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Champions League wieder im Free-TV? Das steckt hinter der Forderung von Bayern-Boss Rummenigge

Übertragungsrechte um die Champions League
Übertragungsrechte um die Champions League ©Foto: dpa/ Montage: MEEDIA

Deutschland brauche ab 2021 wieder "mindestens ein Livespiel, idealerweise ein Topspiel, im Free-TV". Der Vorstoß von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge zur Rückkehr der Champions League ins Free-TV kam Mitte der Woche überraschend. Während Fans gutheißen dürften, reagierte vor allem der Rechteinhaber Sky irritiert.

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“Die jeweiligen Rechteinhaber sind verantwortlich für die Ausschreibung und die angebotenen Pakete. Die Ausschreibung der UEFA war – auf starken Druck der Spitzenklubs – eindeutig: Das meiste Geld gewinnt – ohne Wenn und Aber. Sky das Ergebnis jetzt vorzuwerfen und die Voraussetzungen dafür selbst geschaffen zu haben, ist abwegig.”

So entgegnete Sky-Manager Jacques Raynaud gegenüber der Bild (Paid Content) dem Vorschlag von FC-Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Bayern profitiert am stärksten von der aktuellen Situation

Dieser hatte am Mittwoch gefordert: “Champions League muss zurück ins Free-TV“, und dies unter anderem mit dem Wunsch der Fans begründet. Viel wichtiger in seinen Überlegungen dürften jedoch die Interessen der Sponsoren sein. Zwar sei das Pay-TV der größte Zahler in der Fernsehvermarktung, so Rummenigge, “Sponsoring-Verträge sind in der Champions League auch sehr gut dotiert”. Gegenüber der Sport Bild führte er aus: “Die werden aber bei einem Zuschauerrückgang von 84 Prozent in Deutschland nicht mehr ausreichend bedient.” Daher müsse der Mix aus Pay- und Free-TV stimmen, weil sonst die Gefahr bestehe, dass sich die Champions League einen Schaden beim Sponsoring zufügt.

Sein Appell: “Wir müssen bei der Uefa alles in die Waagschale legen, damit in Deutschland ab der nächsten Rechteperiode wieder mindestens ein Livespiel, idealerweise ein Topspiel, im Free-TV zu sehen ist.”

Überraschend kam der Vorstoß des Bayern-Bosses auch deshalb, weil der Rekordmeister sowohl bei den TV-Geld-Ausschüttungen der DFL als auch der Europäischen Fußball-Union (UEFA) mehr kassiert als jeder andere Bundesligaklub – das mit Abstand meiste Geld kommt dabei eben aus dem Bezahlbereich, vor allem von Sky. Allein für die Champions League wird der Wert des Medienpakets für den deutschen Markt auf 200 Millionen Euro pro Saison geschätzt – dies wäre eine Steigerung von rund 50 Prozent.

Davon profitiert am meisten der FC Bayern München, denn als Meister bekommt der Klub den größten Teil aus dem sogenannten Marktpool, wie die FAZ vorrechnet. Nach einem Schlüssel, der sich an den Einnahmen aus den jeweiligen Fernsehmärkten richtet, werden rund 292 Millionen Euro an alle Teilnehmer verteilt. Das Geld aus dem deutschen Markt wird zu 50 Prozent in gleichen Teilen an die vier Bundesligisten in der Königsklasse verteilt, von der anderen Hälfte bekommt Bayern wiederum 40 Prozent.

Königliche Quoten im ZDF

Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern nannte als Grund für seinen Vorstoß zudem die geringe Zuschauer-Resonanz bei Sky und DAZN. Beim ZDF, zuletzt sechs Jahre der deutsche Champions League Free-TV-Sender, liegen die Zahlen offen. Durchschnittswerte von mehr als sieben Millionen Zuschauern und Marktanteile von über 20 Prozent erreichte der Sender für die vergangene Saison mit 17 Spielen, in der der Rekordmeister auch die meiste Sendezeit (neun Live-Spiele) hatte. Dies hatte allerdings rein sportliche Gründe, da die beiden anderen deutschen Vereine, RB Leipzig und Borussia Dortmund, bereits in der Vorrunde ausgeschieden waren. Einer der Quoten-Höhepunkte aus Sicht des ZDF war das Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München, das im Mai 2013 fast 22 Millionen Zuschauer verfolgten.

