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Erste Frau nach acht Männern im Topjob: ZDF-Journalistin Yvette Gerner soll neue Intendantin von Radio Bremen werden

Vom Rundfunkrat gewählt: Yvette Gerner wird am 1. August 2019 Nachfolgerin von Jan Metzger bei Radio Bremen
Vom Rundfunkrat gewählt: Yvette Gerner wird am 1. August 2019 Nachfolgerin von Jan Metzger bei Radio Bremen © ZDF/Rico Rossival / Montage: MEEDIA

Fast fünf Monate dauerte die Suche - jetzt ist klar, wer die Nachfolge des scheidenden Radio-Bremen-Intendanten Jan Metzger antreten soll: Die Findungskommission des RB-Rundfunkrats hat sich einstimmig auf die ZDF-Journalistin Yvette Gerner geeinigt. Falls der Rundfunkrat am 5. März dieser Empfehlung folgt, wird die kleinste ARD-Anstalt ab 1. August erstmals von einer Frau geleitet - nach acht männlichen Intendanten seit 1946.

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Von Eckhard Stengel

Die 51-jährige Yvette Gerner ist seit 2010 Chefin vom Dienst in der ZDF-Chefredaktion. Auch Amtsinhaber Jan Metzger kam aus Mainz an die Weser: Er war Redaktionsleiter beim „heute journal“, bevor er 2009 sein Amt in Bremen antrat. 2013 wurde er wiedergewählt, und auch für eine dritte Amtszeit hätte er wohl die nötige Mehrheit im Rundfunkrat gefunden. Doch mit 63 Jahren wolle er sich lieber „anderen Dingen zuwenden“, wie er im September 2018 mitteilte.

Der Rundfunkrat, also das Aufsichtsgremium des Senders, setzte damals sogleich eine Findungskommission ein, bestehend aus neun Mitgliedern des Rundfunk- und des Verwaltungsrats. 22 Bewerbungen hatte die Kommission zu sichten; vier Männer und vier Frauen kamen in die engere Wahl. Am Dienstag verkündete das Gremium dann sein Ergebnis: Yvette Gerner soll es werden.

Gerner wurde 1967 in Ludwigshafen geboren und machte ihr Abitur in Speyer. Sie studierte Politik, Germanistik und Slawistik in Heidelberg und Bonn. Mit einer Dissertation über die EU und Russland erwarb sie 1997 den Doktortitel. Schon während ihres Studiums arbeitete sie frei für die Tageszeitung „Die Rheinpfalz“. Ihr Volontariat absolvierte sie beim ZDF, und dort stieg sie auch mehrmals auf: zur stellvertretenden Leiterin des Auslandsjournals, zur Chefin vom Dienst (CvD) der Hauptredaktion Außenpolitik, wo sie zuständig für Sondersendungen und Personalfragen war, und schließlich zur CvD in der Chefredaktion.

Was nicht in ihrer Vita auf der ZDF-Homepage steht: 2002 kandidierte sie als SPD-Mitglied für das Amt der Oberbürgermeisterin von Speyer. Mit 40 Prozent der Stimmen unterlag sie dem Amtsinhaber von der CDU. 2016 wurde sie von der SPD Speyer für 25 Jahre Parteimitgliedschaft geehrt.

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Auch der scheidende Amtsinhaber Metzger hat ein bisschen SPD-Stallgeruch, denn er stammt aus einer alten sozialdemokratischen Familie: Sein Vater Günther Metzger war OB in Darmstadt. Sohn Jan legte allerdings Wert darauf, parteilos zu sein. Denn Journalisten sollten keiner Partei angehören, wie er bereits 2009 sagte. In dem Punkt sei er „altmodisch“.

Beim ZDF ist Gerner bisher „mit der strategischen Ausrichtung der Direktion ebenso befasst wie mit der Planung des Programmangebots, insbesondere bei Sondersituationen und herausragenden Ereignissen, wie z.B. Wahlen“, schreibt Radio Bremen über die künftige Chefin. Der Rundfunkratsvorsitzende Klaus Sondergeld nennt sie eine „hoch kompetente Frau“. Sie sei eine „leidenschaftliche Journalistin“, die den Beruf von der Pike auf gelernt habe. Sondergeld weiter: „Als eine ihrer Stärken gilt ihre strategische Kompetenz, gepaart sowohl mit großer Teamorientierung als auch mit Entscheidungsfreude und der Bereitschaft – wenn notwendig – auch einmal Konflikte durchzustehen. Plattformübergreifendes Planen und Arbeiten ist für sie eng mit einer Arbeitskultur verbunden, die auf Gleichberechtigung, Diversität und Offenheit für Veränderung beruht.“

Laut RB war Gerner in den vergangenen Jahren auch mit dem Aufbau und der Weiterentwicklung des Online-Angebots des ZDF befasst. Sie sei Beauftragte des Senders beim ARD/ZDF-Jugendangebot „funk“. Außerdem sei sie vertraut mit  „Koordinations-, Planungs- und Sonderaufgaben an der Schnittstelle zwischen Journalismus, Organisation und Produktion“.

Ihr Amt soll sie am 1. August antreten. Dass der Rundfunkrat auf seiner Wahl-Sondersitzung am 5. März gegen die einstimmige Empfehlung der Findungskommission votiert, ist nicht zu erwarten.

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Alle Kommentare

  1. jaja diese “Findungskomissionen”. Massengeschmack hat da schon mal recherchiert und berichtet.
    Viel mit finden ist da nicht.

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