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Facebooks neue Privatsphären-Strategie: Wie ernst meint es Mark Zuckerberg tatsächlich?

Facebook-CEO Mark Zuckerberg
Facebook-CEO Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg hat mit seinem vergangene Woche ausgerufenen Konzept-Wechsel für Wirbel in der Branche gesorgt. In Zukunft wolle das Unternehmen den Schutz der Privatsphäre in den Vordergrund stellen und den Fokus auf verschlüsselte Messaging-Dienste legen. Für das Netzwerk bedeutet das nichts anderes als die Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell des Newsfeeds. Nur: Wie ernst meint es der Facebook-Chef wirklich mit der Privatsphäre?

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Timing ist bei Mark Zuckerberg alles. Dass sich der Facebook-Chef mit seinem Manifest zum Wandel seines Unternehmens gerade den vergangenen Mittwoch aussuchte, hat wohl nichts mit Zufall zu tun. Zwei Tage später startete in Texas die South by Southwest (SXSW), eine der bekanntesten Digitalmessen der Welt. Und Zuckerberg hat mit seinem Vorstoß die Teilnehmer bereits vorab überrascht.

Denn was der 34-Jährige in seinem Blogpost verkündete, ist nichts geringeres als einer der größten Einschnitte in der 15-jährigen Konzerngeschichte. Facebook, so Zuckerberg, sieht die Zukunft der Kommunikation im Privaten, also in Messaging-Diensten und den Story-Formaten – nicht mehr im öffentlichen Newsfeed. Privat, verschlüsselt und zeitlich begrenzt sollen die Informationen sein, die Nutzer in Zukunft teilen. Neun Jahre nach Zuckerbergs selbstgesetztem Ende der Privatsphäre ist das eine bemerkenswerte Neuausrichtung. Insbesondere für ein Unternehmen, das mit Daten sein Geld verdient.

Den Umschwung hat Facebook zumindest in der Außenbetrachtung bitter nötig. Vor etwa einem Jahr wurde bekannt, wie skrupellos Facebook die Privatsphäre seiner Nutzer aushöhlt. Der Cambridge-Analytica-Skandal hat den Ruf des Netzwerkes beschädigt. Hinzu kommt: Seit fast einem Jahr ist das Nutzerwachstum abseits der Schwellenländer nahezu konstant. Es erscheint absehbar, dass das Wachstum des Newsfeed in seiner bisherigen Form endlich ist. Das Unternehmen muss auf die Kritik seiner Nutzer reagieren.

“Nur ein PR-Stunt”

Dennoch stoßen die Privatsphäre-Beteuerungen des Facebook-Chefs bei der SXSW auf Skepsis. Allen voran beim ehemaligen Zuckerberg-Berater Roger McNamee, der auch einer der ersten Investoren von Facebook war. Er hält Zuckerbergs Aussagen für einen “PR-Stunt, der mal wieder von den eigentlichen Problemen des Netzwerkes ablenkt”.

Dass Facebook seine Nachrichten in Zukunft verschlüsseln muss, sei laut McNamee sowieso absehbar. Zuckerberg mache hier aus einer Notwendigkeit ein Feature, so der Manager und Autor auf der SXSW. Die größeren Probleme aber tastet Zuckerberg nicht an: Trotz der Beteuerung werde der Konzern seine Nutzer auch in Zukunft im Netz (auch außerhalb der Seite) verfolgen, vermutet McNamee. Das soziale Netzwerk nutzt die Daten seiner 2,3 Milliarden Mitglieder, um Werbung möglichst passgenau in deren Newsfeed zu platzieren.

Auch die Senatorin und Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren wetterte auf der Tech-Konferenz gegen den blauen Riesen. Sie machte sich erneut dafür stark, große Tech-Konzerne zu zerschlagen, um ihre Datenmacht einzudämmen. Fast schon zurückhaltend reagierte dagegen die sonst als Facebook-Kritikerin bekannte EU-Kommissaren Margrethe Vestager. “Wenn sie das umsetzen, ist das ein erster Schritt und zeigt, dass sie etwas ändern”, sagte sie auf der Bühne in Richtung Facebook. Das Unternehmen habe der Öffentlichkeit zugehört.