Die öffentlich-rechtliche Anstalt musste aufgrund immens gestiegener Rechtekosten in den Verhandlungen für das aktuell laufende Paket aussteigen. Sky hatte 2017 die Ausstrahlungsrechte bei der UEFA erworben, die für sämtliche Spiele bis zur laufenden Saison 2021 gelten. Daraufhin hatte der Münchener Pay-TV-Sender die Rechte mit dem Bezahl-Streamingdienst DAZN aufgeteilt. Das ZDF habe ein sehr gutes Angebot abgegeben, kommentierte ZDF-Intendant Thomas Bellut, das damalige Verhandlungsergebnis. “Als beitragsfinanzierter Sender gab es dafür allerdings eine klar definierte Obergrenze.”

Zum aktuellen Vorschlag von Rummenigge wollte sich das ZDF auf Anfrage von MEEDIA nicht äußern.

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Kartellamt ermittelt wegen Kooperation

Erst im Oktober vergangenen Jahres gab das Bundeskartellamt bekannt, dass es ein Verfahren gegen Sky Deutschland und die Perform Group, zu dem der Dienst DAZN gehört, wegen Kooperation einleitet (MEEDIA berichtete). “Mit der laufenden Saison der Champions League hat sich für die Fernsehzuschauer in Deutschland einiges geändert. Sky und DAZN sind zwei der wichtigsten Anbieter von Premiumsport im Pay-TV”, wurde Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, in der Mitteilung seinerzeit zitiert.

“Wir untersuchen, wann und in welcher Form die Kooperation der beiden Unternehmen beschlossen wurde und ob die Zusammenarbeit den Wettbewerb im Interesse der Verbraucher gefördert oder beschränkt hat”, erläuterte Mundt. Da Sky der führende Pay-TV-Anbieter in Deutschland sei, unterliegt er “unter Umständen besonderen kartellrechtlichen Beschränkungen bei der Kooperation mit Wettbewerbern”, hieß es.

Die Bundesbehörde hatte angekündigt, zunächst die betroffenen Unternehmen sowie Marktteilnehmer hinsichtlich des exakten Verlaufs der Ausschreibung der Ausstrahlungsrechte zu befragen. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, so das Kartellamt auf Anfrage, sei unklar. Es handele sich auch weiter um ein laufendes Verfahren.

Unterstützung von weiteren Trainern und Direktoren

Unterdessen gab es diverse Reaktionen zu Rummenigges Vorschlag aus der Bundesliga. “Ich finde internationale Spiele haben eine nationale Relevanz”, sagte Fortuna Düsseldorfs Clubchef Robert Schäfer. “Die Regelung mit der Übertragung eines Spiels im Free-TV hat sich bewährt.” RB Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick teilt “grundsätzlich” die Forderung von Rummenigge. Allerdings müsse man ehrlich sein und dürfe nicht populistisch werden, sagte er am Donnerstag.

Schalke-Manager Christian Heidel erläuterte die komplizierte Lage der Zuschauer wie folgt: “Ich saß am Mittwoch vor dem Fernseher und wollte bei Sky das Dortmund-Spiel (gegen Tottenham Hotspur, Anm. d. Red.) schauen. Plötzlich wurde umgeschaltet auf Amsterdam gegen Madrid. Da habe ich eine Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass das ganze Spiel bei DAZN gezeigt wird. Wenn die wirtschaftlichen Vorstellungen mit dem Free-TV in Einklang zu bringen sind, dann wäre ich auch dafür.”

St.Pauli-Manager Andreas Rettig zeigte sich derweil irritiert: “Diese Überlegungen setzen aber auch eine Abkehr von der Zielsetzung voraus, immer höhere Umsätze erlösen zu wollen.” Sein Vorschlag: analog zu sozialverträglichen Ticketpreisen fürs Stadion, sollte es sozialverträgliche Pay-TV-Kosten geben.

tb/mit Material der dpa

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Alle Kommentare

  1. Immerhin steckt hinter Rummenigge das Grundgesetz samt Würstchenfabrikanten.
    Das wird sich die Championsleague doch wohl nicht entgehen lassen.

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