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Kommando Schrumpfkurs: Hans-Peter Buschheuer über Miss-Management und die “Todesspirale” der DuMont-Titel

Hans-Peter Busscheuer war Chefredakteur des Kölner Express sowie des Berliner Kurier
Hans-Peter Busscheuer war Chefredakteur des Kölner Express sowie des Berliner Kurier

An der Nachricht, dass das Verlagshaus DuMont sich von all seinen Zeitungen und Druckereien trennen will, überrascht vielleicht nur der Zeitpunkt und die Art und Weise, wie diese Absicht bekannt geworden war. Ex-DuMont-Chefredakteur Hans-Peter Buschheuer nennt in seinem Gastbeitrag für MEEDIA vier Gründe für den Untergang des schwierigen Erbes des 2015 verstorbenen Verlegers Alfred Neven DuMont.

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Von Hans-Peter Buschheuer

Schon nach dem Tod des Verlagspatriarchen Alfred Neven DuMont im Mai 2015 waren sich fast alle Insider einig, dass die Hinterbliebenen des Verlegers sich schnellstmöglich von dem kriselnden Erbe trennen würden. Dass es nun fast vier Jahre gedauert hat, hat viel mit der inneren Verfassung des Hauses DuMont zu tun. Denn seit Jahren schon versuchen Alfreds Erben die Zeitungen ganz oder teilweise abzustoßen. Zu lange aber glaubte man, im Besitz einer Goldmine zu sein, rechnete sich den Verlag schön, schätzte seien Wert auf eine Milliarde Euro. “Mondpreise”, wie man beim NRW-Rivalen Funke spottete, dem das Kölner Verlagsimperium zum Kauf angeboten worden war.

Und zu spät dämmerte den Verlagsmanagern, dass manche der Zeitungen (wie etwa in Berlin oder Hamburg) mit Bordmitteln nicht mehr zu retten seien. Mit der Strategie einer “digitalen Transformation”” ist man krachend gescheitert; die Webauftritte der DuMont-Titel gehören zu den grafisch wie inhaltlich schwächsten Angeboten der deutschen Zeitungslandschaft. Entsprechend miserabel sind die Nutzerzahlen der Online-Auftritte der Kölner.

Das Motto hieß “Perspektive Wachstum”, das Programm Stellenabbau

Unter dem stark nach Orwell klingenden Motto “Perspektive Wachstum” begann Verlagsmanager Christoph Bauer vor fünf Jahren mit dem radikalen Umbau des Konzerns – einhergehend mit drastischem Stellenabbau in allen Bereichen des Verlags und der Redaktionen.

So setzte man eine verderbliche Todesspirale (Kostensenkung durch Entlassungen, sinkende Qualität, sinkende Auflage, Erhöhung des Copypreises, weiter fallende Auflage, Verringerung der Erlöse usw. usf.) in Bewegung – bis heute. MEEDIA hat sauber nachgerechnet, dass die DuMont-Titel im Vergleich zur übrigen kriselnden Branche überdurchschnittlich an Performance verloren haben. Die Qualitätsverschlechterung der Zeitungen war also eingepreist in die “Perspektive Wachstum”, die in Wirklichkeit ein Kommando Schrumpfkurs war und ist. “Runtergerockt” und “klinisch tot”, wie Uwe Vorkötter, Ex-Chefredakteur des DuMont-Blattes Berliner Zeitung zutreffend kommentierte.

“Was hat Dich bloß so ruiniert”, sangen die “Sterne” und fragten “Warst Du nicht fett und rosig?”. In der Tat blickt seit dem Bekanntwerden der Verkaufspläne eine staunende Öffentlichkeit kopfschüttelnd auf den Verlagsriesen vom Rhein. Besonders in DuMonts Heimatmarkt Köln kann man das Fiasko kaum fassen. DuMont gehört zur Rheinmetropole wie der Karneval, das Kölsch und der Klüngel. Verlagspatriarch Alfred Neven DuMont bestimmte jahrzehntelang nicht nur ganz nach Gutsherrenart die Geschicke seines Hauses, sondern auch die seiner Vaterstadt Köln. Gegen DuMonts Interessen zu regieren, war keine gute Idee in der Domstadt.

