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Warum ein 16-jähriger Schüler die Washington Post auf 250 Millionen Dollar verklagt

Die Washington Post berichtete über das Aufeinandertreffen eines Trump-Anhängers mit einem Ureinwohner – verdreht aber Tatsachen
Die Washington Post berichtete über das Aufeinandertreffen eines Trump-Anhängers mit einem Ureinwohner – verdreht aber Tatsachen ©Screenshot: washingtonpost.com/ Picture Alliance/ Montage: MEEDIA

Die Washington Post berichtete über angebliche Provokationen eines Trump-freundlichen Schülers gegen einen Ureinwohner Amerikas. Im Nachhinein stellte sich heraus: Die Geschichte war verdreht. Nicht der Schüler, sondern eine Gruppe der Sekte Schwarzer Hebräer haben die Schikane begonnen. Nun fordert die Familie des Teenagers Schadenersatz von der Zeitung: 250 Millionen US-Dollar.

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Im Januar gingen die Bilder um die Welt: Ein weißer Jugendlicher mit einer “Make America Great Again”-Mütze stellt sich vermeintlich einem amerikanischen Ureinwohner in den Weg. Während der Mann seine Trommel schlägt und dabei singt, grinst ihn der Junge ins Gesicht. Um ihn herum wird geklatscht und gejohlt. Die Stimmung wirkt angespannt.

Die Szene ereignete sich am Lincoln-Denkmal in der US-Hauptstadt Washington, wo die Schüler-Gruppe gerade auf einen Bus wartete. Medienberichte zu einem kurzen Video, das die Szene zeigte, erweckten den Eindruck, der Teenager würde den Ureinwohner provozieren und sich über ihn lustig machen.

In Wahrheit spielte sich vor der gezeigten Szene jedoch genau das Gegenteil ab, wie weitere Videos von dem Tag offenlegten: Nicht der Schüler, sondern schwarze Aktivisten, Angehörige der Sekte der Schwarzen Hebräer, begannen mit den Provokationen. Gezielt sprach der Wortführer dieser Gruppe einzelne Teenager an. Er beschimpfte sie als Rassisten oder Schwuchteln. Die Schüler antworteten mit Gelächter, blieben jedoch weitgehend ruhig. Erst in dieser Situation tauchte der Ureinwohner mit seiner Trommel aus dem Video auf. Er stellte sich laut trommelnd vor die Schüler, die bis dato kaum auf die Provokationen der Sekte reagiert hatte.

Juristisches Nachspiel für die Post

Der Junge aus dem viralen Video hat sich dem Ureinwohner also nicht provozierend in den Weg gestellt und ihn schon gar nicht verhöhnt. Der Ureinwohner ist im Gegensatz zur Darstellung einiger Medien sogar auf ihn zugelaufen, während der Schüler ihn lediglich lächelnd anstarrte. Auch die Aggressionen gingen nicht von den Teenagern aus, sondern von den Schwarzen Hebräern – ganz anders, als es Medien zunächst meldeten, als erstes die Washington Post.

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Für das Traditionsblatt könnte dieser Irrtum nun ein teures Nachspiel haben. Wie das Blatt selbst vermeldet, will die Familie des 16-Jährigen Schülers die Zeitung wegen Verleumdung verklagen. Die Post habe “grundlegende journalistische Standards ignoriert”, um ihre “voreingenommene Agenda gegen Trump weiter zu betreiben”, heißt es in dem Schreiben der fünf Anwälte, die die Familie beauftragt hat.

“Planen entschlossene Verteidigung”

Die aufgerufene Schadenssumme beträgt 250 Millionen Dollar – die gleiche Summe, die Bezos 2013 beim Kauf der Washington Post bezahlt hat. Der Zusammenhang der Klage zu dem Kaufbetrag wird aus dem Schreiben allerdings nicht deutlich. Auch der Erfolg der Klage ist derzeit nicht absehbar. Eine Sprecherin der Zeitung sagte lediglich: “Wir prüfen eine Kopie der Klage und planen eine entschlossene Verteidigung.”

Gut möglich also, dass es in diesem Fall alsbald weitere Kuriositäten geben wird.

(rt)

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Alle Kommentare

  1. Jemand wehrt sich gegen Fake News, versucht seinen Ruf wiederherzustellen, und MEEDIA nennt das “Kuriosität”. Aha, sehr passend, in der Tat…

  2. Wie war das mit der angeblichen Erpressung des Boulevard-Blattes und der von Bezos vermuteten Kampagne Trumps dahinter? Das passiert, wenn sich der reichste Mann der Welt eine Zeitung kauft, um selbst Politik zu machen. Da es gegen Trump ging, sind auch hiesige Medien bereitwillig aufgesprungen.

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