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“Wer antritt, um die AfD zu verhindern, ist schon auf dem Holzweg”: Döpfner ist journalistischer Aktivismus “zuwider”

Sieht im Fall des Faktenfälschers Relotius etwas “Systemisches” beim Spiegel: Mathias Döpfner, Vorstandschef von Axel Springer
Sieht im Fall des Faktenfälschers Relotius etwas "Systemisches" beim Spiegel: Mathias Döpfner, Vorstandschef von Axel Springer

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hat sich erneut kritisch über die eigene Branche geäußert. In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung geht der 55-Jährige zudem mit der Eitelkeit der Berichterstatter ins Gericht. Viele Journalisten seien "getrieben" davon, bei Kollegen zu glänzen: "Man will der eigenen Crowd gefallen." Den Kardinalfehler sieht er im politisch motivierten "Aktivismus".

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Es ist bekannt, dass der CEO des Berliner Medienhauses ein Mann der klaren Worte ist. Immer wieder hat Döpfner, seit zwei Jahren auch Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, öffentlich Stellung bezogen – oft mit Positionen, die Verlagen und Redakteuren nicht gerade schmeicheln. In der Angepasstheit, dem Mainstreamdenken und der Mutlosigkeit hat der frühere Chefredakteur die wesentlichen Probleme der Medienkrise erkannt. Dieses Grundmotiv seiner Branchenkritik durchzieht auch sein jüngstes Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung.

Zum Thema Claas Relotius, dessen erlogene Geschichten Deutschlands führendes Nachrichtenmagazin erschütterten, sagt Döpfner: “Es ist mit Sicherheit kein Einzelfall (…). Das würde die Sache zu klein machen. Der Fall hat etwas Systemisches, das mit dem Spiegel zu tun hat.” Den Zusammenhang beschreibt er so:

Es geht auch um die Ideologie eines intellektuellen Milieus. Da sehe ich bei Relotius einen roten Faden: Die Texte sind oft amerikakritisch, wenn nicht antiamerikanisch. Und sie basieren auf dem Prinzip der Willkommenskultur: In einem Text von Relotius träumen Flüchtlingskinder von Angela Merkel – solche Dinge werden nicht per Zufall erfunden, sondern bedienen eine ideologische Erwartungshaltung. Relotius hat einen Sound und eine Haltung geliefert, die seine Chefs wollten und die die Jurys der Journalistenpreise toll finden.”

 

Im Streben nach Auszeichnungen sieht Döpfner eine Gefahr für das Selbstverständnis und die Unbefangenheit seines Berufsstandes: “Viele Journalisten sind getrieben davon, bei den Kollegen gut anzukommen. Sie verhalten sich damit zutiefst unjournalistisch.” Man wolle der “eigenen Crowd gefallen, und das führt zu Herdenverhalten, Mainstream-Denken, Konformismus in der journalistischen Darstellung und immer mehr auch zu Intoleranz gegenüber Freidenkern”.

Der Springer-Chef bezeichnet die Journalisten als “Wahrheitssucher, die die Wahrheit nicht kennen”. Jegliche vorgefasste Meinung bei Recherchen sei daher kontraproduktiv: “Wenn Journalisten von Aktivisten nicht mehr zu unterscheiden sind, dann können wir einpacken.” Er gehe, so Döpfner, “sogar so weit zu sagen, dass alles Aktivistische einem Journalisten zuwider sein muss”. Sein Credo:

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Es darf keinen intentionalen Journalismus geben, der darauf abzielt, die Welt nach dem eigenen Gusto zu verbessern. Wer antritt, um die AfD zu verhindern, ist schon auf dem Holzweg. Er wird damit vor allem eines erreichen: die AfD zu stärken.”

 

Auch eine interessante Anekdote aus seiner frühen Zeit bei Axel Springer gibt Döpfner im Gespräch mit den NZZ-Reakteuren preis. Als er in der Rolle des Welt-Chefredakteurs zu dem Medienhaus gestoßen sei, habe das Blatt als “Hort des reaktionären Denkens” gegolten. Um herauszufinden “wie die Redaktion wirklich tickt” habe er eine geheime Wahl abgehalten – mit einem auch für ihn “sehr überraschenden” Ergebnis: “Rot-Grün wäre nach dem Votum der Mitarbeiter zu einer absoluten Mehrheit gekommen. Etwas besser als bei der Bevölkerung schnitt bei uns die FDP ab. Die CDU dramatisch schlechter.”

 

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