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“Eine Art Merkelismus in der Presse”: Medienprofessor Norbert Bolz zieht bei Gabor Steingart über Journalisten her

Medienwissenschaftler Norbert Bolz
Medienwissenschaftler Norbert Bolz ©Fotos: Twitter/Gabor Steingart/ imago/Horst Galuschka/ Montage: MEEDIA

Der Publizist Gabor Steingart hat sich am Donnerstag in seinem "Morning Briefing" mit der von ihm ausgemachten Beziehungskrise zwischen Medien und ihrem Publikum beschäftigt. Zu Gast im Podcast war der Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Der ließ kein gutes Haar an der "Mainstream"-Presse in Deutschland. Die arbeite schließlich nur noch dafür, "die Welt vor dem Bösen zu retten".

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Es sei in Deutschland zum ersten Mal so, dass Journalisten, die regierungskritisch sein sollten, sich “seit vielen Jahren mehrheitlich auf der Propaganda-Seite der Regierung befinden.” Die Kritik von Bolz, Professor für Medienwissenschaften an der TU Berlin, sitzt. Im Gespräch mit dem ehemaligen Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart über die Medienlandschaft in Deutschland ließ er sich zu allerlei bemerkenswerten Aussagen hinreißen.

Laut Bolz hätten Medien mittlerweile das Gefühl, sie müssten die Welt vor dem Bösen retten. Damit meint er etwa Donald Trump, die AfD oder “alte weiße Männer”. „Es gibt eine Art Merkelismus, der den gesamten Mainstream-Journalismus erfasst hat.“ Diese Veränderung könne sich der Medienwissenschaftler nur so erklären, dass aus dem alten Meinungsjournalismus eine Art “Gesinnungsjournalismus” geworden sei.

Begriffe wie “Staatsfunk” und “Lückenpresse” seien nicht ganz “gegenstandlos”
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Steingart weist in dem Gespräch darauf hin, dass Journalisten bei bestimmten Themen eine Verantwortung hätten und Stimmungen nicht unnötig aufheizen dürften. Darauf Bolz: “Ich glaube, dass schon der Gedanke, dass eine Information über einen Sachverhalt bei den Bürgern zu Reaktionen führt, die nicht im Sinne der Regierung oder der Sittlichkeit sind, eine Überlegung ist, die der Journalist gerade nicht anstellen sollte.” Das sei eine der großen Krankheiten unserer Zeit: Man nehme die Bürger an der Hand und traue ihnen nicht mehr zu, dass sie sich ihre eigene Meinung bilden. Auch so “böse Worte” wie Staatsfunk und Lückenpresse seien in diesem Zusammenhang nicht ganz “gegenstandlos”.

Bolz, der sich laut eigener Aussage selbst sehr viel über soziale Netzwerke informiert, wirbt in dem Gespräch für alternative Informationsquellen. Dort seien Journalisten, die “wirklich noch was drauf haben“ und “ihren Ethos kennen“.

Steingart kommentiert das Interview abschließend in seinem Morning Briefing: “Prof. Bolz ist mit seiner kritischen Sicht auf die medialen Reflexe für viele Journalisten eine Zumutung, aber – wie ich finde – eine notwendige. Wir müssen ihm nicht folgen, aber wir sollten ihm zuhören.”

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