Doch der Niedergang des Imperiums hatte sich schon lange vor dem Tod des Padrons angedeutet. Vier Gründe:

Zu spät dämmerte dem Patriarchen, dass der Junior mit dem Verlags-Einmaleins überfordert war
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Erstens: “Alfred ist das Problem”, sagte schon vor zehn Jahren ein Verlegerkollege zum Zustand des Hauses an der Amsterdamer Straße und meinte damit das ungelöste Problem der Erbfolge im Hause DuMont. Lieblingssohn Markus verstarb 1995 im Alter von nur 27 Jahren. Dessen jüngerer Bruder Konstantin wurde eilends in die Erbfolge beordert, ein Kommandounternehmen, das alle, die den jungen DuMont kennen, heute noch verwundert. Sein bisweilen bizarres öffentliches Auftreten (“Herr Sonderbar”, betitelte die Süddeutsche Zeitung ein Porträt des Juniors), sein Unwille, das Verlags-Einmaleins zu erlernen und sein Unvermögen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, führten schließlich zum Zerwürfnis und Ausscheiden aus dem väterlichen Unternehmen. Bis aber Konstantins Überforderung auch dem Patriarchen klar wurde, gingen wertvolle und letztlich verlorene fünfzehn Jahre ins Land.

Zweitens: Der Hofstaat. Weil Alfred Neven DuMont (“AND”) keinen Widerspruch duldete, verhielt sich seine Umgebung entsprechend. Es mangelte nicht an kritischen Managern und Chefredakteuren, die Kontra gaben. Deren Überleben bei DuMont währte aber meist nur kurz. So entstand ein modernes Hofschranzentum. Die Schmeichler und Ja-Sager waren es letztlich auch, die schlechte Nachrichten von AND fern hielten. Dass DuMont die digitale Zukunft verschlafen hat, liegt auch an diesem Management-Versagen.

Die Gesellschafter-Familien waren sich in herzlicher Abneigung verbunden

Drittens: Die Familien. MDS ist ein Fifty-fifty-Unternehmen zweier Kölner Familien, der DuMonts und der Schüttes. Beide “Familienstämme” waren sich in herzlicher Abneigung verbunden, einig nur beim Geldverdienen. In der Zeitungskrise zeigte sich auch dieser Zwist als Grund für die Lähmung und Entscheidungsschwäche des Unternehmens. Weil der über 80-jährige Alfred Neven DuMont bis kurz vor seinem Ableben nicht geneigt war, die Führung des Hauses in jüngere Hände zu übergeben – aus Angst, die Schüttes könnten das Zepter übernehmen.

Viertens: Die Erben. Weder der gelernte Bankkaufmann Christian Schütte (der 2007 in der FAZ verkündete: “In zehn Jahren ist Google tot”) noch die Pferdejournalistin Isabella Neven DuMont sind in der Lage oder Willens, der Zeitungskrise die Stirn zu bieten. Aus Furcht, das Erbe könne gänzlich schwinden, vertrauten sie dem Verlagsmanager Christoph Bauer die Geschicke des Konzern an. Die drei verbindet das Desinteresse an der Publizistik und damit auch mangelndes Gefühl für den Zeitungsmarkt.

So wohnt dem Ende des DuMont-Imperiums auch die vage Hoffnung auf einen Neuanfang inne. “Was Besseres als den Tod findest du überall”, heißt es bei den Bremer Stadtmusikanten. Übersetzt auf das Schicksal der bedrohten Redaktionen: Schlimmer kann es nicht mehr werden. Kopf hoch, Kameraden!

 

Hans-Peter Buschheuer (66) war bis 2015 Chefredakteur bei DuMont, zunächst des Kölner Express (2001 bis 2003), danach des Berliner Kurier. Heute arbeitet er als selbstständiger Medienberater für NGOs wie “Sea-Eye”, “Space-Eye” und die Deutsche Umwelthilfe.

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Alle Kommentare

      1. Der Konstantin will nun den Bus scheuern. Mit unfreiwilliger Komik, auf die man direkt unter dem Gescheuer leider nicht hinweisen darf, weil in der Erwiderung – wie kommt’s? – die Kommentare abgeschaltet sind.

