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National Geographic: Gruner + Jahr wird Lizenz für deutsche Ausgabe des Wissensmagazins nicht verlängern

Jens Schröder leitet bei Gruner + Jahr die deutsche Ausgabe von National Geographic
Jens Schröder leitet bei Gruner + Jahr die deutsche Ausgabe von National Geographic Archivbild/ Montage: MEEDIA

Seit fast 20 Jahren besitzt Gruner + Jahr die Lizenz für die deutschsprachige Ausgabe von National Geographic. Damit ist bald Schluss. Das Hamburger Verlagshaus wird die Lizenz zum Jahresende offenbar nicht mehr verlängern. Stattdessen könnte der Ausbau der eigenen Wissensmarken Geo und P.M. in den Vordergrund rücken. In der Vergangenheit hatte es wiederholt kartellrechtliche Bedenken gegeben.

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Update 15:13 Uhr: National Geographic hat mittlerweile auf Nachfrage reagiert. Das Statement haben wir entsprechend im Artikel ergänzt.

Zum 31. Dezember 2019 läuft die aktuelle Lizenz für die deutschsprachige Ausgabe von National Geographic aus. G+J hatte sie stets im fünfjahres Rhythmus beim US-Mutterkonzern erneuert. Doch nun ist eine Veröffentlichung des Kartellamtes nur so zu interpretieren, dass sich die Hamburger aktiv gegen eine Verlängerung entschieden.

Möglicherweise stand der Ausbau der eigenen Magazinmarken Geo und P.M. einer Erneuerung der Lizenz aus kartellrechtlicher Sicht im Weg. Das Bundeskartellamt eröffnete im Oktober ein Hauptprüfverfahren zu den Lizenzverlängerungen, auch weil es diesmal berücksichtigen musste, das andere Verlagshäuser die Lizenz erwerben konnten, heißt es auf Nachfrage. Im Januar zog Gruner + Jahr seinen Lizenzantrag jedoch überraschend zurück, wie auf der Seite des Kartellamts zu lesen ist. Den Grund dafür wollten die Kontrollbehörden zunächst nicht nennen, sie verwiesen bei einer diesbezüglichen Anfrage von MEEDIA auf das Unternehmen.

Das Hamburger Verlagshaus äußerte sich auf Nachfrage zu dem Vorgang nicht. So kann nur vermutet werden, dass die Hamburger mit gravierenden Problemen des Kartellamts im Zuge einer erneuten Lizenzverlängerung rechneten und einer Untersagung des Deals mit dem Rückzug zuvorkamen. Mit Geo und Peter Moosleitners Magazin (P.M.) hat G+J noch zwei weitere Wissensmagazine im Haus, die in Konkurrenz zu National Geographic stehen und die das Verlagshaus weiter ausbauen möchte.

Schon 1999 verweigerte das Kartellamt seine Zustimmung,  nur nach Beschwerde gab es grünes Licht für den Deal

Derartige Kartellbedenken sind an sich nicht neu. Bereits nach der erstmaligen Schließung des Lizenzvertrages zwischen der National Geographic Society, einem spanischen Buchverlag und dem Hamburger Verlag gab es Probleme mit der Kontrollbehörde. Das Kartellamt untersagte zunächst den 1999 geschlossenen Vertrag mit dem Argument, dass es sich dabei um einen anmeldepflichtigen Zusammenschluss handele. G+J würde durch die Lizenz seine ohnehin schon beherrschende Stellung bei den Wissensmagazinen auf 75 Prozent Marktanteil verstärken, hieß es damals. Erst der BGH hob die Entscheidung des Bundeskartellamts von 2004 auf Beschwerde des Unternehmens wieder auf: Bei dem Lizenzvertrag handle es sich nicht um einen Zusammenschluss, wie es das Kartellamt definierte. G+J durfte die deutsche Ausgabe der NG-Zeitschrift weiter verlegen.

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Mit der Abgabe der Lizenz käme G+J erneuten Problemen zuvor. Das würde allerdings auch bedeuten, dass die Zusammenarbeit des Verlags mit der National Geographic Society und dem Buch-Partner GeraNovaBruckman nach vielen Jahren enden würde. Weil das Verlagshaus die eigenen Titel ausbaut, kommt die Trennung auch nicht ganz ungelegen. Selbst Ableger des Lizenztitels, wie etwa das Reisemagazin National Geographic Traveler, stehen mit dem eigenen Geo-Portfolio mit Geo Saison in Konkurrenz. Wegen ihrer US-Abhängigkeit arbeitete die NG-Redaktion jedoch stets getrennt von den anderen Redaktionen des Hauses. Mit Jens Schröder teilt sich das Heft lediglich den Chefredakteur mit dem Eigentitel P.M.

Zuletzt ist die Abonnentenzahl des NG-Heftes laut IVW zwar stabil geblieben. Im vierten Quartal 2018 lag sie bei 72.248. Von 2017 bis Anfang 2018 sank sie jedoch um knapp 10.000 Abonnenten. Wie es mit den Mitarbeitern der deutschen NG-Redaktion weitergeht, die unmittelbar vom Lizenzverzicht betroffen sein werden, ist derzeit unklar.

Wer die Lizenz für die deutsche Ausgabe des Monatsmagazins erwirbt, ist noch nicht klar. Bis zum Ende dieses Jahres wird sich Gruner+Jahr noch um das Heft kümmern. Gegenüber MEEDIA teilte die US-Dachmarke auf Anfrage mit:

Seit über 130 Jahren steht National Geographic für Wissenschaft und Forschung und inspiriert Leser auf der ganzen Welt durch ausgezeichneten Journalismus und atemberaubende Fotografie. Unser preisgekröntes National Geographic Magazin erscheint seit 20 Jahren in Deutschland und bietet den Lesern Zugang zu atemberaubenden Geschichten aus der ganzen Welt sowie brillantem lokalen Journalismus. Im Zuge des aktuellen Lizenzvergabeverfahrens freut sich National Geographic auf den weiteren Erfolg dieses legendären Magazins in Deutschland im Jahr 2019 und darüber hinaus.

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