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Dritter Bericht schickt Aktie erneut auf Talfahrt: Wirecard will Financial Times verklagen

“FT”-Redakteur Dan McCrum berichtete über den vermeintlichen Wirecard-Skandal
"FT"-Redakteur Dan McCrum berichtete über den vermeintlichen Wirecard-Skandal

Der angeschlagene Zahlungsdienstleister geht in die Offensive: Nach einem mehrtägigen Aktienbeben beim Dax-Neuling will Wirecard gegen die Financial Times juristisch vorgehen. Seit dem ersten Artikel der Wirtschaftszeitung hat das Finanzunternehmen bereits acht Milliarden Euro Börsenwert eingebüßt.

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Am Donnerstag verlor das Papier an der Frankfurter Börse mehr als zehn Prozent, nachdem der dritte Bericht erschienen war. Die Glaubwürdigkeit des gehypten Payment-Dienstleisters ist angeschlagen: Daran scheint auch die Münchner Staatsanwaltschaft nichts zu ändern. Die Ermittler sehen keine Hinweise auf kriminelle Kursmanipulation durch die Konzernspitze. “Wir haben keinen ausreichenden Anfangsverdacht, um ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Wirecard einzuleiten”, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst am Donnerstag in München. Der Wirecard-Vorstand hatte sich selbst an die Staatsanwaltschaft München gewandt.

Acht Milliarden Euro in zwei Wochen verbrannt

Doch nur wenig später geriet die Wirecard-Aktie an der Frankfurter Börse erneut unter massiven Beschuss mutmaßlicher Spekulanten. Die Financial Times hat mittlerweile drei Berichte mit dem Vorwurf krimineller Kontomanipulationen und Dokumentfälschungen gegen einen Wirecard-Mitarbeiter in Singapur veröffentlicht.

Bereits in der Vorwoche war das Papier nach zwei Exklusiv-Stories der Financial Times erst um bis zu 20 Prozent, dann in der Spitze um bis zu 30 Prozent gefallen. Inzwischen hat das Unternehmen, das erst seit September im Dax notiert, an der Börse rund acht Milliarden Euro an Wert eingebüßt.

Staatsanwaltschaft und Bafin prüfen mögliche Kursmanipulation

Konkret behauptet die FT in Berichten, dass Wirecard Scheinumsätze mit verschobenen Geldern vorgenommen hätte. Der Zahlungsdienstleister bestreitet das: “Nichts an dem heute erschienenen Bericht ist wahr”, hieß es in einer Pressemitteilung der Münchner. Zudem will das Unternehmen das Wirtschaftsblatt verklagen. “Wir werden gegen die ,Financial Times’ rechtlich vorgehen”, erklärt eine Sprecherin gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Angeblich wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Mitarbeitern, die in den Berichten namentlich genannt wurden.

Zudem hat Wirecard bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen möglicher Kursmanipulation gestellt. Die Behörde arbeite eng mit der Finanzaufsicht Bafin zusammen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst. Derart große Kursschwankungen wie in den vergangenen zwei Wochen sind bei Dax-Unternehmen sehr ungewöhnlich. Auch die Finanzaufsicht Bafin prüft, ob es sich um eine gezielte Attacke von Spekulanten handelte. Beide Behörden sind nun im Austausch.

Journalist und Wirecard haben Vorgeschichte
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Zudem widerspricht Wirecard der FT-Berichterstattung bislang vehement.  De facto weist das Finanzunternehmen den Vorwurf zurück, wonach es entsprechende Verstöße überhaupt gegeben habe. Dabei nennt das Unternehmen den für die Enthüllungen verantwortlichen FT-Autor sogar beim Namen:

Wir widersprechen der Berichterstattung von Dan McCrum ausdrücklich.

Tatsächlich haben McDrum und Wirecard eine Vorgeschichte. Für das FT-Blog “Alphaville” griff der Journalist im Jahr 2016 eine negative Studie von Zatarra Research, einer bis dato völlig unbekannten Research-Firma, auf. Die Wirecard-Aktie verlor in Folge rund ein Viertel ihres Wertes. Wie sich herausstellte, war man einer Fälschung aufgesessen. Die Staatsanwaltschaft München stellte fest, dass es sich bei der vermeintlichen Studie um einen Fall gezielter Marktmanipulation handelte, mit dem Ziel, der Wirecard-Aktie nachweislich zu schaden. Bereits zuvor hatte sich die FT in der Reihe “House of Wirecard” kritisch mit den Bilanzen des Unternehmens auseinandergesetzt.

FT: Wirecard-Vorstände sollen von Vorgängen gewusst haben

Auf das deutliche Dementi von Wirecard reagiert die FT jedoch ebenso entschlossen: “Wir stehen zu unserer Berichterstattung”, hieß es auf Anfrage gegenüber MEEDIA. In einem Artikel von Montagmorgen mit dem Titel “Wirecard veröffentlicht Untersuchung von Bilanzvorwürfen” zitiert das Blatt unter anderem einen Sprecher der Singapurer Polizei, wonach die Behörden “die Angelegenheit” untersuchen würden.

In einem neuen Bericht lieferte die Zeitung nun weitere Details um Betrugsvorwürfe und den Verdacht der Geldwäsche gegen eine Wirecard-Tochter in Singapur. Demnach hätte der für Asien zuständige Wirecard-Finanzchef konkret sechs Kollegen in Singapur gezeigt, wie man die eigenen Bücher manipulieren könne, um die Hongkonger Behörden davon zu überzeugen, Wirecard eine Lizenz zu erteilen. Dazu hätte man in einem sogenannten “Zahlungskarussell” Umsätze mit Kunden vorgegaukelt. Ferner hätte diese Praktik auch das Ziel gehabt,  interne Ertragsvorgaben zu erfüllen, berichtet McCrum. Aus Dokumenten, die der Zeitung vorlägen, gehe außerdem hervor, dass zwei Führungskräfte in Deutschland von der Praxis “zumindest etwas Kenntnis” hatten.

In Folge war die Aktie im Tagesverlauf von knapp 130 Euro in der Spitze auf auf 106 Euro gefallen. Am Freitagmorgen konnte sich das Papier leicht erholen und notiert bei 114 Euro. Noch Ende Januar notierte die Wirecard-Aktie bei rund 167 Euro. Ein Minus von knapp 32 Prozent.

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