        “Auch Buschheuers These, dass mein verstorbener Vater Alfred die Geschicke Kölns nach Gutsherrenart bestimmt hätte, ist aberwitzig. Meistens war das Gegenteil richtig. In unzähligen Gesprächen hat er darüber geklagt, wie wenig Einfluss er trotz seiner Zeitungen in Wirklichkeit hätte. Seine Kommentare, in denen er sich kritisch mit der Stadt auseinandergesetzt hat, belegen das eindrucksvoll.”

        Mehr Bestätigung kann Herr Buschheuer gar nicht bekommen. Gutsherr Alfred klagt allein darüber, dass er nicht *genug* Einfluss hat. Und dass trotz seiner Position als GröBiz (Größter Besitzer aller Zeitungen) verblüffenderweise die Schergen nicht in jedem einzelnen Fall tun, was er ihnen gesagt bzw. geschrieben hat. Und dass er “unzählige Male” darüber klagt, belegt aufs Trefflichste den allumfassenden Anspruch des guten Herrn. Jetzt auch mit Zeugenaussage direkt aus dem engsten Familienkreis.

        Chapeau. Denn damit erweist auf einen Streich gleich noch eine weitere Buschheuer-These: des Junior-Herren Konstantins “bisweilen bizarres öffentliches Auftreten” und “sein Unvermögen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen”.

        Herr Buschheuer – Respekt.

  1. Welcher Journalist hat denn Ideen zur Abwendung der “Todesspirale” angemahnt? Immerhin war über 30Jahre Zeit in der IT-Entwicklung!

    Wer wurde kreativ, und hat sich aus der Angestellten-Position in die Wettbewerbssicht begeben? Soll das erst mit 70 geschehen? Oder sind
    die bloggenden Opas etwa Konkurrenz? Oder Open Innovation Partner?

    Bei DuMont denkt man offenbar weiter, als die auf Lokalkolorit und Familienfolkore geeichten journalistischen Ex-Mitarbeiter:

    Man erkennt ein Systemproblem:

    Mission Impossible: Das GAFA-TAB-ZERO-Szenario
    http://opennetwork.dumont.de/?p=1202

    Tatsächlich müssen sich alle Verleger und alle Mitarbeiter mit Open Innovation befassen, und sich aus alten (z.t. gewerkschaftlichen) Mustern lösen.

    Es gibt viele unausweichliche externe Faktoren, die die ökonomischen Kernprozesse von Zeitungen zerstören.

    Am Beispiel der Berliner Zeitung kann man das in Berlin bis in Einwohner-Gleichwerte nachverfolgen, wenn man Daten der sozialräumlichen
    Planungskoordination, Abo-Zahlen und erzielte Verluste je Abo auswertet:

    Berliner Ortsteil mit Innovationscluster:

    Lesefähige Bevölkerung 14-86 Jahre ca. 10.500 Personen
    – Demografische Schrumpfung in den nächsten 5 Jahren bis 25%
    +Ausgleich durch Zuzug mit hohen Anteil EU-Ausländern (englisch)
    + Zuzug und Neubauwachstum erst in 5 Jahren
    – Mietanstieg bis 10%
    – Zuzug von Flüchtlingen seit 2015 ca. 2.500

    Verluste je Abo 2017: ca. 6-8 € (weniger als 1.000 Abos vor Ort)

    Facebook-Erlöse aus Daten 16 €/Datensatz/Jahr (2016 ) x ca.2.500 =40.000
    Durchschnittliche PR-Ausgaben pro Bundesbürger ca. 600€/Einwohner
    = 6.300.000 € im Ortsteil.

    Bezirksamtspressestelle: ca. 80ct/Einwohner und Jahr = anteilig ca. 8.400

    Google-Ads und SEO-Ausgaben: > 3€/Einwohner/Jahr = ca. 30.000 + unbekannt

    Staatliche PR-Kampagnen: ca.4-6 €/Einwohner

    Ehrenamtsmittel (1-2 €/Einwohner und Jahr)

    Auskömmlicher Betrieb zu Selbstkosten einer Print-Zeitung
    ab 4-10 €/Einwohner/Monat (42.000 – 105.000 €).

    Fazit: Es ist genug Geld im Gesamtsystem vorhanden, jeden Tag, um Zeitungen zu finanzieren.

