten!

    1. Ja genau, DAS IST DER RICHTIGE SOUND!

      Es geht aber noch viel mehr!

      Radikale digitale Servicialisierung und effektives Transaktions-Design ist auszuprobieren!

      Cross-Synergien zwischen Verlag, Handel, Kommune und Kunden

      =Public local Responsibility.

      Auch Inklusion: die ASCII-Zeitung für die Blindenwerkstatt wird mit dem Sozialbetrieb Handpresse zusammengelegt, um Lokalzeitung zu bauen!
      Dann geht auch Zeitung auf der Hallig und der Alm “as a Service”!

  2. Gedruckte Zeitungen als “Lebenssphäre” und “Ort” der Selbstvergewisserung, des Denkens und Explorierens sind unverzichtbar für unsere geistige und seelische Gesundheit.

    Das gedruckte analoge Wort lässt sich zudem “Ablegen” und “lebenschronologisch” aufbewahren. Es wird ein Schatz, wenn es wichtige Worte und Bilder sind!

    Allen “Journalistik-Forschern” möchte ich meine Hypothesen zur Prüfung vorlegen:

    Die digital-arbeitsteiligen und zunehmend kollaborativen Zusammenhänge in Metropolen und Innovationsclustern schaffen neue Eigengesetzlichkeiten.

    Wir werden eine Gesellschaft, in der Vordenken, Vorplanung, Design-Thinking und kollaboratives Vordenken und Vorentscheiden immmer wichtiger und vor allem effektiver, wertschöpfender wird. Auch das Vorprogrammieren und das Vordenken von Mensch-Maschine und Mensch-Roboter-Kollaboration gehört dazu.

    Aus Presse und Leserschaft wird eine Mannigfaltigkeit von “öffentlicher transmedialer Kommunikation!”

    Es entwickelt sich fast zwangsläufig die deliberative Demokratie, die aber unbedingt auf Wissenschaft, Journalisten und den notwendigen neuen Berufstand der Moderatoren (und Erklärjournalisten) aufbauen muss, um ihre Ordnungen und Synergien in Realitäten umzusetzen – und in Gang zu halten.

    Die Frage zur Zukunft von Medien & Journalismus stelle ich ganz anders:

    Wieviel Medien, Journalisten, Informationsmittler, Moderatoren und Mediatoren sind notwendig, um die deliberative und partizipative Demokratie in Gang zu halten? Wieviel Übersicht & Archivzugriff sind nötig?

    Wie können jene eingebunden werden, die bei der „Demokratisierung des Vordenkens*“ nicht mithalten können, wollen und (ggf. müssen)?

    *Hinweis:
    In Berlin werden inzwischen Moderatoren-Agenturen mit Partizipationsverfahren beauftragt, weil die Presse weder genug Manpower noch Zeitressourcen für die vor-Ort-Präsenz und Berichterstattung hat.

    Es entstehen mediale Grauzonen der Partizipation, wenn Bürgerinitiativen nur nach eigener Agenda Presse einbinden, oder sogar gezielt heraushalten!
    Ohne Verpflichtung zur öffentlichen Berichterstattung und ohne öffentliche Kontroll-Funktion der Lokal-Journalisten sackt lokale Demokratie ins Mittelalter zurück!

    Und was ist mit Populisten und Komplexitätsverweigerern?

    Schon die kleinste Bebauungsplanänderung in ihrer Nachbarschaft, bringt sie wieder auf den Boden der Demokratie zurück, und lässt sie nach Journalisten “schreien!”

  3. “Hyperindividualismus prägt die Gesellschaft, das Singuläre zählt. Die disruptiven digitalen Technologien bleiben nicht ohne Wirkung auf das Ich-Bewusstsein: Selbst-Inszenierung in Permanenz, Selbst-Vermessung und in Folge davon Selbst-Optimierung als Gebot. Hinzu kommt die erlebte Konkurrenz-Drohung, durch Künstliche Intelligenz und Robotik in der Arbeitswelt bald ersetzbar zu sein. Das spätmoderne Ich sieht sich mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, auf der Suche nach neuen Ordnungen, wenn die alten Strukturen, Institutionen, Mechanismen als krisenhaft erlebt werden und das Vertrauen in sie erodiert.”

    4.April 2019, Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9,

  4. Je mehr Journalisten arbeitslos werden und von der gesellschaftlichen Bildfläche verschwinden, desto besser ist dies für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie.
    Alles andere wäre ja auch Faschismus.

