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AGF veröffentlicht erstmals Youtube-Daten: 33 Minuten Nutzung pro Tag, funk stärker als die gesamte ARD

Dirk Bruns, Head of Video Sales, Google Deutschland und AGFGeschäftsführerin Kerstin Niederauer-Kopf
Dirk Bruns, Head of Video Sales, Google Deutschland und AGFGeschäftsführerin Kerstin Niederauer-Kopf ©Fotos: medientage.de/ Twitter/Serviceplan Group/ Montage: MEEDIA

Fast vier Jahre nachdem die AGF Videoforschung ihre Kooperation mit YouTube verkündet hat, legen die beiden Unternehmen erstmals gemeinsame Daten vor. Demnach sahen die Über-18-Jährigen in Deutschland im Oktober 2018 immerhin 33 Minuten lang YouTube-Video pro Tag. 148 Content Owner erreichten in dem Wertungsmonat mehr als 10 Mio. Views bei deutschen Nutzern.

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Im April 2015 verkündete die AGF: “Meilenstein für den Bewegtbild-Standard in Deutschland: AGF bezieht YouTube in ihr Forschungssystem mit ein.” Der Anspruch der TV-Quotenmesser, nicht nur das Fernsehen, sondern den gesamten Bewegtbild-Konsum in Deutschland zu messen und auszuwerten, schien ein bedeutendes Stück näher gerückt zu sein. Doch es dauerte bis jetzt, März 2019, bis das Duo erstmals gemeinsame Daten veröffentlichte.

In der Zwischenzeit hatten Fachmedien wie Horizont von einem “jahrelangen Hin und Her” berichtet, die Daten seien “höchst erfreulich für Youtube und entsprechend unerfreulich für das mächtige TV-Establishment”, eine Veröffentlichung sei gerade deswegen verschoben worden. Die AGF stellt das naturgemäß anders dar: Es sei nie zu Verzögerungen gekommen, die Zusammenarbeit sei nunmal komplex, es gelte, zahllose Problemstellungen zu lösen und für Google sie die Zusammenarbeit mit der AGF auch weltweit eine Premiere. Nirgendwo sonst habe man bisher mit einem JIV (Joint Industry Committee) wie der AGF kooperiert.

Starke YouTube-Zahlen

Die nun veröffentlichten Zahlen bestätigen zumindest die Stärke von YouTube im Vergleich zum herkömmlichen Fernsehen und dessen Online-Ablegern. So wurden im Beobachtungszeitraum 4. bis 31. Oktober 2018 für das herkömmliche Fernsehen 232 Minuten Nutzung pro Tag bei den Über-18-Jährigen gemessen, für YouTube 33 Minuten und für die Mediatheken der TV-Sender ganze 2 Minuten. Die 33 Minuten YouTube würden damit einem Anteil von 12,4% an den 267 Minuten Bewegtbildnutzung entsprechen. Zum Vergleich: Die ZDF-Familie und die ProSiebenSat.1-Sender kamen im gleichen Zeitraum auf jeweils 45 Minuten pro Tag, liegen also nicht weit entfernt vor YouTube. Die ARD-Familie und die Mediengruppe RTL hingegen erreichten mit 60 bzw. 52 Minuten deutlich mehr Nutzungsminuten pro Tag.

Die YouTube-Zahlen sind um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass es sich um eine gemessene Durchschnittszahl für alle Über-18-Jährigen handelt. Sprich: Auch sämtliche Über-60-Jährigen, bei denen die Videonutzung im Internet naturgemäß deutlich geringer oder gar nicht vorhanden ist, stecken mit in diesen Durchschnittszahlen: Bei den Unter-40-Jährigen wird der YouTube-Konsum also deutlich über den 33 Minuten liegen und bei den Unter-30-Jährigen womöglich schon an den TV-Konsum von mittlerweile weniger als 100 Minuten (14-29 / Gesamtjahr 2018) herankommen. Genaue Zahlen für verschiedene Altersgruppen hat die AGF leider noch nicht veröffentlicht.

funk stärker als die ARD
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Nun sind die 33 Minuten ja ein Wert für die gesamte Plattform YouTube mit all ihren Millionen Anbietern. In den erstmals veröffentlichten Daten gibt es aber immerhin auch schon auf Content Owner heruntergebrochene Abrufzahlen. So erreichte die ProSiebenSat.1-Tochter Studio71 im Beobachtungszeitraum 4. bis 31. Oktober 2018 stolze 630 Mio. Views, Musikvideo-Marke Vevo kam in Deutschland auf 490 Mio., das zur RTL Group gehörende BroadbandTV erreichte mit seinen Angeboten 463 Mio. und ein Kanal wie Bibis Beauty Palace 35 Mio.

Bei den Sender-nahen Anbietern sticht RTL II heraus, das laut AGF auf 121 Mio. YouTube-Views kam. Erfolgsgaranten sind hier u.a. die Kanäle der beiden Vorabend-Soaps “Berlin – Tag & Nacht” und “Köln 50667”. Einen Erfolg bescheren die AGF-Zahlen auch funk, dem Jugendangebot von ARD und ZDF: Mit 58 Mio. Views liegt es sogar vor sämtlichen YouTube-Kanälen der ARD-Familie (57 Mio.) und erst recht vor denen der ZDF-Familie (19 Mio.).

Das weitere Ziel ist nun, die YouTube-Nutzung entsprechend der TV-Quoten-Ausweisung bis auf den einzelnen Channel und das einzelne Video herunterzubrechen: “Ziel der AGF ist es, YouTube ganz im Sinne eines gemeinsamen Marktstandards als verlässlich transparenten Partner im AGF-System auszuweisen”, so AGF-Chefin Kerstin Niederauer-Kopf. Wann man soweit ist, kündigt man nicht an. Im Sinne einer Abbildung des gesamten Bewegtbild-Konsums ist die AGF natürlich auch daran interessiert, weitere Anbieter wie die Streaming-Dienste von Netflix bis DAZN in das Messsystem zu integrieren.

Doch das ist erst recht noch Zukunftsmusik.

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Alle Kommentare

  1. Das Gesamtbuget von funk steht ergebnisbezogen in einem sehr auffälligen Mißverhältnis zur ARD-Gesamtreichweite.

    45 Mio. € Jahresbudget im Vergleich zu über 7 Mrd. € – das zeigt nun, wieviel mehr Programm möglich wäre …

    Lustig wird das Jahr 2020, wenn digitale Zeitungen und localTV EINS WERDEN – und 5G bidirektionale Echtzeitkommunikation zulässt!

  2. Eine gute Nachricht.
    Dabei wird Funk vom Großteil Deutschsprachigen Youtube noch ausgelacht und verächtlich gemacht (ist viel Neid auf das Geld dabei).
    Wenn die schon mehr Views aggregieren als die gesamte ARD, dann muss wohl jeder “mittelgroße kontroverse” Youtuber ein Vielfaches der ARD haben.
    Meist kleine Gruppen oder ganz allein. Meist deboosted und mit Kanalsperren kämpfend. Manche müssen sich sogar aller paar Monate einen neuen Kanal machen, was die Auswertung natürlich schwierig macht.

    Das zeigt jedenfalls, das die Telemetriemessmethoden herkömmlicher Fernsehrgeräte womöglich nicht mehr zeitadequat repräsentant für das Sehverhalten sind.

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