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Trotz Rekordergebnis und 512.000 Digital-Abos: Axel Springer schließt Konsolidierungen 2019 nicht aus

Springer-CEO Mathias Döpfner
Springer-CEO Mathias Döpfner © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Axel Springer Konzern legte 2018 das "erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte" hin und freut sich über mehr als 700 Millionen Euro Gewinn vor Steuern. Beim Berliner Medienhaus stehen die Zeichen weiter auf (Digital-)Wachstum, auch in der Publizistik. Mit Blick auf Deutschland wird die aktuelle Konsolidierungswelle aber auch an dem selbstbewussten Konzern nicht einfach so vorüberziehen.

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84 Prozent des Weges vom traditionellen Medienhaus hin zum Digitalkonzern seien geschafft, sagt Mathias Döpfner. 84 Prozent, das ist der Anteil des Digitalgeschäfts am Konzerngewinn, den Springer 2018 vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) gemacht hat (genauere Angaben zu Jahresergebnisse lesen Sie hier). Demnach wäre der Axel Springer Konzern, der nicht erst seit dem Verkauf eines beachtlichen Teils seines Print-Portfolios im Jahr 2013 streng die Digitalisierung seines Geschäfts fokussiert, schon bald am Ziel. Doch das ist nur die “halbe Wahrheit”, wie Döpfner am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2018 in Berlin ergänzte. In der kulturellen Entwicklung, in der Einstellung der Mitarbeiter, seien vermutlich erst 50 Prozent geschafft – und das wiederum sind auch nur zwei Drittel der Wahrheit.

Das letzte Drittel macht bei Springer die Optimierung der bisherigen Geschäftsmodelle fürs Digitale aus. Und hier haben der CEO und sein Unternehmen offenbar noch einen extrem langen Weg vor sich: Auf 10 Prozent beziffert Döpfner die bislang hinter sich gebrachte Wegstrecke – und das, obwohl der zwei Meter große Mann und seine Vorstandskollegen große Schritte nehmen.

Doch vor allem die Frage nach gut funktionierenden Geschäftsmodellen für Journalismus ist auch bei Axel Springer noch nicht endgültig geklärt. Allerdings stellt der Konzern unter Beweis, dass es sie durchaus gibt. Als Beispiele führte Döpfner die oft hervorgehobene Insider-Gruppe (ehem. Business Insider) an, dessen Deutschland-Ableger in diesem Jahr ebenfalls endlich Fahrt aufnehmen soll. Insider hat es mit seiner weltweiten Reichweite von rund 170 Millionen Unique Usern und der Monetarisierung von Video-Content, dessen Reichweiten bei 10 Milliarden Views liegen (beides monatlich), geschafft und steht damit deutlich besser dar als die Digitalkonkurrenz von BuzzFeed, Vice oder Huffington Post.

“Riesige Chancen bei den Veränderungen der Mobilität”: Springer zurrt Upday-Deal mit BMW fest

Im laufenden Geschäftsjahr 2019 will Springer weitere seiner international angestoßenen Digitalprojekte in die Profitabilität führen. Der Newsaggregator Upday, den Springer 2014 für Samsung aufgebaut hat, habe im letzten Quartal 2018 den Break Even erreicht, 2019 soll die App profitabel werden und weiter expandieren. Dazu löst Springer die exklusive Samsung-Kooperation und öffnet das Angebot für weitere Plattformen. Gerade habe man einen “sehr attraktiven” Vertrag mit Autohersteller BMW abgeschlossen, so Döpfner, der die “große Bedeutung” des Deals betonte: “Wir sehen riesige Chancen bei den Veränderungen der Mobilität.” Springer wolle freiwerdende Zeitbudgets beim Auto- und autonomen Fahren für sich gewinnen, so die Vorgabe des CEOs. Weiteres Wachstum sollen der Ausbau des Audio- und Videogeschäfts bei Upday bringen.

Ebenfalls Profitabilität prognostizierte Döpfner für Politico Europe, das mittlerweile rund 60 Journalisten beschäftige. Das Ziel solle demnach trotz weiterer Investitionen für den Ausbau des Angebots sowie die Erschließung weiterer Zielgruppen erreicht werden, beteuerte der CEO.