    Aber: die Middlemen in den PR-Agenturen verbrennen das Geld, ohne das adäquat Marketing-Budgets zur Presse fließen.
    Im Gegenteil: Facebook und Google und andere werden aus den 600 €/Einwohner/Jahr “unterstützt”.

    Radikaler Schritte sind notwendig, um Lokaljournalismus zu finanzieren!

    1. Presse-Mailpostfach wird ganz abgeschafft! Verhindert Preisbildung!

    2. PR-Agenturen und CSR-Abteilungen müssen sich bei Zeitungen akkreditieren.

    3. Politische Akteure müssen ein “Politiker-Abo” buchen. 10 Einsatzstunden
    eines Journalisten kosten 580 € Aufwandsentschädigung. Nur der Rahmen
    darf vorgegeben werden.

    4. Ankündigende Information ist Anzeige, Contentmarketing und kostenpflichtig.

    5. Journalistischer Aufwand muss mindestens nach VO Pr No.30/ 53 entgolten werden, plus 6% (bei fehlenden Wettbewerb = Preisregel der Rüstungsindustrie).

    6. Abteilungen für Corporate Communications ohne Budget für “Public Social Responsibilty” (=Anzeigenbudget) handeln auch nicht im Sinne zivilgesellschaftlicher Verantwortung.

    Merksatz:
    “Sturmgeschütze der Demokratie müssen mindestens wie Sturmgeschütze finanziert werden!” ( und Zeitungen wie Kampfsterne der Demokratie!)

    Ansonsten knacke ich noch das GAFA-TAB-ZERO-Szenario auf!

    Was ist, wenn Zeitungen digitale Marktplätze werden, die ein eigenes nur der
    Presse vorbehaltenes universelles, technologieoffenes Anzeigensystem bekommen?

  2. Bei der Hamburger Morgenpost sind die Gründe des Niedergangs aber eindeutig die inakzeptablen Inhalte des Blattes. Die links-grüne Redaktion hat quasi ein Blatt für sich selbst gemacht. Die Hamburger haben sich zu Tausenden abgewandt.

    Ich bin mir sicher, hätte DuMont vor 4 Jahren den Chefredakteur und 90 % der Redaktion ausgetaucht, die Mopo stände heute anders da.

    1. Ja nee, is klar. Vorzügliches strategisches Denken!

      So kennt man sie, die Hamburger: Lechzen nach gebetsmühlenartiker Stimmungsmache gegen Fremde und nach Beschimpfungen aller, deren Familien nicht schon seit 200 Jahren im selben Bergtal wohnen.

      Erstaunlich, dass Sie in Ihrem schon Internet haben.

  3. Schön beschrieben!

    Dekadenz und Degeneration ist das Problem unserer Zeit.

    Ob man einen Käufer findet ist fraglich, die Köln-Titel haben aufgrund des Monopols einen Restwert, aber wie hoch ist der noch.

    Die Auflageverluste der Zeitungen können sich in den nächsten Jahren noch weiter beschleunigen.

  4. Die restlichen Rezipienten werden nicht trauern, wenn sich die einseitigen Medien im maroden Merkel-Land weiter reduzieren. Deutungshoheit und Glaubwürdigkeit der Regierungssprachrohre sind ohnehin inzwischen im bürgerlichen Lager weitestgehend langfristig verloren.

    Und wenn die ideologische Traumtänzer und politisch korrekten Relotius- Sprachpanscher in den Redaktionen aus dem Milieu der Frankfurter Schule demnächst zunehmend auf den redlich verdienten finanziellen Hartz-Vier-Level angewiesen sein werden: Dann kommt – mit Verlaub – bei Beobachtern dieser Entwicklung nur noch klammheimliche Freude auf.

  5. Im Streit gegangen. Aus der Chefredaktion in die NGO-Beratung. Jetzt ordentlich nachtreten. Na ja…..
    Fakt ist: Es werden noch ganz viele folgen.

  6. 1. März 2024, Erdumlaufbahn, 36.000 km, geostationär über Raum Köln-Berlin

    Im der automatischen “Alfred-Neven-Dumont-Orbital-Newsroom-Station” wird eine neue “Geo-News”-Application in Betrieb genommen, die mit 192 Tochtersatelliten kommunizieren und tausenden Wetterstationen sowie 44 Erderkundungssatelliten kommunizieren kann.

