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Geld von der Gorch-Fock-Werft? Die merkwürdige Entstehungsgeschichte um Stephen Dürrs Bundeswehr-Serie “True North”

Schauspieler und Produzent Stephen Dürr: Geld von der insolventen Gorch-Fock-Werft für seine TV-Serie?
Schauspieler und Produzent Stephen Dürr: Geld von der insolventen Gorch-Fock-Werft für seine TV-Serie? ©Fotos: Picture Alliance/ rtn - radio tele nord/ imago/Thomas Zimmermann/ Montage: MEEDIA

Der Hamburger Schauspieler Stephen Dürr (u.a. "Unter uns") arbeitet schon seit Jahren an einer Serie im Umfeld der Bundesmarine. Nun hat das Hamburger Abendblatt enthüllt, dass Geld für das bislang unvollendete Projekt von der pleite gegangenen Gorch-Fock-Werft Elsflether geflossen ist. Nicht die einzige Merkwürdigkeit bei dem Projekt.

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Die Serie soll “True North” heißen und das abenteuerliche Leben von Marine-Soldaten der Bundeswehr zeigen. Dürr selbst fungiert mit seiner Firma my way productions als Produzent, Regisseur und hat sich auch noch die Rolle eines Helikopterpiloten auf den Leib geschrieben. “So eine Rolle hätte mir nie jemand angeboten, deshalb habe ich sie mir einfach selbst geschrieben”, wird er vom Redaktionsnetzwerk Deutschland zitiert.

Das Projekt geistert schon seit 2011 durch die Branche. Unterstützt wurde das Filmprojekt laut Hamburger Abendblatt von Vizeadmiral Andreas Krause, dem Inspekteur der Marine. Der sagte 2015: „Mit einer fiktionalen Fernsehserie über die Offiziersausbildung der Marine gehen wir einen Schritt weiter. Wir werden mit dieser Fernsehserie die Marine in die Wohnzimmer der Bevölkerung tragen.“ Mittlerweile ist die Bundeswehr mit diversen YouTube-Serien (u.a. “Die Rekruten”, “Mali”) selbst recht erfolgreich in die Bewegtbild-Produktion eingestiegen. Entscheidender Unterschied: Die Bundeswehr-Reihen zeigen als Doku-Soaps echten Soldaten-Alltag, “True North” wäre eine fiktionale Serie. Dürr befindet sich deswegen mit der Bundeswehr auch in juristischen Auseinandersetzungen. Er forderte laut Medienberichten von der Bundeswehr Unterlassung bezüglich der Web-Serien, die er offenbar als Konkurrenz für das eigene Projekt empfand. Immerhin hatte er einen Kooperationsvertrag mit der Bundeswehr geschlossen.

Das Unterlassungsbegehren zog er später aber wieder zurück. Im Oktober 2018 erhob die Bundeswehr selbst allerdings Feststellungsklage, um den rechtlichen Status zu Dürr und seiner Firma zu klären. Ein Bundeswehrsprecher sagte zur Bild-Zeitung: “Das passiert, um Rechtssicherheit zu schaffen. Seit 2017 machte ‘My Way Productions’ wegen Webserien, die das Verteidigungsministerium selbst produzieren ließ, Unterlassungsansprüche geltend, beruft sich auf angebliche Exklusivitätsrechte aus dem Kooperationsvertrag.”

Nun haben offenbar die Dreharbeiten begonnen. Ein rund 20-köpfiges Team arbeitet unter anderem in WilhelmshavenHamburgEckernförde und Norwegen, wie es heißt. Statt auf eine TV-Ausstrahlung setzt Dürr nun auf Streaming-Anbieter. Wenn acht Folgen abgedreht sind, will er mit den bekannten Anbietern verhandeln. Dass nun durch das Hamburger Abendblatt bekannt wird, dass Finanzhilfen der insolventen Elsflether Werft in dem Projekt stecken, ist ein neuer Aspekt. Die Werft kam bundesweit in die Schlagzeilen, wegen der komplett aus dem Ruder gelaufenen Sanierung des Marine-Segelschulschiffs Gorch Fock. Die Kosten explodierten von zunächst anberaumten zehn auf 135 Mio. Euro – Ende offen. Das Verteidigungsministerium verhängte einen Zahlungsstopp, worauf die Werft in die Insolvenz ging.

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Wie das Abendblatt nun schreibt, gewährte eine InterMartec GmbH 1,5 Mio. Euro unbesicherte Darlehen an eine Sintense Film GmbH zur Finanzierung der “True North”-Serie. InterMartec wurde von den ehemaligen Werft-Geschäftsführern gegründet, die Firma sei mit 50% an Sintense Film beteiligt, die anderen 50% sollen Stephen Dürr gehören. “Das Geld kam von der Elsflether Werft“, sagt der neue Aufsichtsratschef der Werft, Pieter Wasmuth dem Abendblatt. Die Werft hatte laut Wasmuth rund 29 Millionen Euro an Darlehen vergeben – davon 12,3 Millionen Euro an die InterMartec. Stephen Dürr ließ sich nur mit folgender Stellungnahme im Abendblatt zitieren: “Das Ziel der InterMartec war und ist es, durch die Kooperation bei der Sintense Film GmbH Gewinne zu erwirtschaften, die das Investment übersteigen.“ Unklar sei zudem, wer überhaupt die Rechte an der noch unfertigen Serie hat. Gegen die beiden im Januar abgelösten Geschäftsführer der Werft laufen mittlerweile Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Osnabrück wegen des Verdachts der Untreue.

Falls es mit “True North” doch nichts werden sollte: Die Story rund um die Serie gäbe mittlerweile auch genug Stoff für einen Film her.

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