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350-Millionen-Investment in Streaminggeschäft: Wie CEO Bert Habets die RTL Group digital voranbringen will

Bert Habets verlässt die RTL Group
Bert Habets verlässt die RTL Group ©Foto: Twitter/Bert Habets/ Montage: MEEDIA

Der Medienkonzern RTL Group hat im vergangenen Jahr Abstriche im TV-Werbegeschäft hinnehmen müssen. Der Umsatz stieg dank der Produktionstochter Fremantle jedoch um 2,1 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro und damit auf einen neuen Rekordwert – 2019 will der Konzern Hunderte Millionen ins Streaminggeschäft investieren, um Netflix und Co. den Markt nicht zu überlassen.

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Wegen eines schwächelnden Werbegeschäfts hat der Fernsehsender RTL in Deutschland Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Die Inlandserlöse des international tätigen Medienkonzerns sanken im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro. Grund für das Minus nach Unternehmensangaben: Der heiße Sommer, die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Winterspiele im vergangenen Jahr – die Sport-Events liefen bei der Konkurrenz.

In Märkten wie Frankreich und den Niederlanden lief es für RTL hingegen besser. Insgesamt stieg der Konzernumsatz um 2,1 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (Ebitda) sackte um 5,7 Prozent ab auf 1,4 Milliarden Euro, was an einem hohen Vergleichswert aus dem Vorjahr lag – damals wurden Immobilien in Paris für 94 Millionen Euro verkauft. Rechnet man diesen Einmaleffekt heraus, wäre es immerhin ein kleines Plus von 0,7 Prozent gewesen.

Wesentlichen Teil zum Ergebnis beigetragen hat erneut die RTL-Tochter Fremantle Media, der internationale Produktionsarm der RTL Group. Die Firma produziert weltweit Formate für TV-Sender wie auch Streamingdienste. Durch neue Player am Markt erweitern Produktionsfirmen wie Fremantle oder aber auch die deutsche RTL-Tochter UFA ihr Kundenportfolio. Im Fall von Fremantle soll das Geschäft erheblich an Umsatz gewinnen. Zusammen mit Sendern und Streaming-Plattformen arbeite man an der Umsetzung von mindestens 35 Ideen für fiktionale Serienproduktionen, heißt es seitens RTL. Daher prognostiziert die RTL Group, dass internationale Serienproduktionen im Jahr 2021 über 500 Millionen Euro Umsatz generieren werden – 2018 waren es 300 Millionen Euro.

Große Erwartungen steckt die Konzernführung um den neuen CEO Bert Habets ins eigene Streaminggeschäft. Auch wenn die Führung in Luxemburg an das Fortbestehen des linearen Fernsehens glaubt, macht sich niemand der Executives etwas vor: Die Umsätze werden schwinden.

Bei der Mediengruppe RTL Deutschland steckt TV Now deshalb mitten im Umbau, über mehr Eigenproduktionen und exklusive Inhalte soll das Angebot im harten Wettbewerb an Relevanz gewinnen.Ein Beispiel startete der Sender jüngst mit “M – eine Stadt sucht einen Mörder”, die Dating-Show “Temptation Island” gab es zunächst vorab im Web zu sehen. In diesem Segment erhofft sich RTL steigende Einnahmen aus dem Abonnement- wie auch Werbevermarktungsgeschäft.

Inhaltlich setzt RTL – wie auch die Konkurrenz aus anderen TV-Häusern – verstärkt auf regionale Inhalte. Aus Sicht der Sender habe man als regionaler Player ein besseres Gefühl für die heimischen Märkte als die Angreifer aus Übersee, die zwar ebenfalls regionale Produktionen in Auftrag geben, aber aus RTL-Sicht immer auch den Ansatz verfolgten, dass diese Formate international funktionieren müssten. Möglicherweise ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis Netflix und Co. ihre Strategie erweitern.