    Die neue “Geo-News-Application” ist ein AI-Echtzeit-System mit einem Multi-neuronalen Netzwerk mit xGAN-Architektur (Multi-Generative Adverserial Networks), das Bilderkennung, Nachrichtenverarbeitung und Nachrichtenverbreitung und automatisches Content-Orchestring und Content-Syndication für weltweite Nachrichtenagenturen, Regierungen, SmartCities und SmartRegions übernimmt.

    Tausende Redaktionen weltweit sind konnektiert, beziehen und liefern Nachrichten, Daten, Bilder u.v.m..

    Ein System für Live-TV-Satellitenkommunikation mit TVlife-Sats und erdgebundenen 5G-Funk und Glasfaser-Verbindungen ist im Aufbau.

    Gewaltige finanzielle Ressourcen aus TV- und Rundfunkanstalten werden
    freigesetzt, weil Übertragungswagen und mobile TV- und Rundfunkstudios
    auf Mobilgeräteformat schrumpfen.

    Ein “NewsConnect-Anywhere-Standard” räumt weltweit Journalisten die
    Primärzugänge für Berichterstattung ein.

    Nur Pressemedien und Journalisten haben Primärzugang, ein weltumspannendes universelles Anzeigensystem ermöglicht frei gestaltbare wirtschaftliche Redaktionsprozesse in Print- und Digitalmedien.

    Das Konzept für die “”Alfred-Neven-Dumont-Orbital-Newsroom-Station” wurde von einem ehemaligen Insolvenzverwalter angestoßen, der statt einer Zerschlagung der Mediengruppe Dumont einen gemeinsamen weltumspannenden Börsengang der wichtigsten Zeitungskonzerne in allen demokratisch regierten Staaten vorgeschlagen hat.

    Mit einem Startup in London ist ein grandioser Turnaround in Gang gesetzt worden, der weltweit Zeitungen und Medienysteme völlig neu erfindet …

    Nachdem Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender, Axel Springer SE, auf einer BDVZ-Innovationskonferenz im Frühjahr 2019 in Berlin davon überzeugt werden konnte, dass Zeitungen nicht nur “wettbewerbsfähige Businessmodelle” sind, sondern komplexe Verlagsgeschäftsmodelle, mit synergetischen Wertschöpfungsmustern, die auch gesellschaftliche Verantwortung, Stabilität, soziale Marktwirtschaft, Prosperität und globale Wettbewerbsfähigkeit gewährleisten, trat er vom Amt des BDVZ-Präsidenten zurück.

    Im BDVZ wuchs die Auffassung heran, dass die immer weitergehende “digitale Zersplitterung” von volkswirtschaftlichen Wertschöpfungsmustern immer gewaltigere externe soziale Kosten, gravierende Produktivitäts-Paradoxa und immer schwieriger zu beherrschende “Datenwertschöpfungsprobleme” aufwirft.

    Ein humorvoll-lustiges Argument brachte die Wende:

    “Wenn wir so weiter machen, rennen die Menschen mit “Ziehharmonika-Falthandys” herum, öffnen täglich zweihundert Apps” und vergessen, was “öffentliche Information” und “Freiheit und Mündigkeit im Denken ist!”

    “Und sie wissen nicht mehr was sie tun, weil sie mehr als dreihundert Allgemeine Geschäftsbedingungen bestätigt haben, die nicht lesbar, verstehbar, harmonisierbar und konkludent sind!”, meinte ein Medienrechtsanwalt aus Köln.

    Ein regulierungspolitischer Vorschlag für eine weltweite Medien-Regulierungspolitik für “freiheitliche, faire, inklusive, marktwirtschaftliche digitale Medienpolitik” des “Arrogant Bastard Club of Disruptive & Syntegrative Thinkers” aus Berlin brachte eine Kulturwende:

    Das erfolgreiche Modell der deutschen Wirtschaftsverfassung und Wettbewerbsordnung wurde zur “Digitalen sozialen und inklusiven Marktwirtschaft 5.0” umformuliert, und den Regierungen und Regulierungsbehörden in Japan, Asean, insbesondere Indien und allen ehemaligen Commonwealth-Staaten sowie EU-Staaten vorgelegt.