    1. Danke – So ist es! Besser ein schnelles Ende – für die Leser dann ohne tägliches grünes Erschrecken – als Umerziehung ohne Ende.

  5. Es sind ja nicht nur die Kosten und/oder Gewinnerwartungen (siehe meedia heute zur ComputerBild), sondern auch die ewigen Rücksichtnahmen, und das sowohl auf Bundes-* wie Landes-, Kreis- und Lokalebene (Anzeigensicherung, aber auch aus vielerlei anderen Gründen, u.a. politische Vorstellungen des jeweiligen Blatteigentümers), und da vergeht dem geneigten Leser dann schließlich die Kauflust – zumal ein Großteil der traditionellen Leserschaft bereits jetzt im Heim ist und Schwierigkeiten mit dem Lesen allgemein hat und Jüngere, wenn überhaupt, dann doch nur tablettig “nachwachsen” könnten – “dumm” dabei nur, dass Sie, sobald Sie über Informationselektronik verfügen, dann plötzlich auch ganz andere, (gar im Wesentlichen, Entscheidenden?!) ergänzende, ggf. auch gern mal berichtigende Informationen erlangen, woraufhin Sie sich dann fragen, ob Sie (auch) von der teuren Lokalzeitung mehr oder weniger weitgehend veräppelt werden, was die Kundentreue solcher elektronischen Abos dann nicht gerade befördert – das Mütterchen im Heim (die meisten alten Männer, mit der generellen Ausnahme höherer Beamten, sind dann ja bereits tot, somit hoffe ich auf die einstweilige Zulässigkeit meiner etwas pauschalen Reduktion), verfügt, mangels Tablet und geistiger Wendigkeit bei der umfassenden Bedienung eines solchen (z.B. Geschenk der Tochter oder seitens der Enkelin), ja ihrerseits nicht über pertinente Zusatzinformationen und hält darum ihr Abo einstweilen; aus Kostengründen und Jenfoutisme (“Was soll die Mama sich denn noch mit dem teuren Blatt beschäftigen, wo sie doch nichts mehr aufnimmt, und zum bloßen Zeitvertreib gibt’s im Heim doch sicher auch Beschäftigung(stherapie)en, die im gesalzenen Monatspreis mit drin sind?!”) wird’s dann aber doch und noch vor dem Ableben schließlich abbestellt, wird ja schließlich auch (fast) jährlich teurer.

    * = (Sie erinnerin sich: oben, die Rücksichtnahmen:) Drollig hierzu grad’ heute auf meedia, der Rauswurf des FAZ-Herausgebers, dem auf anderen (sic!) Seiten als dieser hier (die Kommentare dazu übrigens nicht zulässt, darum halte ich mich auch hier dazu kurz) gewisse Ergebenheitsdefizite ggü. der Kanzlerin nachgesagt werden – während deren Name im meedia-Artikel nicht mal Erwähnung findet: auch meedia muss eben Rücksicht nehmen.

    Und dann soll der Leser solche Rücksichtnahmen bezahlen?

    M.a.W.: Das ganze Zeitungsmodell war eh und je ein Widerspruch in sich, denn es beruhte auf der Prämisse, das 2/3 der Kosten (incl. Gewinnerwartung) von Anzeigenschaltern zu tragen wären, während der Leser, für das von ihm zu entrichtende Drittel, stets erwartete, umfassend (hihihi!) informiert zu werden; dieser Widerspruch aber ließ sich eben nur solange umschiffen, als der Leser nur sporadisch mal Zusatzinformationen aus Drittquellen erlangte (wie eben heute noch die ehemals (also vor der Demenzzunahme) gebildete FAZ-Leserin im Heim, die aber eben nicht mehr selbst über ihre Abos entscheiden darf: BtG):

