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Aus Angst vor Stellenabbau: Digitalmedium Vice gründet Betriebsrat in Deutschland

Das Logo von Vice
Das Logo von Vice © VICE

Vice Media ist dabei, einen deutschen Betriebsrat zu gründen. Die Chefredakteur von Vice, Noisey und Motherboard haben mitunterzeichnet. Zuletzt hatte der US-Mutterkonzern tiefe Einschnitte verkündet. Die Angst vor einem Stellenabbau geht nun auch in den internationalen Dependancen des Digitalmediums um.

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Wie Horizont berichtet, hat ein Fünftel der mittlerweile 150-köpfigen Vice-Belegschaft am Standort Berlin eine Liste mit dem Aufruf zu einer Wahlversammlung unterschrieben, darunter Felix Dachsel, der im Herbst die Nachfolge von Laura Himmelreich als Chefredakteur angetreten hatte. Mitunterzeichnet hätten zudem Noisey-Chefredakteur Claus Schwartau und Sebastian Meineck, Chefredakteur von Motherboard.

2019 will Vice mit bis zu 250 Leuten weniger auskommen

Zwar sind bislang keine Sparpläne in Deutschland verkündet worden. Doch bereits im vergangenen Jahr zeichnete sich ab, dass Vice Media seine vorgegebenen Ziele nicht erreichen würde. Daraus zog Nancy Dubuc, die nach den persönlichen Skandalen um Gründer Shane Smith den Posten der CEO übernommen hat, Ende Januar Konsequenzen: 2019 will Vice mit bis zu 250 Leuten weniger auskommen. Die Maßnahmen bedeuten einen Abbau von zehn Prozent. Von den Rationalisierungen betroffen sind nach Medienangaben zunächst Büros in Großbritannien, Mexiko und im Heimatmarkt USA. “Nachdem wir unser Budget für 2019 festgelegt haben, fokussieren wir uns darauf, unsere Ziele zu erreichen”, zitiert unter anderem Hollywoodreporter, der zuerst über den Abbau berichtet hatte, CEO Dubuc.

Dass Vice Media den Rotstift ansetzen und dabei nicht zimperlich vorgehen wird, zeichnete sich bereits Ende vergangenen Jahres ab. Das Wall Street Journal berichtete, dass das Unternehmen, das unter seinem vorherigen CEO Shane Smith rasant gewachsen war, seine für 2018 verfassten Umsatzziele weit verfehlen würde. Von rund 50 Millionen Euro Umsatzverlust war im November vergangenen Jahres die Rede. Mit zehn Prozent würde der Abbau allerdings geringer ausfallen als erwartet.

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Geschäftsführung begrüßt Gründung eines Betriebsrates

Mit Ausnahme der HuffPo blieben die deutschen Ableger der US-Medien bislang von Sparmaßnahmen verschont. Anfang des Jahres kündigte Hubert Burda Media an, die deutsche Ausgabe der HuffPo, die ein Lizenzgeschäft war, einzustellen. Bei BuzzFeed ist das deutsche Büro – ähnlich wie bei Vice, wo zuletzt allerdings Deutschland, Österreich und Schweiz näher zusammenrückten, nicht betroffen. Auf Anfrage bestätigt das Unternehmen die Gründung eines Betriebsrates: “Die Geschäftsführung von Vice in der DACH Region respektiert die Gründung eines Betriebsrats und freut sich auf die produktive und zielführende Zusammenarbeit”, erklärt ein Sprecher auf Anfrage.

In Kürze könnten sieben – die Anzahl der Betriebsratsmitglieder ist abhängig von der Anzahl wahlberechtigter Arbeitnehmer im Betrieb – Mitglieder gewählt werden. In Folge würde dann ein Betriebsrat konstituiert werden. Ob dieser Schritt jedoch irgendwelche Auswirkungen auf Entscheidung des US-Mutterkonzerns hat, darf man bezweifeln. Die Gründung eines Betriebsrates kann zum einen als Ansage verstanden werden, sich bei möglichen Kürzungen nicht kampflos geben und die Rechtsmittel ausschöpfen zu wollen.

Zum anderen ist es ein Bruch mit der gelebten Lockerheit in den jungen Digitalmedien. In Stellenanzeigen warb man damit: “Du arbeitest in einem Umfeld, in dem keine Idee zu verrückt ist oder zu ambitioniert. Dein Team besteht aus Leuten, die sich gegenseitig bei der Arbeit unterstützen, aber auch abends gerne zusammen feiern und sich am Tag danach das Ibuprofen teilen.” Dieser Tage dürften die Kopfschmerzen woanders herrühren.

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