Bild und Welt: Mehr als halbe Million Digital-Abos – auch Springer schließt Konsolidierungen nicht aus
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Etwas knapper fielen die Ausführungen zu den deutschen Aktivitäten von Bild und Welt aus. Man freue sich sehr über das Erreichen einer neuen Stufe im digitalen Abonnement-Segment, betonte Döpfner. 512.000 Abonnenten meldet Springer, 420.000 davon entfallen alleine auf Bild. Insgesamt habe man den Stamm der zahlenden Nutzer 2018 um elf Prozent steigern können. Dabei wies er genauso darauf hin, dass vor allem journalistische Inhalte Grund für Konvertierungen seien, Marketingmaßnahmen habe man hingegen zurückgefahren. “Würden wir hier aggressiver Marketing betreiben, wären die Zahl sehr viel höher”, sagte Döpfner weiter und erklärte: “Wir werden in Zukunft diskutieren, ob wir das nicht vielleicht tun sollten.”

Der Grund für diese Entscheidung dürfte sein, dass sich auch der Springer-Vorstand fragt, ab welchem Punkt – vor allem mit Blick auf 420.000 Bild-Abos – das Ende der Nachfrage erreicht ist. Die Wachstumsziele sind ehrgeizig, aber werden auch für Springer mit der Zeit immer schwieriger zu erreichen sein. Große Umsatzsteigerungen – die aufgrund der Verluste aus dem Printgeschäft weiter enorm wichtig sind – werden dann eher über Preiserhöhungen zu machen sein.

Bild hat jüngst bereits angefangen, an Stellschrauben zu drehen. Von der lang anhaltenden Preisaktion, Bild im ersten Monat für 99 Cent zu testen, hat sich Springer verabschiedet. Darüber hinaus wurde der Preis von 4,99 Euro auf 7,99 Euro erhöht (wobei  sich über Aktionen noch günstigere Preise erzielen lassen). Preiserhöhungen folgen muss wohl auch der weitere Ausbau des Angebots folgen. So ist Bild unter anderem dabei, den Anteil an (Longform-)Video-Content zu erhöhen, hat jüngst eine eigene Mediathek gestartet.

Zur Sprache kam auf der Bilanz-Pressekonferenz nicht nur Digitales, sondern auch die Aktivitäten, die Springer im gedruckten Markt zumindest testet. Auf Nachfrage erläuterte Döpfner, mit dem bisherigen Testverlauf von Bild Politik, dem wöchentlichen Nachrichtenmagazin der Boulevardzeitung, “sehr zufrieden” zu sein. Vorstandskollegin Stephanie Caspar ergänzte, dass bisherige Zahlen eine Ausweitung des Projektes “rechtfertigen” würden. Auf erneute Nachfrage, ob bislang genannte Verkaufszahlen von 2.000 bis 3.000 Exemplaren (MEEDIA berichtete) tatsächlich, zufriedenstellend sein, antwortete Caspar, dass nach bisherigen Hochrechnungen eine “wirtschaftliche Grundlage” gegeben sei. Bild Politik wird aus der Redaktion der Tageszeitung heraus gestemmt, läuft also bislang mit vergleichsweise kleinem Kostenapparat. Trotz demonstrierter Zufriedenheit erklärte Döpfner aber, weitere Testwochen und die Verkaufsentwicklung im Testgebiet Hamburg & Umgebung abwarten zu wollen.

Zur Sprache kam auch das weiterhin schwierige Marktumfeld der Medien in Deutschland. Gerade erst wurde bekannt, dass die DuMont Mediengruppe offenbar plant, ihr Tageszeitungsportfolio zu veräußern (Döpfner: “Kein gutes Zeichen für die ganze Branche”), die Funke Mediengruppe (in der Vermarktung Partner von Axel Springer) baut über mehrere Abteilungen hinweg rund 300 Stellen ab. Kann Springer aufgrund seiner starken Geschäfte und wachsender Classifieds-Märkte ähnliche Konsolidierungsmaßnahmen für das laufende Geschäftsjahr ausschließen? “Meine Antwort darauf fällt knapp aus”, sagte Döpfner. “Nein. Wir müssen uns natürlich ständig anpassen.”

 

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