    Problemanalyse und Erkenntnis:
    “Die wilde Wettbewerbsökonomie der Digitalisierung führt zu einem exponentiellen Wachstum von Dysfunktionen, Produktivitätsparadoxa, Unregierbarkeit, Wähnen, Wüten, Meinen, individuellen Kontrollverlust und wirr-reaktiven Populismus.

    30 Jahre kalifornische IT-Entwicklung münden in “digitalen Totalitarismus”, mal als Datenkonzern des Bösen, mal als autokratischer Systemstaat.”

    Nach dem Ende des amerikanischen Jahrhunderts und digitaler Plattformmacht müssen die Demokratien auf Basis der UNESCO Toleranzkonvention die Zukunft gemeinsam und digital-syntegrativ gestalten!

    Gemeinsame Erkenntnis und Fantasie reiften …

    Japan brachte wichtige Teile des Konzepts von Society 5.0 ein, das
    eine allgemeine Mensch-Roboter-Kollaboration fördert.
    Indien bringt das Frugal Innovation Modell und die Standardisierung
    von Bezahlschnittstellen und Identitätssystemen ein.
    Deutschland und Großbritannien bringen multilinguale Systeme für
    amtliche Übersetzungen ein. EU-Staaten bringen ihre besten AI-Systeme
    und Medieninnovationen ein …

    Die gemeinsame Erkenntnis und Strategie leitet die Zusammenarbeit;

    “Ohne weltumspannende faire, weltoffene, multilinguale, interkulturelle und soziale marktwirtschaftliche Informations- und Medienordnung können Demokratien nicht weiter existieren.

    “Ohne inklusive und syntegrierende Öffentlichkeit, können weder Polis, noch Kommunen, noch Verbände noch Gemeinwesen existieren.

    Und ohne inklusive und syntegrierende Öffentlichkeit gibt es auch keine Journalisten mehr, sondern nur noch Influencer, Lobbyisten und Populisten …

    Und ohne das “Prinzip Zeitung” und “Kollaborative Dialogkommunikation”
    können Stadtgesellschaften, Regionen und Staaten nicht funktionieren …

    Die komplexen Filamente der Zivilisation sind verletztlich ….
    Freiheit, Sinn, Gemeinsinn, Synergien, Kultur, Kreativität und Prosperität hängen daran ….

  7. Wie wäre es denn mit einem türkischen Käufer der ausschließlich in türkisch publiziert? Türkisch, weil die Zeit für das Arabische noch nicht gekommen ist.

    Ich warte ausserdem auf die erste selbständige türkisch sprachige Medienanstalt bei der ARD. Das muß doch möglich sein. Auf was warten die?

  8. Herr Tichy heute wieder in Bestform:

    “…Im schönsten Managerkauderwelsch spricht man von „Handlungsoptionen“. Das ist Blabla wie die Vokabel „Verkauf“. Die Zeitungen werden nicht verschenkt. Wer sie nimmt, erhält Cash. Es ist eben wie bei einer richtigen Beerdigung; da verdient auch der Bestatter

    Die wirtschaftliche Realität steht in auffälligem Kontrast zur arroganten Selbsteinschätzung der Kaputtschreiber. Glücklich und klug ist, wer eine Tageszeitung rechtzeitig verkauft hat. Dumm dran ist, wer gekauft hat. Sie leben noch, diese Zeitungen, weil wegen des deutschen Arbeitsrechts die Abwicklung zu teuer ist. Jahrzehntelang Beschäftigte können nur mit extrem hohen Abfindungen entlassen werden. Deswegen scheitern derzeit Verkäufe. Niemand hat die Kohle für die Stilllegung von Druckzentren, Bürokratien und Redaktionen. Daher ist es ein Sterben auf Raten….”

  9. Die Boulevard-Zeitung muss als Medientypus quasi neu erfunden werden, und mit den Möglichkeiten von 5G mit localTV aufgewertet werden.

