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Wochenrückblick: Angst um “Saubershow-Image”? Böhmermann-Team wirft “Junge Freiheit”-Autor raus

Jan Böhmermann, Florian Silbereisen aka “Max Prage”, “Seafood and Security”
Jan Böhmermann, Florian Silbereisen aka "Max Prage", "Seafood and Security" © Foto: Sven Hoppe/arifoto UG/dpa-Zentralbild/dpa/Montage: MEEDIA

Die Redaktion von Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale" hat sich von einem "konservativen" Gag-Autoren getrennt, der beklagt sich nun bei der "Achse des Guten". Die Bild veranstaltete das heißeste Event zur Münchner Sicherheitskonferenz und der neue "Traumschiff"-Kapitän hat einen Namen mit Geschichte. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Kennen Sie Boris T. Kaiser? Der Mann hat Gags für die Jan-Böhmermann-Show “Neo Magazin Royale” geschrieben. Und er hat Artikel geschrieben, u.a. für die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit, das Blog Tichys Einblick und das Blog “Die Achse des Guten”. Tichy, Achse, Junge Freiheit, Böhmermann – hmm … wer passt denn da nicht in diese Reihe? Jetzt schreibt Kaiser jedenfalls keine Gags mehr für den “Böhmi”. Beim Blog “Die Achse des Guten” hat er kundgetan, dass er als Autor bei “Neo Magazin Royale” rausgeflogen ist. Begründung: Die btf GmbH, die die Show produziert, tausche in regelmäßigen Abständen Autoren aus, um “frischen Wind in die Gags zu bringen”.

Das stimme zwar, so Kaiser, eine Witzeschreiber-Demission erfolge aber seiner Erfahrung nach in der Regel, weil Autoren es mit Gags nicht zuverlässig in die Sendung schaffen. Vulgo: Sie sind nicht lustig genug. Dies sei bei ihm nicht der Fall gewesen, seine Gags hätten es regelmäßig in die Show geschafft. Über Böhmermann selbst verliert Kaiser kein böses Wort: “Menschlich hat er sich mir gegenüber immer sehr anständig verhalten.” Raus ist Kaiser jetzt trotzdem. Er mutmaßt, dass sein Rausschmiss mit der berühmten “Haltung” zu tun haben könnte: “Vielleicht hatte man einfach ein wenig Angst um das eigene politisch korrekte Saubershow-Image.” Immerhin sei er der “vermutlich einzige ‘konservative’ Autor in der ansonsten bekanntermaßen linken Produktion” gewesen.

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Weniger aus dem Rahmen gefallen wäre der Herr Kaiser womöglich bei diesem Event: Im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz bat die Bild zu “Seafood and Security” im Münchner Lokal “Chez Fritz”. Die Gästeliste: durchaus beeindruckend. US-Vizepräsident Mike Pence schaute vorbei, Präsidententochter Ivanka Trump, Daimler-Chef Zetsche, VW-Chef Diess, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Vizekanzler Olaf Scholz, Bayern-MP Markus Söder. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko machte ein Selfie mit den Köchen, der Springer CEO und sein Bild-Chef Julian Reichelt gefiel der Smalltalk mit US-Vize Pence, wie dem zum Artikel veröffentlichten Foto zu entnehmen ist. Gereicht wurden u.a. Leberwurst, Muscheln und “Helles aus geeisten Steinkrügen”. Ein ziemliches Top-Event. Immer wieder bemerkenswert, wie sich die hiesige Elite an Leute wie Ivanka Trump ranschmeißt, wenn sie dann mal live auftauchen.

Jede Wette: Wäre Trump selbst gekommen, wäre auch er umschwärmt worden. Dass die Wirtschaftsbosse und Politiker mit den Trump-Leuten schön tun müssen, mag man verständlich finden. Diplomatie, wirtschaftliche Interessen usw. Aber müssen sich Medienmenschen, Manager wie Journalisten, immer so sehr bei den Mächtigen ranwanzen? Das gilt übrigens nicht nur für die Bild und die Trump-Fraktion. Wann immer mächtige Leute auf einem Medien-Event auftauchen, ist da ein fast kindlicher Stolz und Eifer der Gastgeber zu spüren. Und hinterher werden sie dann wieder in Kommentaren verrissen.

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Es gibt auch noch Artikel, die sich mit wirklich relevanten Themen auseinandersetzen. Zum Beispiel mit der Namensfindung des neuen “Traumschiff”-Kapitäns Florian Silbereisen. Die FAZ ist der Frage nachgegangen, was es mit dem Rollennamen “Max Prage” auf sich hat (“positiver und zugleich bayerischer Klang”). Interessant, dass dem ZDF durch die Lappen ging, dass es in der Historie einen echten Kapitän Max Prage gab:

Prager, geboren 1854 in Stettin und gestorben 1910 in Wandsbek, stand als Kapitän des einstigen Rheindampfers „München“ dem Afrika-Forscher Hermann von Wissmann zur Seite, dem späteren Gouverneur Deutsch-Ostafrikas. In dem Wissmann gewidmeten Buch „Deutschlands größter Afrikaner“ aus dem Jahr 1907 heißt es, Prager habe mit seiner Überfahrt vom Rhein bis nach Bagamoyo im heutigen Tansania „ein seemännisches Meisterstück“ geleistet.

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Allerdings sind vom echten Max Prager auch ein paar unschöne Zitate überliefert. So soll er u.a. gesagt haben: „Der Neger kann es nicht recht einsehen, warum der weiße Mann in Betreff der Reinlichkeit so penibel ist und er so oft bei ertappter Unsauberkeit gescholten wird.“

Da hätte das ZDF den Rollennamen vielleicht doch mal googeln sollen.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” spreche ich diesmal mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt über die nicht enden wollende Aufregung um das ARD-Framing-Manual, es gibt ein Interview mit Gerhard Pfennig von der Initiative Urheberrecht zum Reizthema “Upload-Filter” und wir debattieren die unterschiedlichen Strategien von RTL Group und ProSiebenSat.1, wie sie mit dem digitalen Wandel umgehen. Viel Spaß beim Reinhören!

Korrekturhinweis: In einer früheren Version wurde der Name des rausgeworfenen Autoren beim “Neo Magazin Royale” fälschlicherweise mit Boris T. Richter angegeben. Er heißt aber Boris T. Kaiser. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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Alle Kommentare

  1. ” hat sich von einem Gag-Autoren getrennt”
    “der Name des rausgeworfenen Autoren”

    Wie ist der richtige Dativ/Genitiv von Autor?
    Vielleicht doch besser keinen Beruf mit Sprache ergreifen

  2. Prage, nicht Prager. Buchstabe wurscht? Klasse Berufsauffassung.
    Ist wie bei Auto und Autor. Einzige Gemeinsamkeit: beides Dreckschleudern.

  3. “Boris Trichter”? Ja nee, is klar.

    Wenn sich das mal nicht der “Moritz H. Ürtgen” ausgedacht hat …

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