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Wie ein schwedischer Verlag mit Robo-Journalismus dauerhaft Digitalabonnenten gewinnt

Nur eines von vielen Erfolgsprodukten aus Schweden: Diesen Artikel hat ein Bot geschrieben
Nur eines von vielen Erfolgsprodukten aus Schweden: Diesen Artikel hat ein Bot geschrieben ©Screenshot: https://medium.com/ Montage: MEEDIA

Hilfe, die Roboter kommen: Die Angst vor dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist branchenübergreifend. Dass Bots auch im Journalismus bald eine Rolle spielen können, wird seit Jahren diskutiert. Kritiker halten die KI noch für zu unflexibel gegenüber Redakteuren aus Fleisch und Blut. Wie sinnvoll Bots im Lokaljournalismus sein können, stellt derzeit ein schwedische Medienuntermehmen unter Beweis.

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Über Roboterjournalismus diskutiert die Branche seit Jahren. Nachrichtenagenturen wie Bloomberg und Reuters experimentieren etwa bei Quartalsbilanzen mit dem Einsatz von Bots.

In anderen journalistischen Bereichen hat Künstliche Intelligenz bereits Einzug gehalten. MittMedia, eines der größten schwedischen Medienunternehmen mit mehreren Tageszeitungen, Druckereien und privaten Radiostationen, hat für seine Lokalzeitungen Ende 2017 den sogenannten “Homeowners Bot” gestartet. Er hat nur einen Zweck: lokale Informationen zum Immobilienmarkt zu sammeln und in Artikel zu verwandeln.

Das neue Roboter-Genre befriedigt offenbar einen höchst menschlichen Anreiz: Seit Menschengedenken möchte man nur allzu gerne wissen, wie die Nachbarn leben – und in Zeiten des unablässigen Immobilienbooms, wie viel sie für ihr Eigenheim bezahlt haben.

“Homeowners Bot” meistgelesene Artikel-Gattung der Premium-Nutzer

Genau dazu gibt der “Homeowners Bot” Auskunft: “In den Artikeln erfährt man, wer verkauft und gekauft hat – und natürlich zu welchem Preis”, erklärt Li LÉstrade, Head of Content Development bei MittMedia. Leser bekommen, je nach geografischem Interesse, eine Push-Benachrichtigung über einen Kauf oder Verkauf in der Nachbarschaft.

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Der ständige Vergleich mit dem Nachbarn ist offenbar auch in Schweden Volkssport: Wie LÉstrade nicht ohne ironischen Augenaufschlag berichtet, war der “Homeowners Bot” ein sofortiger Erfolg. “Es ist die meistgelesene Artikel-Gattung unserer Premium-Nutzer.”

Mit 34.000 Roboterartikeln zu 1000 neuen Abonnenten

Wie DigiDay berichtet, hat der “Homeowners Bot” seit dem Launch im September 2017 enorme 34.000 Artikel produziert – 480 pro Woche –, die maßgeblich zur Erschließung neuer Abonnenten beigetragen haben. Nach Angaben von DigiDay hat MittMedia durch Roboterjournalismus 1000 neue zahlungswillige Abonnenten gewonnen, die sich den Immobilienvoyeurismus 10 Euro im Monat kosten lassen.

“Ein wirklicher guter Robotertext kann weitreichenden Einfluss haben und eine größere Leserschaft erreichen als ein guter nachrichtlicher Artikel. Allerdings nur, wenn er die Leser interessiert”, entwirft LÉstrade ein Zukunftsszenario, das unter Journalisten wohl recht unterschiedlich aufgefasst werden dürfte.

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