Anzeige

Akkreditierung nicht verlängert: Korrespondenten von ZDF und Tagesspiegel verlassen die Türkei

Ärger um Türkei-Akkreditierung: Tagesspiegel-Reporter Thomas Seibert (l.) und ZDF-Korrespondent Jörg Brase © Picture-Alliance

Die türkische Regierung hat erneut Akkreditierungen langjähriger Korrespondenten deutscher Medien nicht verlängert. Dieses Mal zwang der Staat Journalisten von ZDF und Tagesspiegel zur Ausreise. Die betroffenen Redaktionen protestieren genauso wie die deutsche Bundesregierung, deren Beziehung zur Türkei erneut auf die Probe gestellt wird.

Anzeige

Die Bundesregierung protestiert dagegen, dass mehrere deutsche Korrespondenten in der Türkei vorerst keine weitere Arbeitsgenehmigung erhalten haben. „Für uns ist diese Verweigerung der Akkreditierungen nicht nachvollziehbar“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Man nehme mit Bedauern und Unverständnis zur Kenntnis, dass zwei Journalisten deshalb ausreisen mussten. Die Angelegenheit sei mit der Ausreise nicht erledigt. „Wir werden deren Interessen weiter vertreten“, sagte Seibert.

ZDF-Korrespondent Jörg Brase und Tagesspiegel-Reporter Thomas Seibert hatten am Sonntag die Türkei verlassen. Das Presseamt in Ankara hatte ihnen sowie einem nicht ständig in der Türkei lebenden NDR-Reporter vor rund einer Woche mitgeteilt, dass ihr Antrag auf eine neue Pressekarte nicht bewilligt worden sei. Gründe nannten die Beamten nicht.

Die Pressekarten ausländischer Korrespondenten laufen jedes Jahr Ende Dezember ab und müssen dann neu beantragt werden. Die Karten gelten als Arbeitserlaubnis, sind aber auch Grundlage für die Ausstellung einer Aufenthaltsgenehmigung.

Auswärtiges Amt warnt vor Verhaftungen

Regierungssprecher Seibert betonte, die Meinungs- und Pressefreiheit ein hohes Gut. „Das heißt, dass Journalisten ganz grundsätzlich in der Türkei die freie Ausübung ihrer Tätigkeit ermöglicht wird.“ Dazu sei man weiterhin mit der türkischen Regierung in engem Kontakt.

Zuvor hatte das Auswärtige Amt die Reisehinweise in die Türkei verschärft und zudem vor Verhaftungen gewarnt. Es müsste mit „Maßnahmen gegen Vertreter deutscher Medien sowie zivilgesellschaftlicher Einrichtungen“ gerechnet werden, lautete es aus dem Außenministerium. Minister Heiko Maas (SPD) hatte den Entzug der Arbeitserlaubnis der beiden Journalisten kritisiert. „Wenn Journalisten an der Arbeit gehindert werden, ist das mit unserem Verständnis von Pressefreiheit nicht vereinbar.“

Die beiden Korrespondenten kündigten an, trotz Ausreise weiterhin über die Türkei und das politische Vorgehen des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan berichten zu wollen. Das Angebot von türkischer Seite, die Akkreditierung anderer Journalisten der Medienhäuser zu prüfen, hätten Tagesspiegel wie auch das ZDF nach Angaben von Spiegel Online abgelehnt.

80 Journalisten warten auf Akkreditierung

Darüber hinaus sei noch offen, ob weitere Journalisten ausreisen müssen. Derzeit warteten noch rund 80 Journalisten weiterhin auf die Bestätigung ihrer Akkreditierung, schreibt SpOn weiter.

Die Ausweisung der Journalisten stellt die Beziehungen der deutschen und türkischen Regierung erneut auf die Probe. Es ist nicht das erste Mal, dass Reporter (indirekt)zur Ausreise gezwungen werden. 2016 wurde die Akkreditierung des damaligen Spiegel-Online-Korrespondenten Hasnain Kazim ungewöhnlich lang hinausgezögert, bis der Verlag entschied, seinen Korrespondenten aus Sicherheitsgründen zu versetzen, ähnlich entschied sich damals auf die FAZ. Genauso hatte die Welt damals entschieden, ihren Reporter Deniz Yücel aus der Türkei abzuziehen – allerdings geschah dies nur für bestimmte Zeit. Im Februar wurde Yücel vom türkischen Staat in Gewahrsam genommen, saß ein Jahr lang in Haft.

Mit Material der dpa

Anzeige