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Apple News: Verlage sollen rund die Hälfte der Erlöse für geplanten Abo-Service abgeben

Mischt mit Apple News im Content-Geschäft mit: Apple-CEO Tim Cook
Mischt mit Apple News im Content-Geschäft mit: Apple-CEO Tim Cook

Apple verhandelt mit US-Medienhäusern laut einem Zeitungsbericht über ein neues Abo-Angebot, bei dem Inhalte verschiedener Anbieter für eine monatliche Gebühr zugänglich wären. Der iPhone-Konzern wolle bei diesem "Netflix für News" allerdings einen außergewöhnlich hohen Erlösanteil von etwa 50 Prozent behalten.

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Das berichtete das Wall Street Journal am späten Dienstagabend unter Berufung auf informierte Personen. Apple stoße auf Widerstand bei den Verlagshäusern. Sie seien zudem unzufrieden damit, dass sie nach Apples Plänen weder E-Mail-Adressen, noch Kreditkartennummern der Abonnenten bekommen würden, hieß es weiter.

Noch keine Einigung mit New York Times, Treffen mit Wall Street Journal wohl “produktiv”

Der Anteil der Medienunternehmen solle zwischen ihnen gemäß der Zeit, die Nutzer mit ihren Inhalten verbringen, aufgeteilt werden, berichtete das WSJ weiter. Apple habe in Gesprächen mit Verlegern einen monatlichen Preis von rund zehn Dollar genannt – auch wenn er sich noch ändern könne, hieß es.

Mit mehreren großen Medien wie der New York Times und der Washington Post gebe es noch keine Einigung. Beim Wall Street Journal selbst seien die jüngsten Verhandlungen mit Apple trotz Bedenken «produktiv» gewesen. Von Apple gab es zunächst keinen Kommentar zu dem Bericht.

“Ein beschissener Deal”

In der Branche scheint das Erlösmodell dagegen auf wenig Begeisterung zu stoßen: “Es ist ein beschissener Deal”, zitiert das Branchenblatt AdAge einen Verlagsleiter. Es wirke gierig, heißt es weiter. “Es fühlt sich wie ein Schlag ins Gesicht an, wenn man diese Zahlen hört”, sagt Jason Kint, CEO von Digital Content Next. “Es gibt erhebliche Bedenken, wie Plattformen dem Medien-Ökosystem die Luft zum Atmen nehmen.”

Wolfgang Blau, President von Condé Nast International und Interims-Deutschland-Chef, twitterte sarkastisch: “Apple liebt den Journalismus so sehr, dass sie Verlagshäusern einen Deal anbieten, der noch schlechter als der ist, den die Musikindustrie bekommen hat.”

Rückblende 2004: Apple führte vor 15 Jahren mit dem Launch des iTunes Stores bekanntlich ein Umsatzmodell ein, nach dem der Techpionier 30 Prozent der Erlöse für sich einbehält. Auch beim App Store kassiert Apple ähnlich viel (Abo-Dienste erhalten im zweiten Jahr gar 85 Prozent der Erlöse.)

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Techreporter Casey Newton (The Verge) stellte unterdessen fest: “Die Tatsache, dass Apple überhaupt mit der Forderung einer Umsatzbeteiligung von 50 Prozent an Verlage herantreten kann, ist so ein beunruhigendes Anzeichen für die Macht-Konzentration  der Techkonzerne in diesem Land.”

Vorstellung bereits Ende März?

Die Website Buzzfeed hatte berichtet, dass der Abo-Service für Nachrichteninhalte bei einem Apple-Event am 25. März vorgestellt werden könne. Über ein solches Angebot wird bereits seit einiger Zeit spekuliert. Apple kaufte vor knapp einem Jahr bereits die App Texture – hinter dem die Verlage Condé Nast, Hearst, Meredith, Rogers Media und der Private Equity-Finanzierer KKR standen – , die auf Abo-Basis Zugang zu diversen Magazinen gewährte.

Für eine monatliche Pauschale von 9,99 Dollar konnten Nutzer Time, Esquire, Vanity Fair, GQ, The New Yorker, Rolling Stone, Wired, People oder Elle und Vogue lesen. Apple will seinen Premium-News-Dienst auch um die Tagespresse aufwerten – und das mit den drei renommiertesten Zeitungen der USA.

Weiterer Erlösstrom oder Kannibalisierung eigener Abomodelle?

Beim Verkauf digitaler Inhalte wie Apps, Musik oder virtueller Güter in Spielen hat sich eine Umsatzaufteilung etabliert, bei der 70 Prozent an die Autoren und 30 Prozent an den Plattform-Betreiber gehen. Apple senkte vor einiger Zeit allerdings den Anteil bei Abo-Gebühren auf 15 Prozent nach dem ersten Jahr. Die Abgaben sorgten zum Beispiel dafür, dass Netflix im vergangenen Jahr damit aufhörte, seine Abos auch über die Apple-Plattform zu verkaufen.

Die Frage, die sich die Verlage nun stellen dürften: Lohnt sich der Schulterschluss mit Apple überhaupt? Bislang bieten die US-Qualitätszeitungen Digital-Abos zwischen 10 und 37 Dollar im Monat an. Im Falle einer pauschalen Integration in Apples neues Premium-News-Angebot erscheint eine Kannibalisierung gegenüber dem eigenständigen Digitalgeschäft nur allzu offenkundig. Auf der anderen Seite lockt Apple mit der immensen Reichweite von 1,3 Milliarden aktiven Kunden.

mit dpa

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