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Vier-Tage-Woche-Experiment beweist: Arbeitnehmer sind viel produktiver als Kollegen mit Fünf-Tage-Woche

Mehr Kreativität im Team: nur ein positiver Effekt der Vier-Tage-Woche
Mehr Kreativität im Team: nur ein positiver Effekt der Vier-Tage-Woche ©unsplash/rawpixel

Mehr Produktivität, dafür weniger Stress und ein erhöhtes Engagement der Mitarbeiter: Das passiert, wenn man der gesamten Belegschaft einen Tag pro Woche schenkt – bei gleichem Gehalt. Stimmt nicht? Und ob! Forscher haben es in einer groß angelegten Studie bestätigt.

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Es ist ein Experiment, das viel unternehmerischen Mut erforderte: Perpetual Guardian hat in einem groß angelegten Test die Arbeitswoche seiner 240 Angestellten von fünf auf vier Tage verkürzt. Im vergangenen Jahr bekamen die Mitarbeiter des neuseeländischen Finanzdienstleistungsunternehmens zwei Monate lang einen Tag “geschenkt”. Viel wichtiger noch: Die Bezahlung blieb gleich.

Mehr Produktivität trotz weniger Stress

Die Studie wurde von Wissenschaftlern der University of Auckland begleitet und ausgewertet. Sie hatten bereits 2017 Umfragen unter den Mitarbeitern durchgeführt, auf deren Basis sie Veränderungen in der Belegschaft in den Bereichen “Führung”, “Stimulation”, “Empowerment” und “Engagement” festmachen konnten.

Tatsächlich haben sich im Rahmen des groß angelegten Tests alle Werte positiv entwickelt. Die größten Steigerungen waren bei Engagement und Empowerment zu verzeichnen. Der Stress der Mitarbeiter sank von 45% auf 38%. Die Werte für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stiegen von 54% auf 78%. Der Output blieb gleich. Was erst einmal ernüchternd klingt, bedeutet letzten Endes ein Produktivitäts-Plus von 20 Prozent. Denn was die Belegschaft zuvor in fünf Tagen erledigte, schaffte man nun in vier Tagen.

Andere Unternehmen wollen nachziehen

Das Projekt findet bereits Nachahmer: Das britische Förderinstitut “Wellcome Trust” will für seine 800 Mitarbeiter eine Vier-Tage-Woche etablieren. Perpetual Guardian bekam nach eigenen Angaben bereits mehr als 350 Anfragen zur Studie aus 28 Ländern. Die meisten stammen aus Großbritannien, gefolgt von Australien, den USA und Deutschland.

© Perpetual Guardian

Bei Perpetual Guardian führten im Vorfeld der Studie die Teamleiter mit jedem einzelnen Mitarbeiter Gespräche darüber, wie ein individueller Plan aussehen kann, um die Produktivität aufrechtzuerhalten und sogar noch zu verbessern. “Wir wurden wie Erwachsene behandelt, und ich denke, als Folge davon verhalten sich alle wie Erwachsene”, erklärt Tammy Barker, eine Filialleiterin, gegenüber dem Guardian.

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Ein direkter Effekt, den Probanden gehäuft nannten, war ein stärkerer Fokus auf die erledigenden Aufgaben bis zu deren Abarbeitung. So hätten die Mitarbeiter schlussendlich mehr geschafft, als im Laufe eines Arbeitstages bzw. der Arbeitswoche alle To-Dos miteinander zu verknüpfen. Die Konzentration der Arbeitsleistung auf weniger Tage hätte zudem dazu geführt, dass die Angestellten ihre Tätigkeiten bzw. den Workflow dahinter stärker hinterfragten. “Gleichzeitig fühlte ich mich bei der Arbeit nicht mehr gestresst, wahrscheinlich weil ich mich wirklich auf die anstehenden Aufgaben konzentrierte und weil ich den zusätzlichen freien Tag hatte, um die erhöhte Arbeitsrate auszugleichen”, so Barker.

Teams waren kreativer und kundenfreundlicher

Und wofür nutzten die Arbeitnehmer das Plus an Freizeit? Erwartbarerweise für Netflix und Sport. Doch laut Jarrod Haar, Professor für Human Resources an der Technischen Universität Auckland, nannte die Belegschaft auch etwa “Zeit mit den Eltern zu verbringen” und “dringend benötigte Zeit mit dem Erlernen neuer Fähigkeiten zu verbringen”. Oder aber einfach “das Haus an einem Mittwoch zu reinigen und dann das Wochenende frei zu haben”.

Zudem hätten Manager berichtet, “dass ihre Teams nach dem Prozess kreativer waren.” Vor allem hätten ihre Mitarbeiter einen besseren Kundenservice abgeliefert: “Sie waren engagierter und konzentrierter, als Kunden und Kunden anriefen.” Abgesehen von einem höheren Wohlbefinden hätten die Kollegen in Teams besser zusammengearbeitet und fühlten der Umfrage zufolge, dass ihr Job eine größere Bedeutung hatte. Daraus resultierend seien auch weniger Angestellte gewillt, sich andernorts einen neuen Job zu suchen.

Alles zu schön, um wahr zu sein?

Auch die britische Labour-Partei befasst sich mit dem Thema und gab bereits eine Studie in Auftrag. Erste vorläufige Erkenntnis: Die Implementierung ist komplex und nicht für jede Branche gleichermaßen anwendbar – etwa im Einzelhandel, bei dem physische Präsenz ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist. Neben den Neuseeländern scheinen auch die Briten der Frage nachzugehen, inwieweit etwa Menschen in Pflegeberufen oder bei der Polizei ihre Arbeitszeit verkürzen könnten, ohne den öffentlichen Dienst zu beeinträchtigen. Denn in England hat sich die durchschnittliche Arbeitszeit seit der Finanzkrise erhöht.

Ein Knackpunkt scheint wohl auch die Unternehmensgröße zu sein: So hätten kleinere Firmen, die mit der Vier-Tage-Woche experimentieren, laut dem Guardian festgestellt, dass die Leistung mit wachsender Begeisterung über das Projekt zunahm, bevor sie nach einigen Wochen leicht zurückging. Andrew Barnes, Gründer und Geschäftsführer von Perpetual Guardian, ist dennoch überzeugt von der Vier-Tage-Woche: “Wir müssen mehr Unternehmen dazu bringen, es zu versuchen. Sie werden überrascht sein von der Verbesserung in ihrem Unternehmen, ihren Mitarbeitern und in ihrer weiteren Gemeinschaft.”

Die Vier-Tage-Woche bietet er seinen Angestellten deswegen nun optional an. Nur wer will, kann auch länger arbeiten. Trotzdem sei man weiter auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, die Produktivität der Belegschaft zu erhöhen.

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