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Check24 und Verivox zunehmend unter Druck: Vergleichsplattformen könnten künftig stärker kontrolliert werden

Die großen Vergleichsplattformen Check24 und Verivox
Die großen Vergleichsplattformen Check24 und Verivox

Der Verbraucher kann sich nicht darauf verlassen, das beste Angebot zu bekommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Kartellamts zu Geschäftspraktiken von Vergleichsplattformen im Netz. Verbraucherschützer fordern vehement mehr Transparenz. Die Plattformbetreiber sehen sich im Recht. Nun schaltet sich das Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz ein.

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Der bayerische Billigstromanbieter BEV ist pleite. Die zuletzt über 500.000 Kunden sind nun in die viel teurere Grundversorgung gerutscht. Viele Kunden gewann der Strom-Discounter über Verivox, Check24 und Co. Derzeit positionieren sich die großen Vergleichsplattformen als Anwalt des Verbrauchers und geben Ratschläge, wie man mögliche Ansprüche geltend machen kann. Verbraucherschützer hingegen sehen die Vergleichsplattformen als Teil des Problems. “Der Fall BEV zeigt erneut, dass es für Verbraucherinnen und Verbraucher eine Zumutung ist, zu erkennen, welchem Energieversorger sie trauen können”, erklärt Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband. Nach TeldaFax, FlexStrom und Care Energy ginge wieder ein Anbieter mit fragwürdigem Geschäftsmodell pleite.

“Verbraucher wären besser geschützt, würden Vergleichsportale beim Ranking der Energieanbieter stärker berücksichtigen müssen, ob diese nur kurzfristig oder dauerhaft günstige Tarife anbieten”, so Müller. Die Pleite des Energieversorgers BEV sei ärgerlich und wäre vorhersehbar gewesen. “Flexible Preise bieten Vorteile, dürfen aber nicht zu einem Anbieterwildwuchs führen. Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass Vergleichsportale mit großer Sorgfalt und Transparenz informieren.”

Bundeskartellamt sieht klaren Handlungsbedarf

Dem Vorstoß der Verbraucherschützer vorausgegangen war eine sogenannte “Sektoruntersuchung” des Bundeskartellamts unter dutzenden Vergleichsportalen. Seit Dezember steht amtlich ermittelt fest, was Kritiker zuvor auch schon vermutet hatten. “Anbieter von Hotelzimmern können sich Listenplätze auf Hotelplattformen erkaufen”, erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. “Und mitunter deckt ein Portal weniger als 50 Prozent der im Markt befindlichen Angebote ab. Kurzum: Der Verbraucher kann sich nicht immer darauf verlassen, tatsächlich das für ihn beste Angebot auf einem Vergleichsportal zu finden.“

Vergleichsportale seien ein wichtiges Werkzeug, solange sie objektive und unverfälschte Ergebnisse liefern würden. Viele Vergleichsinformationen seien dabei auch “zutreffend” und “seriös”. Aber: “Unsere Untersuchung offenbart auch eine Anzahl von möglichen Rechtsverstößen. Es fehlt oft an einer Aufklärung der Verbraucher darüber, wie die Reihenfolge der Suchergebnisse und die Empfehlungen der Vergleichsportale im Einzelnen zu Stande kommen. Dies kann zu Fehleinschätzungen der Verbraucher führen. So werden bei Versicherungsvergleichen zum Teil wichtige Anbieter nicht einbezogen.”

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Viele Vergleichsportale setzten zudem Hinweise auf angeblich begrenzte Verfügbarkeiten, kaum realisierte Vorteile oder vermeintliche Exklusivangebote. Außerdem würden zahlreiche Portale keinen eigenständigen Vergleich, sondern lediglich auf die Datensätze und/oder Tarifrechner anderer Portale zugreifen. Das grundlegende Problem: mangelnde Transparenz. “Die Verbraucher werden über diese Praktiken der Vergleichsportale häufig nicht angemessen informiert”, so das Fazit der Sektoruntersuchung.

Verivox verweist auf Bundesnetzagentur

Der Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs durch “verdeckte Werbung” und “unzulässige Irreführung” steht im Raum. Die betroffenen Marktteilnehmer hatten nun bis zum 4. Februar Zeit, Stellung zu nehmen. Verivox, eine Unternehmenstochter der ProSiebenSat.1-Gruppe, verweist auf die Bundesnetzagentur. Demnach nehme man nur Anbieter auf, die auch dort gelistet seien. Im Rahmen der BEV-Pleite gibt es hier sogar Rückendeckung von den Kartellwächtern: Wenn ein Energieanbieter falsch kalkuliere, “kann man nicht den Vergleichsportalen den “schwarzen Peter zuschieben”, so Mundt.

Das ändert jedoch nichts am Grundproblem, das Wettbewerbshüter und Kartellwächter im Geschäftsmodell der Plattformen begründet sehen: Häufig haben die von den Anbietern gezahlten Entgelte bzw. Provisionen Einfluss auf die vom Portal “voreingestellte” Ergebnisdarstellung. Dies erfolgt je nach Branche über eine Vorauswahl der berücksichtigten Angebote, über die Positionierung einzelner Angebote vor dem eigentlichen Ranking oder über die Berücksichtigung der Zahlungen gelisteter Anbieter selbst. Dass die Plattformbetreiber von selbst nachbessern im Sinne des Verbraucherschützers, darf bezweifelt werden.

Allerdings findet der Vorstoß beim zuständigen Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz Gehör. Man will zwar kein neues Gesetz auf den Weg bringen, jedoch lässt Staatssekretär Gerd Billen prüfen, “ob die Bundesnetzagentur in ihrer Aufsichtsfunktion gestärkt werden kann”, heißt es in der Süddeutschen Zeitung. Die Netzagentur ist bislang zuständig für die Regulierung des Wettbewerbs bei Elektrizität, Gas und Telekommunikation. Verläuft eine entsprechende Prüfung erfolgreich, könnte die Bundesbehörde künftig eventuell fragwürdige Praktiken rügen – und im Zweifelsfall unterbinden.

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