Partner von:
Anzeige

“In Redaktionen sind Frauen meist für weiche Themen zuständig” – Romina Stawowy über die erste Frauen-Medienkonferenz femMit

Romina Stawowy organisiert in Leipzig die erste femMit-Medienkonferenz
Romina Stawowy organisiert in Leipzig die erste femMit-Medienkonferenz ©Amac Garbe/ Montage: MEEDIA

Am 12. und 13. April findet in Leipzig erstmals die femMit Konferenz statt, eine Medienkonferenz, die sich speziell an Frauen richtet und für einen höheren Frauenanteil in Medien und Politik eintritt. Vorträge gibt es u.a. von MDR-Intendantin Karola Wille, Maria Furtwängler oder auch Bild am Sonntag Chefin Marion Horn. MEEDIA hat der Organisatorin Romina Stawowy Fragen gestellt, was Besucher bei der ersten femMit erwarten dürfen.

Anzeige

Im April wird in Leipzig erstmals die femMit Konferenz über die Bühne gehen. Was für eine Idee steckt dahinter und was erwartet die Besucher?
Romina Stawowy: “Frauen brauchen Mut und Vorbilder.” Die Antwort bekam ich, als ich im vergangenen Jahr für unser Magazin Funkturm (Zeitschrift der Agentur Stawowy, deren Geschäftsführerin Romina Stawowy ist, Anm.d.Red.) eine Umfrage unter Bundespolitikerinnen durchführte. Ich hatte gefragt, was passieren muss, damit mehr Frauen in die Politik gehen. Aus vielen Gesprächen weiß ich: Für die Medien gilt das genauso. Es entstand dann die Idee, diesen Mut mit einer Konferenz zu verstärken, auf dem viele Vorbilder auftreten und eine Vernetzung stattfinden kann. Auf dem Programm stehen an zwei Tagen jede Menge hochkarätige Panels, Workshops und Vernetzungsmöglichkeiten – besonders, aber nicht nur für Frauen. Um ein paar der Panel-Gäste zu nennen: MDR-Intendantin Prof. Karola Wille, Maria Furtwängler, die Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung Dorothee Bär, BamS Chefredakteurin Marion Horn, die Chefredakteurin von ze.tt, Marieke Reimann, die Programmchefin von MDR Aktuell, Jana Hahn, der Hamburger Wahlbeobachter Martin Fuchs, die Chefredakteurin von Edition F, Teresa Bücker, oder die Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl der Grünen in Bayern, Katharina Schulze.

Welches Highlight gibt es im Programm?
Ich finde die Diskussionsrunden an beiden Tagen extrem spannend. Ob es die Frage nach der Veränderung des Frauenbildes in den Medien ist oder am zweiten Tag das Panel zu Frauen in der Politik. Wichtig ist mir, dass auf den Panels und in den Workshops ganz praktisch an der Frage gearbeitet wird, was wir tun können, damit sich die eklatante Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Macht verändert. Mir ist in den letzten Wochen so oft zu diesem tollen Lineup gratuliert worden. Da gab es übrigens kaum jemand, bei dem ich betteln musste. Nur bei den Männern war es etwas schwieriger. Zehn angefragt und einer hat zugesagt, bei den Frauen war es genau andersrum. Aber ich möchte auch Männer dabei haben. Geschlechtergerechtigkeit geht nur gemeinsam. Das gilt für die Panels wie auch die Teilnehmenden – Männer sind herzlich eingeladen zur Konferenz zu kommen!

