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Wochenrückblick: die große Pay- und Abonnenten-Verwirrung bei Zeit Online

Funke Neubau, Hasnain Kazim, Jordan B. Peterson, Bild Politik
Funke Neubau, Hasnain Kazim, Jordan B. Peterson, Bild Politik © Fotos: imago/ Montage: MEEDIA

Diese Woche erschien die erste Ausgabe von Bild Politik testweise und man ist geneigt H. Grönemeyer zu zitieren: "Was soll das?" Außerdem in dieser MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne: Pay-Verwirrung bei Zeit Online mit einem Jordan Peterson-Interview, das letzte Kapital in der Palmer-Kazim-Saga und Balsam für geschundene Funke-Medienmanager-Seelen.

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Nu isses da: Bild Politik! Jenes fabulös gemeinte neue Print-Produkt aus dem Hause Axel S.. Erdacht von einer jungen Frau und eine nicht mehr ganz so jungen Mann, das irgendwie zwischen Economist und Bild Seite 2 changieren soll. Zunächst wird das erstaunliche dünne Hefterl in Hamburg und Lübeck testweise verkauft. Erste Eindrücke gibt es u.a. hier bei uns oder drüben bei Facebook von Franz Sommerfeld. Der schreibt:

Nicht „stern“ noch „Spiegel“ oder der dahin dämmernde „Focus“ sind Wettbewerber in der Konkurrenz um die verbleibende Leserzeit möglicher Kunden für neue Angebote, sondern die sozialen Netzwerke, Facebook vorne weg. Selma Stern hat zumindest einen Facebook Account. Blome bewegt sich nicht einmal in dem Markt, in dem sein größter Konkurrent arbeitet. Der sonst so weitsichtige Döpfner hat seinen Führungskräften mit der Aufforderung, sich von Facebook fernzuhalten, keinen guten Dienst erwiesen.

In der Tat ist es rätselhaft, warum und ob überhaupt jemand in der Branche oder auch bei Springer ernsthaft an einen möglichen Erfolg von Bild Politik glaubt. Warum machen die das? Vielleicht um zu zeigen, das man wenigstens irgendwas Neues halbscharig versucht? Ich weiß es auch nicht!

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In diesem Facebook, in dem man einen Nikolaus Blome vergeblich sucht, hat sich ein gewisser Tübinger Oberbürgermeister geradezu häuslich eingerichtet. Diese Woche stellte Boris Palmer – natürlich via Facebook – zehn längliche Fragen an Spiegel-Online-Mann Hasnain Kazim, mit dem er eine Woche lang das Facebook-Profil tauschte (näheres zu dem Experiment können Sie hier nachlesen). Kazim ließ sich nicht lumpen und hat Palmer ebenso ausführlich geantwortet. Palmer wiederum hat die Antworten brav auf seiner Seite veröffentlicht und sogar der Versuchung widerstanden, nochmal eigenen Senf dazuzugeben. So lange solche Diskussionen noch stattfinden, sind vielleicht doch noch nicht Hopfen und Malz verloren in diesem, unserem Internetz.

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Die Belegschaft der Funke Mediengruppe ist in Sachen Sparrunden Kummer gewohnt. Diese Woche gab es wieder einmal very bad news für Angestellte dort, denn Funke streicht Stellen in nicht gerade kleinem Umfang. Der DJV schäumt und spricht von “blinder Profitgier” und “konfusem und völlig überzogenen Aktionismus”. In der Horizont war zu lesen, dass Sorgen berechtigt waren und eine dreistellige Zahl von Stellen abgebaut werden soll. So etwas zu lesen macht den Managern vermutlich wenig Freude. Wenn sie ein bisschen Balsam brauchen, können die Funke-Bosse zu wuv.de surfen. Dort herrscht ein ganz anderer, ein sanfter Ton. Dort wird dem Funke-Management attestiert: “So geht digitale Transformation: Die Geschäftsführer Ove Saffe und Andreas Schoo fackeln nicht lange rum. Sie investieren, reduzieren und setzen auf digitale Geschäftsmodelle.” Jawoll! Die fackeln nicht rum! Lob gibt es auch für das neue Gebäude: “Überhaupt, der Austausch: Der wird im neuen Newsroom der WAZ im neuen Gebäude der Funke Mediengruppe im ersten Stockwerk schon gelebt. Arbeiteten die Redakteure bisher vor allem in verstaubt anmutenden Einzelzimmern, so tauschen sie sich jetzt agil aus.” Was die Frage aufwirft: Agil austauschen – wie geht denn das?

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Die Zeit ist ja bekannt für ihre super sophisticated Methoden, Online-Abonnenten zu ködern. Also: Es gibt die gedruckte Zeit und es gibt online Z+. Dort gibt es Inhalte, die nur für registrierte Nutzer zugänglich sind und solche, die nur für zahlende Nutzer zugänglich sind (und komplett freie Inhalte natürlich). Jetzt hat Zeit-Print-Vize und Online-Chef Jochen Wegner diese Woche ein wirklich sehr interessantes und amüsantes Interview mit dem kanadischen Professor und Publizisten Jordan B. Peterson (“12 Rules for Life”) veröffentlicht. Obwohl ich ein Abo der gedruckten Zeit habe (und kein Online Z+-Abo) konnte ich den Text gestern vormittag aber in voller Pracht gratis online lesen – noch bevor ich Gelegenheit hatte, zur gedruckten Zeit zu greifen. Dabei stand der Hinweis, dass eine kürzere Version des Interviews auch in der Print-Zeit zu finden sei. Das hat mich als zahlenden Print-Abonnent schon leicht verstimmt. Wofür zahl ich denn, wenn jeder den Kram online umsonst und sogar noch ausführlicher lesen kann? Aber halt! Nach einer kurzen Weile verschwand das Interview auch bei Zeit Online hinter der Bezahlschranke. Zeit Online macht das nämlich super raffiniert: Klickvieh wird durch frei zugängliche Artikel angelockt und wenn der Kram fleißig geteilt wurde und die Leute angefixt sind und den Content abgrasen wollen: Zack! Bezahlschranke! Das hat nun aber auch zur Folge, das von dem Interview online zwei verschiedene kostenpflichtige Versionen existieren: die gekürzte aus der Print-Ausgabe und die längere Z+-Version. Gratis-Lesen konnte man das Interview aber trotzdem für eine gewisse Zeit und es gibt auch die Unsitte, Print-Inhalte schon nach relativ kurzer Zeit komplett frei zugänglich zu machen, was den Abonnenten wieder vor die Frage stellt: Wofür zahlen? Ich versteh ja den Sinn dahinter und bewundere auch die technische Brillanz der Ausführung. Als Print-Abonnent fühle ich mich aber doch ein ganz kleines bisschen vergackeiert. Liegt aber höchstvermutlich an mir.

Schönes Wochenende!

PS: Unser Podcast “Die Medien-Woche” pausiert diese Woche, da Kollege und Mit-Podcaster Christian Meier in Urlaub ist. Nächste Woche gibt es dann eine neue Folge!

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