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Bestechung im Fall “Wirecard”? Unbekannte sollen Journalisten Millionen für schlechte Presse geboten haben

FT-Redakteur Dan McCrum berichtete über den vermeintlichen Wirecard-Skandal
FT-Redakteur Dan McCrum berichtete über den vermeintlichen Wirecard-Skandal

Neue Wendung im seit Wochen andauernden Wirbel um das Dax-Unternehmen Wirecard: Wie die Süddeutsche Zeitung erfahren haben will, boten Unbekannte Journalisten offenbar Millionenbeträge für schlechte Berichterstattung über den Münchner Zahlungsdienstleister.

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Zudem hätte “mindestens eine Person” angeboten, negative Berichte zu verhindern, falls Wirecard einen hohen Geldbetrag zahlen würde. Der Finanzdienstleister hat diese Informationen zusammen mit weiteren Belegen über mögliche gezielte Leerverkäufe wohl vor rund zwei Wochen an die Staatsanwaltschaft München weitergeleitet. Die Ermittler stehen in Kontakt mit der Bundes-Finanzaufsicht (BaFin).

Am vergangenen Montag hatte die oberste Finanzaufsicht dann neue Spekulationen auf fallende Aktienkurse bei Wirecard einstweilen untersagt. Seitdem ist es verboten, neue Netto-Leerverkaufspositionen in Wirecard-Aktien “zu begründen oder bestehende Netto-Leerverkaufspositionen zu erhöhen”, teilte die Behörde mit. Leerverkäufer sind Spekulanten, die mit fallenden Kursen Geld verdienen. Insbesondere ab dem 1. Februar war laut der BaFin ein Anstieg von Leerverkäufen zu beobachten gewesen, die sich auch in den vergangenen Tagen weiterhin deutlich erhöht hätten. Am 30. Januar war der erste kritische Bericht über Wirecard in der Financial Times (FT) erschienen. Das Verbot gilt bis zum 18. April.

Staatsanwaltschaft München: mögliche Bestechungen nur “ein” Faktor

Die Staatsanwaltschaft hatte laut SZ diese Informationen als “ernstzunehmend” eingestuft und an die BaFin weitergegeben. Allerdings sei der Hinweis auf mögliche Bestechungen von Journalisten nur “ein” Faktor gewesen, den man bei der Entscheidung berücksichtigt habe. Ob an den Vorwürfen etwas dran ist, ermittelt nun die Münchner Staatsanwalt.

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Wirecard kommt seit Wochen nicht aus den Schlagzeilen. Seit Ende Januar veröffentlichte die FT mehrere Berichte zu möglichen Bilanzierungsverstößen sowie Geldwäsche in einer Wirecard-Niederlassung in Singapur. Insgesamt hatte Wirecard nach der Veröffentlichung der FT-Berichte zuletzt bis zu 40 Prozent seiner Marktkapitalisierung eingebüßt. Von 170 Euro in der Spitze war der Kurs der Aktie auf zuletzt unter 100 Euro gefallen. Die Glaubwürdigkeit des gehypten Payment-Dienstleisters ist angeschlagen. Zu den aktuellen Entwicklungen wollen sich die Münchner nicht äußern.

Viele Wirtschaftsjournalisten hatten sich in der vergangenen Woche erstaunt darüber gezeigt, dass die deutsche Finanzaufsicht die FT-Artikel in die Nähe der Marktmanipulation rückte, ohne konkret zu werden. In der Erklärung zum Leerverkaufs-Verbot für Wirecard-Aktie hieß es unter anderem: “Die Short Attacken wurden begleitet und begünstigt von negativen Berichterstattungen in den Medien.“ Auf Nachfrage von Finanz-Szene.de wollte man sich aber nicht dazu äußern, welche Medien damit gemeint sind.

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