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Günther Jauch kritisiert ARD und ZDF: “Sie sind nicht so frei und unabhängig, wie man es sich vorstellen könnte”

Günther Jauch im Gespräch mit der Reporterfabrik
Günther Jauch im Gespräch mit der Reporterfabrik Foto: Reporterfabrik

Günther Jauch hat es vom Sportjournalisten zu einem der bekanntesten TV-Gesichter in der deutschen Medienlandschaft gebracht. In einem Beitrag für die Reporterfabrik spricht er über seinen Weg, äußerte sich über den Spagat zwischen den öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Welten und hält auch mit Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht zurück.

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2011 bekam Jauch einen der begehrtesten Sendeplätze im deutschen Fernsehen, talkte fortan sonntagabends nach dem “Tatort” über Politik und Weltgeschehen – vier Jahre lang, dann war Schluss. Obwohl die ARD den Moderator gerne weiter im Programm gehabt hätte. “Private und berufliche Gründe” hätten ihn zu dieser Entscheidung bewogen, sagte er damals. Heute, wiederum vier Jahre später, spricht Günther Jauch anders darüber.

“Ganz direkt gesagt: Es haben am Ende ganz einfach zu viele da rein geredet”, erklärte Günther Jauch im Gespräch mit der Reporterfabrik. “In meinem speziellen Fall war es einfach so: Ich bin, gerade wenn ich journalistisch tätig bin, gerne unabhängig. Mit der Unabhängigkeit war es irgendwann schwierig”, sagte er im Interview mit Moderatorin Maja Weber, ohne konkret zu werden.

 

Dafür holte der Moderator mit kritischem Blick auf die Öffentlich-rechtlichen weiter aus. Mit einem Schmunzeln erklärte er, ARD und ZDF dafür zu schätzen, “dass sie es sich eigentlich leisten können, sehr unabhängig zu sein.” Sie hätten durch die Beitragsfinanzierung “eigentlich beste Voraussetzungen, um Bildung, Unterrichtung und Unterhaltung nachzukommen”. Die beitragsfinanzierten Anstalten seien aber oft “in sich selbst gefangen”.

“Sie schauen zuweilen ängstlich nach links und rechts, sie haben Rundfunkräte, Verwaltungsräte, politische Parteien, manchmal eine Schere, die sich selbst im Kopf zusammengebastelt haben. Sie haben – wie überall sonst auch – Karrieristen, die zusehen, wie sie sich verhalten, damit sie in zwei Jahren diesen oder jenen Job bekommen.” Fazit: “Sie sind nicht so frei und unabhängig, wie man sie sich von der Konstruktion her vorstellen könnte.”

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Zum Gespräch war Jauch von der Reporterfabrik geladen, um über seinen Einstieg in den Journalismus und Karriereweg zu sprechen. Während er zunächst vom Sportjournalisten zu einem der bekanntesten TV-Gesichter der deutschen Medienlandschaft aufstieg, kannte er den Journalismus nicht nur von der produzierenden Seite. Mit wachsendem Bekanntsheitsgrad wurde auch Jauch zum Objekt der Berichterstattung – oftmals in so genannten Regenbogenblättern, gegen die der Moderator regelmäßig vorgeht.

Yellow-Press: “Schon hardcore, wenn man die als Kolleginnen und Kollegen ansehen soll”

Im Gespräch sagt er über Klatschjournalismus: “Alles, was im Yellow-Bereich herumläuft, kann man für meine Begriffe vergessen.” Es falle ihm schwer, von Klatschreportern als Journalisten zu sprechen, sagte er. “Die Berufsbezeichnung ist ja nicht geschützt. Das ist dann schon hardcore, wenn man die als Kolleginnen und Kollegen ansehen soll.”

Angesprochen auf seinen eigenen Medienkonsum äußerte er sich auch über die Bild-Zeitung, die er jeden Tag lese, “weil sie sehr oft schneller sind als die anderen, und zwar sowohl mit Geschichten, die nachher nicht so relevant sind oder auch nur in Teilen oder gar stimmen.” Er verglich Deutschlands größte Tageszeitung mit einer „Schrotflinte“, mit der “vergleichsweise viele Enten irgendwann auch wirklich zu Boden purzeln“.

Ein paar Tipps für Nachwuchsjournalisten gibt es in dem Tutorial, in dem Jauch die Fragen aus seinem Bewerbungsverfahren in den 70er Jahren an der Deutschen Journalistenschule  wiederholt, auch: So empfiehlt der Studienabbrecher beispielsweise, “erst einmal mal ein Studium abzuschließen.” Dabei sei fast egal, welches. Außer: “Von Kommunikationswissenschaften rate ich ein bisschen ab – finde ich sehr speziell, hilft einem oft nicht sehr viel weiter.”

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