Motto der Konferenz ist “Stereotype – Denken in Schubladen”. Welche Stereotype sind am hartnäckigsten, was Frauen in der Medienbranche betrifft?
Das härteste und gängigste Klischee ist sicherlich nach wie vor, dass Frauen grundsätzlich immer noch die Kompetenz abgesprochen wird: Kann die das überhaupt? In den Redaktionen sind Frauen immer noch überwiegend für die „weichen“ Themen zuständig: Beauty, Lifestyle, Promis, Klatsch und Tratsch. Die harten Themen wie Politik und Wirtschaft sind nach wie vor im Wesentlichen männlich dominiert. Wenn Frauen Karriere machen wollen, stoßen sie an die sogenannte gläserne Decke: Über eine bestimmte Stelle der Karriereleiter geht es gewöhnlich nicht hinaus – da gibts dann halt oft einen Mann, der das macht, egal ob er nun wirklich besser war. Um da Änderungen zu erreichen, ist es wichtig, unser eigenes Denken und Handeln zu hinterfragen – Rollenbilder haben wir alle im Kopf. Es geht generell nicht darum, Männern die Schuld zuzuschieben, da nehmen sich die Geschlechter nämlich nicht viel. Auch wir Frauen müssen unser Handeln hinterfragen. Wir sollten uns mehr zutrauen und vielleicht das ein oder andere mal einfach machen. Oftmals bremsen wir uns selbst mit dem Satz “Kann ich das überhaupt?” Ich denke: Ja, wir können!

Haben es Frauen in Medienberufen schwerer als Männer?
Meiner Meinung nach sind Frauen grundsätzlich aufgrund der vielen Klischees, Erwartungshaltungen und oftmals Doppelbelastung durch Kinder und Haushalt schlechter gestellt als der Mann – auch in Medienberufen. Wenn sie sich als Frau vornehmen, Karriere zu machen und gleichzeitig Kinder zu bekommen, müssen sie eine wahnsinnige Leistung vollbringen. Flexibilität ist da durchaus schwierig, wenn man nicht den passenden Rückhalt hat. Frauen müssen sich meist um einiges mehr beweisen als Männer – und, wie gesagt: Das ist keine Anklage an das männliche Geschlecht. Es gibt das berühmte Orchester-Beispiel aus Amerika: Erst als das Vorspielen hinter Vorhang und mit Teppich – wegen der Absätze! – stattfand, waren auf einmal wesentlich mehr Frauen im Orchester. Insofern: Ja, Frauen haben es schwerer.

Anzeige

Hat die #metoo Debatte auch etwas in der Medienwelt bewegt?
Na klar, durch das Benennen von Missständen wird sensibilisiert, das Denken verändert und es kommt Bewegung in die Sache. Ich glaube, dass die ganzen Gespräche rund um #metoo auch dazu beigetragen haben, generell über die Rolle der Frau zu sprechen.

Der Verein ProQuote setzt sich für mehr Frauen in Führungspositionen im Mediensektor ein. Wie weit sind wir da bisher gekommen, wo gibt es den größten Nachholbedarf?
Ich finde es super, dass es Initiativen wie ProQuote gibt, nur so bleibt das Thema sichtbar und so wird immer wieder auf Missstände hingewiesen. Dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, zeigt die Auszählung von ProQuote aus dem Jahr 2016 zu den Chefredakteuren bei Regionalzeitungen: 95 Prozent Männer und 82 Prozent männliche Stellvertreter.

Auf welchen Programmpunkt freust Du Dich persönlich ganz besonders?
Ich freue mich riesig auf die Eröffnung. Wenn ich sehe, was ich im letzten halben Jahr erreicht habe. Ich habe keine riesige Institution hinter mir, die mich auffängt. Ein neues Format aufzubauen ist unglaublich schwer. Mit einem Vertrauensvorschuss kann man nicht überall rechnen und meiner Erfahrung nach leider erst recht nicht, wenn ich als junge Frau bei einem Mann nach Unterstützung frage.

Romina Stawowy, 36 Jahre, ist Geschäftsführerin der Agentur Stawowy in Dresden. Die auf Medien- und Politikkommunikation spezialisierte Agentur berät seit 2008 Kunden aus Politik und Wirtschaft. Zuvor arbeitete sie als Anzeigen- und Verlagsleiterin von Prinz Dresden und war Marketing- und Theaterleiterin des Rundkinos in Dresden. Die Fragen an Romina Stawowy wurden via E-Mail gestellt.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia