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Totalversagen der Netzkontrolle: Moschee-Amokläufer streamte Massaker – Video immer noch im Web zu finden

Angriffe auf Moscheen in Neuseeland erschüttern die Welt
Angriffe auf Moscheen in Neuseeland erschüttern die Welt ©Fotos: dpa/AP/Mark Baker/ Montage: MEEDIA

Die Terror-Attacke auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch war offenbar perfide geplant. Einer der Täter der Anschläge streamte die Tat live auf Facebook. In den Sozialen Netzwerken verbreitete sich das 17-Minuten-Video extrem schnell. Auch Medien zeigen Ausschnitte davon. Der Vorgang zeigt, wie einfach es für solche Terroristen ist, ihre Botschaften zu verbreiten – und wie die Kontrollmechanismen der Netzwerke versagen.

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Knapp 50 Todesopfer hat der wohl rechtsextrem-motivierte Anschlag auf zwei neuseeländische Moscheen gefordert. Ein Angreifer stürmte gegen 13.45 Uhr Ortszeit in eine vollbesetzte Moschee und eröffnete das Feuer. Später fielen auch Schüsse in einer Moschee im Vorort der Stadt.

Der Anschlag war perfide geplant – und wirft kein gutes Licht auf die Kontrollmechanismen der Soziale Netzwerken. Einer der Attentäter streamte die Tat aus Ego-Shooter-Sicht mit seiner Kamera live auf Facebook. Zu sehen ist, wie er mit seinem Auto zu der Moschee fährt und, dort angekommen, wahllos auf die Menschen schießt. Nach mehreren Minuten in der Moschee setzt er sich wieder in das Fahrzeug und schießt durch die Scheiben hindurch auf Passanten. Später erzählt er, wie reibungslos alles geklappt habe.

Netzwerke löschten Accounts viel zu spät

Und nicht nur das: Auf Twitter verbreitete der Attentäter zudem Bilder seiner Waffen. Auch ein 73-Seiten langes Schreiben war dort verlinkt, in dem der Mann seine Motivation zum Ausdruck bringt. Auf der Blogging-Plattform “voat” kündigte er sein Vorhaben zudem an. Die Propaganda scheint zu fruchten: In sozialen Medien und Foren wie 8Chan huldigen User dem Täter. Das Techportal The Verge formuliert treffend: “Die Aktion war dazu ausgelegt, sich auf Social Media zu verbreiten”.

Mittlerweile sind zwar sowohl die Facebook- als auch Twitter-Konten des Mannes gesperrt, nachdem die neuseeländische Polizei die Netzwerke dazu aufforderte. Das ursprüngliche Video war bis dato aber mindestens eine Stunde lang zu sehen. Nutzer und Anhänger konnten es kopieren und zahlreich erneut hochladen. Mehr als zehn Stunden nach der Tat ist das Ego-Shooter-Video noch immer im Web zu finden.

Vor allem YouTube scheint Schwierigkeiten damit zu haben, das Video zu entfernen. Auf Twitter weisen Nutzer darauf hin, dass YouTube die Videos zunächst nur mit einem Warnhinweis versehen habe. Erst später begann die Plattform damit, die Uploads zu löschen. Einem Google-Sprecher zufolge hatte mindestens ein Video fast hundert Aufrufe, bis das Netzwerk es entfernte. Weitere Kopien sind auch dort noch zu finden. Bei Facebook heißt es, man sei noch immer damit beschäftigt, Kopien zu sichten.

Verbreitung war Absicht des Täters

Auch das Bekennerschreiben, das zunächst auf Twitter geteilt wurde, hat mittlerweile Umlauf gefunden. Nutzer haben es kopiert und auf Sharehostern geteilt. Das war Absicht des Täters: Auf diversen Plattformen forderte er die Nutzer auf, Bilder seiner Tat als Meme zu verbreiten.

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Dass sowohl das Video als auch das Schreiben des Rechtsextremen derart viral gehen konnten, zeigt, wie schwach die Kontrollmechanismen der Netzwerke sind. Mit der schieren Zahl an Kopien und erneuten Uploads kommen weder die Algorithmen zurecht, noch die damit beauftragten Kontrollteams.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass kriminelle Taten in dieser Form viral gehen konnten. 2017 wurde vor laufender Kamera ein 15-jähriges Mädchen in Chicago von sechs Männern vergewaltigt. Die Tat streamten die Männer live auf Facebook. Im Januar des Jahres wurde eine Frau in der schwedischen Stadt Uppsala von drei Männern sexuell überfallen. Auch das war live auf Facebook zu sehen.

Seither haben die Netzwerke ihre Löschteams ausgebaut. 20.000 Mitarbeiter sollen allein bei Facebook für die Löschung von regelwidrigen Inhalten verantwortlich sein. Allein im vergangenen Jahr stellte die Plattform die Hälfte davon ein. Dennoch scheint es nicht machbar, Taten wie diese so schnell zu erkennen, dass die virale Verbreitung der Videos im Ursprung gestoppt werden könnte.

Lokale Medien verbreiten das Video

Die neuseeländische Polizei warnt indes auf Twitter davor, das Attentatsvideo zu teilen. Australische Medien nahmen Teile davon trotzdem in ihr Programm. Laut dem Guardian und einigen Twitter-Nutzern zeigte etwa der Fernsehsender Sky News Ausschnitte des Videos. Auch die Nachrichtenseite 10 Daily soll Material davon in ihren Beiträgen eingebettet haben. Bei der dafür zuständigen Behörde, der “Australia Media and Communications Authority”, sei bereits eine kleine Zahl an Beschwerden eingegangen sein, berichten lokale Medien.

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