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Businessmodell von WeChat inspiriert

Dennoch bleiben die Zweifel. Es fehlt Zuckerberg nach unzähligen Datenschutz-Desastern die Glaubwürdigkeit. Einen korrekten Umgang mit der Privatsphäre nimmt dem Netzwerk kaum jemand ab. Und tatsächlich mutet der Strategiewechsel des Unternehmers etwas eigenartig an: Der Konzern, der durch Anzeigen im Newsfeed seinen Hauptumsatz erzielt, verlagert sein Geschäftsmodell in die Messengerdienste, in denen Nachrichten verschlüsselt und damit Inhalte nicht mehr wie sonst lesbar sind. In seinem Blogeintrag geht Zuckerberg nicht darauf ein, wie er die dadurch zu erwartenden Probleme bei Werbetreibenden lösen will. Im Interview mit Wired signalisierte er aber, dass man auch mit den Meta-Daten einer Konversation gezielte Werbung schalten könne – dazu gehört etwa der Aufenthaltsort des Nutzers.

Und noch etwas könnte den Facebook-Chef bei Laune halten: Die Skalierbarkeit des neuen Business-Modells, das wie der chinesische Chat-Dienst WeChat funktionieren dürfte und dank vieler Funktionen auch dann noch ausreichend Daten abwirft, wenn die eigentlichen Chats verschlüsselt werden.

Privates Umfeld zukunftsträchtiger?

Im Interview beschreibt Zuckerberg das Modell so: “Ausgehend vom Messenger, der so sicher ist wie möglich, werden wir verschiedene weitere Interaktionsmöglichkeiten im privaten Raum schaffen – von Anrufen, Gruppen, Stories, Bezahlungen, e-Commerce, Orts-Sharing bis hin zu anderen Systemen, die Interaktionen zwischen Leuten erlauben.” Nicht wenige Experten halten dieses Konzept im Gegensatz zum öffentlichen Newsfeed für zukunftsträchtiger. Dies wurde etwa auf der Social Media Week in Hamburg deutlich.

Für Zuckerberg könnte der Fokus aufs private Umfeld also ein lohnenswerter Schritt sein, insbesondere um das Wachstum der aktiven Nutzer wieder anzukurbeln. Der Unternehmer schlägt so Kapital aus der Not. Ob es ihm gelingen wird, das Erfolgsmodell des werbegetriebenen Newsfeeds auf privater Ebene zu wiederholen, ist jedoch offen. Ausreichend Daten hätte der Konzern jedenfalls auch im privaten Bereich zur Verfügung, der für den Nutzer dementsprechend nur scheinbar mehr Datenschutz bieten würde.

Hier wird sich zeigen müssen, wie wichtig dem Unternehmen der Schutz der Daten wirklich ist.

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    E-Mail: karnataka.temple@gmail.com
    WhatsApp: +34631686040

  2. Facebook und Privatsphäre sind ebenso unvereinbar, wie ein Dämon in der erzkonservativ katholischen Kirche. Wer noch nicht genügend Gegner im Leben hat, der eröffnet ein Facebookprofil. Ich halte Facebook für gefährlich, es wirbt mit den Vorzügen sich zu präsentieren, verweigt aber die Schattenseiten, denn die Welt ist voll von Neidern, Mißgünstlichen und bösartigen Trollen. Wie viele Menschen an Facebook seelisch zerbrochen sind, darüber wirbt Facebook freilich nicht. Facebook ist ähnlich des Accountbindungszwangs bei Computerspielen mit Supportweisheiten wie “Fragen Sie die Community”. Paßt denen die Nase nicht, kann man alles nur noch wegschmeißen. Besser ist, gar nicht erst erwerben, erspart viel Ärger. Soziale Netzwerke sind nichts weiter als blutige Arenen, in denen jeden Tag Menschen zertrümmert werden! Man sollte davon die Finger lassen im Sinne: “Mach Dich nicht unglücklich!”

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