    Das WWW hat nun und jedenfalls für die Bevölkerungsanteile, die noch alle Sinne beisammen haben, diese contradictio in adiecto des Zeitungsmodells brutalstmöglich offengelegt: wenn ich nämlich nur ein Drittel des tatsächlichen Preises bezahle, bin ich eher das Produkt denn der Kunde – und der seit ca. 2013 (Ukraine) sehr deutlich offenbar gewordene selbstbeauftragte Erziehungsgedanke der Presse (mit seinem Vorboten Atomausstieg 2011 und seiner bisherigen, noch anhaltenden Apotheose seit 2015 “Wir kriegen Atomwissenschaftler geschenkt” – drollig natürlich der Widerspruch, dass wir die jetzt doch dann eigentlich gar nicht mehr bräuchten, sondern stattdessen eher Leitungen nicht unerheblichen Querschnitts zu den Atommeilern der Nachbarländer, oder wie anders will irgendwer, der nicht völlig von der Rolle ist, die bald in Massen an Elektro-PKWs vor den Mietskasernen an den Rändern der Städte auftanken?) –

    dieser Wille zur Erziehung statt Information der Bevölkerung mag bei Politikern einstweilen noch durchgehen, mit Sicherheit aber nicht, wenn man, wie derzeit noch die Presse, dann erwartet, fürs Erzogenwerden sollten die Leutchen, als echte Kunden im traditionellen Sinne (also nicht wie heute in der Arbeitsagentur oder wie das heißt, was Sklavenverleihern ihre zum halben Preis Zwangsbeschäftigten verschafft, so geht), freiwillig bezahlen sollen.

    Nein: Das geht dann natürlich nur mit Zwangsgebühren (“Demokratieabgabe”) auch für die der Obrigkeit genehmen Teile der privaten Presse, und das wird der rührige Springer-Ober-Musikus sicher bei Frau Dr. (DDR) Merkel noch durchsetzen, da bin ich sehr zuversichtlich; mit dem Staatsfunk hat’s ja auch ganz wunderbar und ohne Einwände durchs BVerfG funktioniert:

    Also, nur nicht den Kopf hängen lassen, die Rettung ist nah!

  6. Mit dem Wandel zur deliberativen Demokratie, der Einführung der digitalen-sozialen Marktwirtschaft und “Zeitungen in Citizenship” steht die große Zeit des digitalen UND gedruckten Journalismus noch bevor!

    Die Sturm und Drang-Periode der Digitalkonzerne wird beendet! – Das GAFA-TAB-Zero Szenario tritt nicht ein – weil Citizenship die Städte und Regionen in digital-soziale Plattformen verwandelt – mit Transaktions-Realkosten-Ökonomien und IoT.

    Wer eine Zeichnung benötigt, wie der “Digitale Hammer” aussieht:
    info@anzeigio.de

  7. drei Aufgabengebiete:
    1. Vorsortierung welche Themen wichtig sind ist “Machtmissbrauch” Punkt 3.
    2. dazu braucht man keine regionale Tageszeitung, da reicht ein Amts-, Wochenblättchen.

    1. Wer sowas zitiert… würg… Es gibt keinen peinlicheren Spruch in der jüngeren deutschen Geschichte als diese Mischung aus Provinzmuff und Arroganz…

  8. Journalismus allgemein hat einen positiven Effekt auf die Gemeinschaft, lässt sich aber immer schwieriger mit einem auskömmlichen Geschäftsmodell verbinden, aus dem die Journalisten ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Und in Lokalgebieten mit nicht so vielen Einwohnern unterschreiten die zahlungsbereiten Leser nach und nach die Schwelle, bei der man eine Redaktion noch auskömmlich betreiben kann.

    Wenn nun Ausfälle drohen, sollte die Allgemeinheit den Bezahlungsanteil für denjenigen Leistungsanteil übernehmen, bei dem die Teilnahme an Demokratie und Gemeinschaft gefördert wird.

    Einfache Subventionen für die immer weiter zusammenfusionierenden Zeitungskonzerne werden das Ziel nicht erreichen. Die sparen besinnungslos an der journalistischen Qualität, selbst wenn sie viel einnehmen. Funke hat – in wesentlich besserer Einnahmesituation – schon vor zehn Jahren zur “Qualitätssteigerung” 300 von 900 Journalisten in Nordrhein-Westfalen entlassen, um die liebgewonnenen Mega-Renditen zu sichern. Das Ergebnis kann man heute besichtigen: Die Leser haben mitbekommen, dass sie verladen werden, die Auflagen der Zeitungen sind noch dramatischer abgestürzt als bei anderen Verlagen, und die Renditen sind auch im Eimer. Weswegen jetzt gerade wieder gespart werden muss zu einer weiteren “Qualitätssteigerung”.

    Medienmanagern von einer solchen intellektuellen Qualität können wir nicht mehr vertrauen, wenn es um die Sicherung der lokalen Berichterstattung für alle geht. Es müssen intelligentere Lösungen her, und damit muss jetzt begonnen werden, bevor das Kind im Brunnen ist.

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