    Es geht aber nicht mit Thinking-out-of-the-Box Methoden der Beteiligten, insbesondere nicht mit den Journalisten-Kohorten der Buschheuers, Tichys und Relotius & Co..

    Gefragt sind disruptive und neue syntegrative Outside-the-box-looking-in-the-Box Methoden von externen Medienentwicklern und neue Technologien.

    In der Metaphernsprache der Journalisten:
    Statt Botox und Schönheitschirurgie müssen Entgiftung, Fitness und Vitaminkur und gesunde nahrhafte Inhaltsstoffe von innen Wirkung entfalten. Smarte digitale Exoskelett- und Sehhilfen müssen die Redaktionen und Medien “allsichtbar-tauglich” machen.

    Vor allem können mit vorhandenen Technologien innovative neue Vertriebslinien für Print aufgebaut werden, die nicht mehr “Zeitungsausträger” heißen.

    Das Zukunftsszenario wächst mit neuen revolutionären Möglichkeiten heran.

    Anstelle des Smartphones kommt ein “personal-SmartCity-Communicator” mit wahlweise aufsteckbaren Screen, der “personalisierbare anyScreen-Digitalprojektionen” und “anyWall-Opto-Digitalprojektionen” mit Sprach- und Gestensteuerung steuern kann, bzw. den Bildschirm in den Fahrerkonsolen von
    Fahrzeugen, Fernbussen, Bahnen und Flugzeugen.

    Vor allem mit “anyWall-Opto-Digitalprojektionen” können gewaltige Kosten und
    Elektronikschrott vermieden werden. Jede weiße Wand und jede dunkel hinterlegte Glaswand kann zur “Zeitung” werden.

    Die Sieger dieser Entwicklung stehen schon fest: sie warten nur noch auf flächendeckende 5G-Verfügbarkeit. Wer zuerst syntegriert, gewinnt!

    1. Ja, es fehlen die zukünftigen Flicker-Flacker-Framing-Projektoren, die die von der bilderbergischen UN-Weltregierung gesteuerten Buchstabengeneratoren und optischen Bildhalluzinatoren produzierten genderismuskonformen und politisch korrekten Medieninhalte – unter Nutzung der von China kontrollierten Huawei-5-G-Komponenten – gesponsort vom Multimilliardär und Merkelfreund George Soros, auf helle Hauswände und dunkel hinterlegten Glasscheiben publizieren: Diese Entwicklung wird den inzwischen bereits hinreichend verwahrlosten “Journalismus” der System-Maulhuren endgültig ruinieren. Doch bis dahin habe ich – hoffentlich – meine perspektivische Kremation längst hinter mir…

  10. “Pictures of Future auf Basis erkennbar vorhandener Technologien” und “wutgetränkte Verschwörungstheoreme” sind “Zweierlei”.

    Die Datenkonzerne werden bald ihren Peak erreichen, weil es unsinnig wird, Milliarden € aus Realökonomien in Data-Center abzusaugen, um “Marketing”
    zu veranstalten. Ab etwa 2021 kann jeder jeden “einladen” – und jeder Jedem Kredit geben.

    Dann wird Zvilisation “flat” & “shared”.

    Superreiche werden dann viele Nullen und Einsen haben, auf digitalen Konten, die keine Zinsen mehr bringen können.

    1. Für einen Journalismus, der sich gewinnbringend rechnet, sind – jenseits aller futuristischen Verbreitungskanäle – weiterhin allein die INHALTE des Publizierten entscheidend. Ideologisch fundierte Beschränkungen der Berichterstattung und unerträgliche Relativierungen der gesellschaftlichen Realitäten – jenseits der sinnlichen Alltagswahrnehmungen und Befindlichkeiten der zahlenden Rezipienten – erzeugen Aversionen gegen die Autoren und keine Abos. Auch Journalismus folgt halt marktwirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, die allein beim verachteten zwangsfinanzierten Staatsfunk der Frankfurter Schule von der politischen Kaste ausgehebelt wurden.

  11. We agree to agree!

    Ich denke die Zeit für Zeitungen und Medien in Citizenship reift heran!

    Das Problem des Journalismus vergrößert sich, weil in Komplexität und Echtzeit Realität erfaßt werden muss, und zugleich um Worte gerungen werden muss.

