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T-Online.de-Chef Florian Harms über seinen ersten Roman “Versuchung”: “Das Meiste habe ich im Urlaub geschrieben”

“Versuchung”: Florian Harms hat seinen Roman-Erstling veröffentlicht
"Versuchung": Florian Harms hat seinen Roman-Erstling veröffentlicht © Foto: Manu Harms Schlaf

Der ehemalige Spiegel Online und aktuelle T-Online.de-Chefredakteur Florian Harms hat mit "Versuchung" seinen ersten Roman veröffentlicht: eine wilde Geschichte um die Jagd nach "dem besten Geschmack" der Welt, in dem der Islamwissenschaftler Harms seinen Lesern die arabische Welt im Gewand einer Thriller-Handlung nahebringt. MEEDIA stellte ihm Fragen zu seinem Roman-Erstling.

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Sie haben mit “Versuchung” Ihren ersten Roman veröffentlicht – sind Sie als T-Online.de-Chefredakteur etwa nicht ausgelastet?
Im Gegenteil, ich bin Tag und Nacht für T-Online.de im Einsatz. Das Buch habe ich in den vergangenen Jahren geschrieben, meist im Urlaub. Das letzte Kapitel habe ich fertiggestellt, bevor ich meinen Job hier angetreten habe.

Worum geht es in dem Buch?
Zum einen um die Jagd auf den besten Geschmack der Welt. Dieser ist so intensiv, dass jeder, der von ihm kostet, sofort süchtig wird. Als ein Schweizer Lebensmittelkonzern zufällig in den Besitz des Aromas kommt, lockt das größte Geschäft aller Zeiten. Zum anderen entführe ich die Leserinnen und Leser in die schillernde Welt des Orients und beschreibe die Wurzeln von Konflikten zwischen Arabien und Europa. Vordergründig kann die Geschichte wie ein kulinarisch gewürzter Reisekrimi gelesen werden. Zugleich enthält sie aber weitere Ebenen. So kann der geheimnisvolle Geschmacksstoff als Metapher für das Erdöl verstanden werden, nach dem der Westen regelrecht süchtig ist, und der im Buch auftauchende Geheimorden als Metapher für islamisch-fundamentalistische Organisationen. Die Suche des Protagonisten nach seinem Vater ist zugleich eine Suche nach sich selbst. Je weiter er reist, desto tiefer dringt er in die orientalische Kultur ein, und desto stärker findet er zu sich selbst. In die Erzählung eingewoben sind die Lebensgeschichten von drei arabischen Protagonisten, die jeweils exemplarisch für eine zeitgeschichtliche Epoche stehen: ein begnadeter Koch im Marokko der sechziger Jahre, ein libyscher Hilfssoldat, der 1941 mit dem deutschen Afrikakorps kämpft, und eine Scharfschützin, die in den achtziger Jahren in den Abgrund des libanesischen Bürgerkriegs schlittert und aus Liebe zur Mörderin wird.

Warum ein Roman?
Weil ich diese Geschichte nur so erzählen konnte und die Belletristik Möglichkeiten bietet, die das journalistische Schreiben nicht umfassen kann und nicht umfassen darf.

Die Handlung klingt ungewöhnlich – wie kamen Sie auf die Verbindung mit Geschmack, Aromen, arabischem Essen und einer Thriller-Handlung?
Die arabische Welt wird hierzulande meist als Klischee wahrgenommen: entweder 1001 Nacht oder Terror und Gewalt. Ich habe nach einem Weg gesucht, möglichst viele Leserinnen und Leser für die Zwischentöne zu interessieren. Ich möchte ihnen zu zeigen, wie die Menschen im Orient leben, und dass dort eben nicht alles Schwarz oder Weiß ist, sondern sich die meisten Entwicklungen im Gegenteil sehr ambivalent darstellen. Zugleich hat es mir große Freude bereitet, in ansprechender Sprache eine spannende, unterhaltsame Geschichte zu erzählen.

Sie haben ja auch schon zusammen mit dem Fotografen Lutz Jäkel das Buch “Kulinarisches Arabien” herausgebracht – sind Sie da auf den Geschmack gekommen?
Ja, die Recherchen für “Kulinarisches Arabien” vor 16 Jahren waren der Anfangspunkt. Damals sind wir monatelang kreuz und quer durch Nordafrika und den Nahen Osten gereist, haben recherchiert, geschrieben und fotografiert. In den darauffolgenden Jahren kamen weitere Reisen hinzu. Das abenteuerlichste Menü haben wir tief unten in der libyschen Sahara verspeist, als unser Gastgeber vor unseren Augen ein Lamm für uns schächtete. Messer und Gabel gab es natürlich nicht; die weiteren Details erspare ich Ihnen.

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Was war das Schwierige am Roman-Schreiben – verglichen mit dem Journalismus?
Es ist ganz anders. Schwerer und leichter zugleich. Beim journalistischen Schreiben hält man sich eisern an Fakten fest und versucht, die Ereignisse präzise und ausgewogen wiederzugeben und einzuordnen. Jedes Hinzudichten verbietet sich. Beim belletristischen Schreiben kann man dagegen seiner Fantasie freien Lauf lassen, Personen und Ereignisse als Metaphern für gesellschaftliche und politische Entwicklungen erschaffen. Zugleich ist es wichtig, einen Spannungsbogen aufzubauen und die Geschichte rasant weiterzutreiben. Man darf sich nicht verzetteln.

Schon Ideen für weitere Romane im Kopf?
Ja, aber ich komme nur im Urlaub dazu. Lassen Sie sich überraschen.

Florian Harms’ Roman “Versuchung” ist u.a. bei Amazon und Hugendubel zum Preis von 20 Euro erhältlich.

Die Fragen wurden via E-Mail gestellt.

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