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Condé Nast holt Digital-Spezialistin an die Spitze: UDG-Chefin Jessica Peppel-Schulz führt Münchener Magazinverlag

Jessica Peppel-Schulz
Jessica Peppel-Schulz ©Foto: Jessica Peppel-Schulz/Pressefoto/ Montage: MEEDIA

Das Münchener Verlagshaus Condé Nast bekommt eine Chefin. Jessica Peppel-Schulz, die zuletzt mehr als fünf Jahre als CEO die Digitalagentur United Digital Group leitet, steht großen Herausforderungen. Denn die Auflagen von Glamour, Vogue, AD und GQ stehen unter Druck. Die neue Chefin dürfte die Digitalisierung der Printprodukte weiter vorantreiben.

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Jessica Peppel-Schulz übernimmt die Geschäftsführung für Condé Nast Deutschland bereits am 27. März 2019, wie das Unternehmen mitteilt. Sie hatte zuletzt fünf Jahre lang als CEO die UDG United Digital Group, nach eigenen Angaben eine führende Digitalagentur in Deutschland, geleitet. Wolfgang Blau, President Condé Nast International, zur neuen Firmenspitze: „Jessica Peppel-Schulz hat weitreichende Führungserfahrung in verschiedenen Sparten des Mediengeschäfts, in der Entwicklung von Markenstrategien und im digitalen Werbegeschäft – sogar mit vielen unserer Schlüsselkunden und Partner. Sie hat langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Teams und Unternehmen, die durch Kreativität, Experimentierfreude und Innovation erfolgreich wurden. Deshalb freuen wir uns, Jessica Peppel-Schulz als neue Geschäftsführerin von Condé Nast Deutschland an Bord zu haben.”

Doch die neue Geschäftsführerin steht vor großen Herausforderungen: Denn die Auflagen der Magazinen stehen unter Druck. Besonders Glamour hat es im vergangenen Jahr getroffen. Die verkaufte Auflage brach im 4. Quartal 2018 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um fast 20 Prozent ein. Auch die Auflage von Vogue gab in dem Zeitraum um fast sieben Prozent nach, AD und GQ jeweils um 3,8 und rund 3,5 Prozent. Branchenkenner gehen davon aus, dass sie die Digitalisierung der Printprodukte stärker vorantreibt.

Der bisherige Chef, Moritz von Laffert, hatte Anfang des Jahres dem Zeitschriftenhaus den Rücken gekehrt. Dabei erfolgte sein Ausscheiden angeblich im „besten freundschaftlichen gegenseitigen Einvernehmen“, wie es hieß. Doch das dürfte wohl eher eine PR-Floskel gewesen sein. Denn der gebürtige Hamburger musste gegenüber seinem amerikanischen Eigentümern zeitweise unter dem Strich Verluste verantworten – besonders 2017, wie jetzt aus der im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz hervorgeht. Hier rutschte das Zeitschriftenhaus 2017 tief in die roten Zahlen. Mehr als 27 Millionen Euro betrug der Jahresfehlbetrag.

Dies ist zehnmal so viel wie noch ein Jahr zuvor. Damals hatte der Deutschlandchef erklärt: „Condé Nast Deutschland hat 2016 mit einem klar positiven operativen Gewinn abgeschlossen. Das handelsrechtlich ausgewiesene Ergebnis der G+V kann leicht zu einer Fehlinterpretation der Profitabilitätssituation führen, da unser positiver operativer Gewinn von konzerninternen internationalen Lizenzgebühren sowie schwankenden internationalen Konzernumlagen beeinflusst wird.“ Für 2017 gilt ein solche Argumentationslinie wohl nur bedingt. Denn ein ganzer Pulk von Faktoren ist für die Miesen verantwortlich. Dazu gehört ein um rund neun Prozent auf 76,7 Millionen Euro geschrumpfter Umsatz – unter anderem bedingt durch den Verkauf des Frauentitels myself an die Essener Funke Mediengruppe. Laffert hatte sich von dem Titel getrennt, da dieser als Monolith nicht in das Zeitschriftenportfolio passte, das sich vor allem auf das Luxussegment fokussiert. Ein weiterer belastender Faktor war der Bereich Content Marketing. Hier musste von Laffert den schmerzlichen Abgang eines Großkunden verkraften.

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Doch das war nicht alles. Vor allem hohe Abfindungen und Beratungskosten belasteten 2017 das Ergebnis. Um dem Rückgang von Anzeigenerlösen entgegenzuwirken, verpasste er dem Unternehmen damals eine Schlankheitskur. Radikal zentralisiert er die Vermarktung in der Zentrale in München. Er schloss alle inländischen Außenbüros in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, München und Stuttgart, lediglich die Büros in Mailand, Paris und New York blieben davon ausgenommen. Die Maßnahme sorgte für viel Unruhe im Team. Auch in den Redaktionen setzt er den Rotstift an. So machte er die Schlussredaktion aller Magazintitel dicht und vergab die Arbeit an einen externen Dienstleister um den Hamburger Verleger Jan Wickmann. Diverse Mitarbeiter verloren dadurch ihre Jobs. Auch eine Führungskraft war betroffen. Überraschend setzt von Laffert den langjährigen GQ-Chefredakteur José Redondo-Vega vor die Tür und ersetzt ihn durch den ehemalige Bauer-Mann Tom Junkersdorf.

Dass Moritz von Laffert das Unternehmen wegen der zuletzt schlechten Ertragszahlen verlassen hat, weist der Verlag zurück. „Moritz von Laffert hat Condé Nast Deutschland fast zehn Jahre lang sehr erfolgreich geführt und durch viele strukturelle Modernisierungen (z.B. die Sales-Reorganisation) und unternehmerische Innovationen (Digitalisierung Shopping Week, Ausbau Brand Experiences) auf ein neues Level der Profitabilität und Professionalität gehoben. Er hat Condé Nast auf eigenen Wunsch nach Veränderung verlassen“, heißt es. Er hat den Verlag laut Angaben einer Firmensprecherin in gutem Zustand hinterlassen: „Von einer schlechten Entwicklung kann nicht die Rede sein. Condé Nast Deutschland ist im Print-Kerngeschäft profitabel trotz des marktbedingten Rückgangs der Auflagen sowie der Vertriebs- und Anzeigenerlöse. Die digitalen Umsätze und auch die neuen Geschäftsbereiche wachsen nachhaltig. Die Transformation des Geschäfts ist auf einem sehr guten Weg und die Restrukturierungen greifen. Das Haus ist somit gut aufgestellt“, heißt es.

Fraglich ist, wie sich das Ergebnis im vergangenen Geschäftsjahr entwickelt hat. „Für Condé Nast wird 2018 ein sehr herausforderndes Jahr“, gab von Laffert noch im Geschäftsbericht 2017 die Richtung vor. So ging er für das vergangene Jahr von einem „deutlich niedrigen operativen Ergebnis“ aus. Ob das Unternehmen 2018 unter dem Strich erneut rote Zahlen schrieb, dazu wollte sich Condé Nast auf Anfrage nicht äußern. „Die Entwicklung ist stabil, die Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Als Privatunternehmen publizieren wir über die Pflichtveröffentlichung im Bundesanzeiger hinaus grundsätzlich keine weiteren bzw. aktuelleren Geschäftszahlen“, so eine Firmensprecherin.

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