    Ich versuche es mit massiven experimentellen “Selbstdenken”, just gestärkt durch Sebastian Rödl: “Selbstbewußtsein & Objektivität”.

    Ich habe auch eine kackfreche Strategie, bei der sich Adam Smith & Willy Brandt gleichzeitig erfreuen können! …. anzeigio.de kommt!

    1. Jeder hat halt so seine Visionen. Meine Lebenserfahrung versichert mir allerdings, dass nur ein für die Medien irrelevanter Bruchteil der Bevölkerung – jenseits der eigenen Alltagsprobleme – sich mit den Thesen von Sebastian Rödl beschäftigen wird.

      Das neue analphabetische “Bildungsbürgertum”, das derzeit in den grünideologischen Schulen mit einer multilingualen Inkompetenz – ohne gemeinsame Sprache und Werte – aber mit Inklusion auf niedrigstem Bildungslevel ins Leben entlassen wird: Diese ständig wachsende intellektuelle Unterschicht fällt jedenfalls als Leser Ihres Lieblingsautors aus.

  12. “Entsprechend miserabel sind die Nutzerzahlen der Online-Auftritte der Kölner.”

    Sind Express.de und Mopo.de nicht ziemlich reichweitenstark?

  13. Rödl vermittelt zumindest Zuversicht, richtige Dinge zu tun, step by step, bis zur Roadmap, und sich nicht beirren zu lassen.

    Lohnend ist der Aufbau von Übersetzern und -diensten, um künftig “tri-lingual” arbeiten und publizieren zu können.

    Es wird helfen, dass sich “auch Deutsche” besser in die Welt und heimische Mitwelt integrieren können. In allen wichtigen internationalen Märkten entstehen “Unterzahl-Probleme” – bis hin zur “populistisch-reaktiven Verlust-Wut.”

    Es wird sicher mehr Verstehen, Respekt und interkulturelle Toleranz (im Sinne der UNESCO-Konvention) wachsen lassen (bitte nicht verwechseln mit Multi-Kulti- Integrationsstrategien).

    Gerade Journalisten müssen dazulernen, Interkultur & Kollaboration über Kulturgrenzen hinweg zu praktizieren.

    Zur Illustration, was das in Berlin bedeutet:
    https://www.bz-berlin.de/berlin/jeder-dritte-berliner-hat-einen-migrationshintergrund

    Mehrsprachiges Publizieren wird wohl Pflichtprogramm.
    Ich gebe auch keine Menschen von vornherein verloren, sondern sage mir, es ist nützlich Dinge zu tun, die alle Menschen brennend interessieren, die Neugier und Wissensdurst wecken.

    Zeitungsmacher müssen vielleicht viel besser aufpassen, ihre Werke nicht zu “Übersättigungsbeilagen” verkommen zu lassen.

  14. Die Süddeutsche Zeitung hat das Erfolgsrezept für eine strahlende Zukunft des Journalismus:

    “Der 65-Jährige wird aber weiterhin als Autor, Kolumnist und Kommentator an Bord bleiben. Unter Prantls Nachfolger Stefan Ulrich soll der Meinungsteil deutlich ausgebaut werden.”

    So ‘ne Meinung von Journalisten – das ist genau das, wonach die Leser und -innen lechzen. Gab’s bisher ja kaum oder nur in homöopathischen Dosen. Wer braucht noch Fakten, wenn er Meinungen haben kann? Und schön auch, dass uns die Meinung von Herrn Prantl auch in Zukunft nicht vorenthalten wird. Ich freu’ mich jetzt schon.

    1. In der Tat: Es gibt ja fast nur noch Artikel, in denen die Meinung (Neusprech: Haltung) des Autors bereits in der Schlagzeile erkennbar ist. Ich will Fakten kaufen. Die Meinung bilde ich mir dann selber – ohne betreutes Denken. Aber das begreifen sie halt nicht, die medialen Gesinnungstäter.

  15. Herr Buschheuer gehörte dann wohl zum Hofstaat von AND. Denn wenn, wie er schrieb, Kritiker nicht lange überlebten, muss er zu den Claqueuren gehört haben. Schließlich hat er viele Jahre an herausragender Position als Chefredakteur des Express und später Berliner Kurier gewirkt.

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