Auf dem Vormarsch sieht RTL auch seine Digital-Aktivitäten in Holland, wo mit Videoland bereits seit einiger Zeit ein Streamingangebot steht. Besonders in diesem Markt hatte die Gruppe mit der internationalen Konkurrenz zu kämpfen, begründet wurde dies mit einer höheren Affinität zur englischen Sprache. Doch auch hier habe sich RTL durch mehr Eigenproduktionen eine bessere Position erkämpft, so die Erläuterungen des Konzerns. Insgesamt vermeldet die RTL Group etwas über eine Million Abonnenten für beide Angebote. Mit Zahlen für die einzelnen Märkte hält sich der Konzern allerdings zurück.

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Im laufenden Geschäftsjahr will RTL das Segment durch weitere Investitionen stärken. 300 Millionen Euro sollen in neue Formate fließen, 50 Millionen in technische Infrastruktur und Technologien, mit der auch das Werbegeschäft entwickelt werden soll – Stichwort zielgruppengerechte Ausspielung. Die 300 Millionen Euro kommen auf die konzernweiten Jahresinvestitionen von rund 2 Milliarden Euro hinzu.

Dass man mit der Entwicklung der Plattformen insgesamt zufrieden und zuversichtlich scheint, zeigt die Zurückhaltung der Führung beim Thema der konzernübergreifenden Kooperationen. Zuletzt hatte der Konkurrent von ProSiebenSat.1 die Branche zur Zusammenarbeit aufgerufen und eingeladen – der Plan: mit einer gemeinsamen Plattform gegen die großen US-Konkurrenten antreten. “Wir sind immer offen für Kooperationen”, beteuerte CEO Habets am Mittwochabend bei einer Presseveranstaltung anlässlich der Zahlen. Es wächst aber das Selbstbewusstsein, den Weg auch alleine zu bestreiten, jetzt wo die Streamingangebote auf dem Vormarsch sind. Man will jetzt keine Zeit mehr verlieren, heißt es aus Luxemburg.

Doch nicht überall im Digitalsegment, das 2018 rund 15 Prozent des  Gesamtumsatzes ausgemacht hat, läuft es rund. Mit Blick auf die so genannten Multichannel-Networks verzeichnete RTL mit Stylehaul einen Rückschlag. 105 Millionen Euro musste die Gruppe abschreiben, was den Nettogewinn drückte. Als Aufgabe definierte Habets, die Netzwerke unabhängiger von einzelnen Plattformen wie YouTube zu machen. Auch wenn das Geschäft anders verlief als man sich zunächst versprochen habe, sei man zuversichtlich einen profitablen Geschäftsbereich zu etablieren, so Habets. Stylehaul sei ein Beispiel dafür, dass RTL bei seinen Geschäften bereit sei, Risiko einzugehen.

Am heutigen Donnerstag, dem Tag nach der Veröffentlichung der Bilanz, stehen Habets und sein CFO Elmar Heggen vor Analysten in London und geben Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Dabei will das Management die Investoren darauf vorbereiten, dass man in 2019 zwar mit weiteren Umsätzen rechne, der Betriebsgewinn aufgrund der Investitionen, von denen man sich langfristigen Erfolg erhofft, womöglich aber sinken werde. Hinzu kommen Investitionen ins lineare Programm: So sind 2019 zehn Fußball-Länderspiele bei RTL zu sehen, im Vorjahr waren es nur zwei.

(ms/ mit Material der dpa)

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Alle Kommentare

  1. Der Umsatz sieg nicht wegen einer Firmentochter, der Umsatz sieg, weil Privatfernsehn zu Pay-TV geändert wurde! Wir wolln mal schön bei der Wahrheit bleiben, bitte! Im Gegensatz zu den öffentlich Rechtlichen Fernsehsendern sollten die privaten Fernsehsender jedoch umbenannt werden in “Kostenpflichtiges Werbefernsehn”, denn man braucht diese Sender nur zufällig aufrufen und landet seltenst in einer Sendung, sondern in der Werbung. Ich find den Artikel aber schön, da er ein Bild des CEO´s hat: “so sieht also ein Giernacken aus”. Ich würd genau so grinsen an dem seiner Stelle. Hab direkt “gute” Laune! … wollt ich mal texten.

    1. *stieg … sollte es natürlich heißen. Da konnte wohl erst das abgeforderte Doppel-t im bitte den Staubkrümel im Tastenanschlag auf der Plattine zerbröseln.

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