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Express, Stadt-Anzeiger, Morgenpost & Co: DuMont will sich laut Medienbericht von allen Zeitungen trennen

Verlagssitz in Köln, DuMont-CEO Christoph Bauer
Verlagssitz in Köln, DuMont-CEO Christoph Bauer © Fotos: DuMont

Regionalmedien, Druckereien und zentrale Services sowie Anzeigenblätter – von all dem möchte sich die DuMont Mediengruppe trennen. Dies berichtet der Branchendienst Horizont am Dienstagmorgen. Die Informationen beruhen auf Unterlagen der Goetzpartners Corporate Finance GmbH in München, die von potenziellen Interessenten "unverbindliche Angebote" einholen möchte.

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Von dem Schritt sind laut Horizont-Bericht alle Regionalmedien der DuMont Mediengruppe betroffen. Dazu zählen der Kölner Stadt-Anzeiger, der Kölner Express, die Berliner Zeitung, der Berliner Kurier sowie die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und die Hamburger Morgenpost. Aber auch die Druckereien, zentralen Services und die Anzeigenblätter sollen verkauft werden.

Eine DuMont-Sprecherin teilte zwar mit, dass man sich zu Gerüchten grundsätzlich nicht äußere, allerdings beruft sich Horizont auf Unterlagen, mit denen DuMont die Goetzpartners Corporate Finance GmbH beauftragt hat. Daraus gehe allerdings nicht hervor, welchen Preis sich die Gesellschafter von dem Verkauf der Regionaltitel erhoffen. Goetzpartners soll darin potenzielle Interessenten auffordern, “ein unverbindliches Angebot zu übermitteln und darüber hinaus auch die Einzelposten zu bewerten”. Daher sei es auch möglich, dass die Mediengruppe einzelne Zeitungen verkaufen könnte.

Zwei Geschäftsfelder blieben übrig

Besonders pikant: Anfang 2019 hatte Christoph Bauer, CEO der Mediengruppe, davon gesprochen, dass bereits zahlreiche Projekte des Programm “Perspektive Wachstum” erfolgreich abgeschlossen seien. Paid Content, strategische Allianzen und die weitere Digitalisierung waren Anfang 2019 als nächste Ziele genannt worden. Die Unterlagen zum Verkauf der Regionalblätter seien zu dem Zeitpunkt bereits verschickt worden.

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Bereits Ende November 2018 hatte die Belegschaft in einem Schreiben von Bauer einen Einblick in die Neuausrichtung des Hauses erhalten (MEEDIA berichtete). Der damals angekündigte Führungsumbau hatte auch das Ziel, die „Strategie von DuMont voranzutreiben und gleichzeitig in den regionalen Märkten weitere Entwicklungschancen und Möglichkeiten der Diversifikation zu nutzen“. Zum Zukunftsprogramm zählen die drei Säulen Regionalmedien, Marketing Technology und Business Information.

Sollte die DuMont Mediengruppe den Verkauf über die Bühne bringen, blieben zwei Geschäftsfelder übrig: zum einen die Marketing Technology mit Beteiligungen an Facelift, Uplift und Censhare, zum anderen Business Information. Dazu zählt der Bundesanzeiger und das juristische Fachmedium Reguvis sowie der Datenservice Validatis.

tb

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Alle Kommentare

  1. Und die Arbeitnehmer, gleich ob in der Druckerei, in der Redaktion, in der Logistik oder in der Zustellung: Sie stehen “mal wieder im Regen”. Da kann man nur noch k…

  2. wohin die Reise geht, war bereits vor zwei Jahren deutlich zu erkennen, als Dumont den Berliner Verlag dicht gemacht, Newsroom gegründet und sich so von einem großen Teil der Belegschaft getrennt hat.

  3. Das kann nur als “orchestrierter Grundbruch” in der Medienlandschaft bezeichnet werden:

    Die zur Axel Springer SE zählende Immowelt Group fahrt seit Wochen eine Kampagne für kostenlose Immobilienanzeigen auf “Immo, Immo, Immowelt” …

    … zieht damit einen weiteren Stecker aus dem Zeitungsgeschäft …

    … Mathias Döpfner verkündet dazu aktuell auf Horizont:

    “”Lieber Insolvenzen von Zeitungen als der subventionierte Verlust ihrer Unabhängigkeit” …

    … und Dumont das Geschäftsmodell “Zeitungen” radikal nach der Keese-Doktrin

    “Disrupt Yourself” canceln.

    Zeit des Krise kulminiert, berechenbar mit Gemeinkostenwirtschaftlichkeits-Analysen:

    – der demografische Rückgang der deutschsprachigen Lesebevölkerung,
    – Mehrsprachigkeit und Trend zu oral-kulturalen Gemeinschaften
    – immersive und soziale Medien
    – Selbstkuratierung und Fokussierung
    – Schwund der Lesefähigkeiten, Distant Reading
    – Produktivitäts-Paradoxa
    – das Verletzlichkeitsparadox im Datenschutz
    – das Verletzlichkeitsparadox im Vertrauensschutz (aufgrund Tracking)
    – systemare Gemeinkosten und Aufwandskosten der Recherche
    – und Entkoppelung bisher systemarer Medienökonomien
    – fehlende Zahlungsbereitschaft und -fähigkeit
    – PR-Filter und CSR-Filter
    – u.a.

    … sorgen für den Zusammenbruch der bisher “Zeitungsökonomien”.

    Gleichwohl beginnt die Zeit radikaler Neuerfindungen ….

  4. Eine durchaus absehbare Entwicklung und wohl der Startschuss für die Umstrukturierung der Presselandschaft in Deutschland.
    Seit dem Werbetreibende mit Anzeigen über Google mehr Augen erreichen als mit Print, dürfte ein Streamlining des Personals nötig werden um die hohen Verluste zu minimieren und zumindest noch ein paar Jahre kostendeckend am Markt zu bleiben. Eventuell gibt es bis dahin weitere steuerliche Anpassungen zugunsten der Verlage.

    Das Hauptproblem in diesem Jahr sind nach wie vor die hohen Ausgaben herrkömmlicher Zeitungen, die um ein Vielfaches größer sind als die von freien Journalisten, die in Blogs ihre Pressererzeugnisse vertreiben und über Spenden und Merch finanziert werden.

    1. “Streamlining des Personals” – Sie haben ja geschmackvolle Begriffe. Sind Sie eigentlich auch “Personal”? Oder eher “Streamlinerin”?

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