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Auch CNN, HuffPo und Guardian betroffen: Forscher bewerten viele virale Artikel zu Gesundsheitsthemen als “potenziell schädlich”

Unfundierte Artikel zu Gesundheitsthemen werden besonders häufig auf Facebook geteilt
Unfundierte Artikel zu Gesundheitsthemen werden besonders häufig auf Facebook geteilt Montage: MEEDIA

Nicht nur die politische Debatte auf Facebook scheint von Fake-News beeinflusst zu werden. Offenbar erfreuen sich nachweislich unfundierte Artikel zu Gesundheitsthemen großer Beliebtheit in Social Networks. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie. Demnach bekamen nicht nur Blogs "zweifelhafter Herkunft" schlechte Noten, sondern auch renommierte, große Medienportale.

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Um die Gültigkeit der Aussagen und die wissenschaftliche Genauigkeit von häufig geteilten und gelesenen Gesundheitsartikeln zu untersuchen, arbeiteten Forscher von Health Feedback – einem Netzwerk von Wissenschaftlern, das sich der Überprüfung der Medienberichterstattung über Gesundheit und medizinische Nachrichten widmet – mit der Credibility Coalition zusammen. Die fundamentale Erkenntnis der Studie: Die Stories mit dem größten Engagement – also vielen Likes, Kommentaren und Shares – und großer Reichweite, weisen demnach Fehlinformationen und Ungenauigkeiten auf. Eine Vielzahl stammt zudem nicht nur von einschlägigen Blogs und Online-Publikationen, wie etwa Breitbart, sondern auch dem britischen Guardian, der Huffington Post sowie CNN.

So enthielten von den Top Ten der meistverbreiteten Artikel zum Thema Gesundheit sieben irreführende oder falsche Informationen. Den beliebtesten Artikel mit dem Titel “Federal Study Finds Marijuana 100 Times Less Toxic than Alcohol, Safer than Tobacco”, veröffentlicht von der Webseite UrHealthGuide, teilten mehr als eine Million Nutzer. Er erhielt von den Wissenschaftlern das Urteil “nicht glaubwürdig und potenziell schädlich.”

Einseitige Berichterstattung, teilweise ohne Nennung von Quellen

So versäume es der Artikel, den Leser auf die möglichen Gefahren von Cannabis-Gebrauch hinzuweisen. Mehr noch: Die einzige Aussage über die Nebenwirkungen von Cannabis im Artikel ist falsch, resümieren die Forscher. So zeigten Studien etwa, dass Cannabis das Risiko für Lungenkrebs nicht erhöht. Der Artikel behauptet das Gegenteil. Und beruft sich nur auf eine einzige Studie. Zudem präsentiere er, so die Forscher, nicht objektiv die Fakten, sondern lese sich wie ein Meinungsstück zum Marijuana-Konsum. Es werde nicht ausgewogen berichtet, weswegen sich der Leser wiederum kein umfassendes Bild vom Thema machen könne.

Auf Platz 12 der meistgeteilten Stories zum Thema Gesundheit findet sich ein Artikel des Guardian über Depressionen. Seitens der Forscher heißt es hierzu: “Dieser Artikel befasst sich mit dem aktuellen Forschungsstand zur klinischen Depression und diskutiert die Möglichkeit, dass Ärzte die Erkrankung falsch behandeln – was darauf hindeutet, dass die meisten Fälle von Depressionen das Ergebnis eines Gefühls mangelnder Erfüllung im Leben sind, anstatt eines chemischen Ungleichgewichts im Gehirn.” Während dieser Ansatz “ein Körnchen Wahrheit” enthalte, sei der Artikel in vielerlei Hinsicht höchst irreführend.

“Der Artikel hat mehrere Probleme, die seine Glaubwürdigkeit in Frage stellen. Erstens gibt es keinerlei Links zu Originalquellen mit schriftlichen Zitate von Experten”, so die Kritik der Forscher. “Zudem fehlen auch Links zu Forschungsstudien, die sie zur Unterstützung der Ergebnisse angeführt werden.” Diese beiden Faktoren würden dazu führen, dass die Überprüfung der Ansprüche äußerst schwierig sei. So stuften die Forscher auch diesen Artikel, der knapp 500.000 Mal auf Social Networks geteilt wurde, als “unglaubwürdig und potenziell schädlich” ein.

Forscher kritisieren “sensationsheischende Überschriften”
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Nach Ansicht der Forscher reichten die Probleme bei der Mehrheit der Artikel von Detail- und Kontextlosigkeit bis hin zur “Übertreibung der Bedeutung von Forschungsergebnissen”. Falsche Interpretationen wissenschaftlicher Erkenntnisse erwiesen sich auch in einigen der populärsten Artikel als Thema, ebenso wie “sensationsheischende Schlagzeilen”, die die Aufmerksamkeit der Social Media auf sich zogen. Mit anderen Worten: Clickbait.

Die einzigen drei Geschichten, die eine “sehr glaubwürdige” Bewertung erhielten, stammen allesamt vom Time Magazine. Mit Blick auf die Top 100 der meistgeteilten Artikel zum Thema Gesundheit stuften die Forscher hingegen weniger als die Hälfte als “sehr glaubwürdig” ein. Während sehr gut bewertete Artikel mit elf Millionen Shares häufiger geteilt wurden, entfielen auf schlecht bewertete Artikel mit 8,5 Millionen immer noch eine beträchtliche Anzahl von Shares. Dabei erwies sich Facebook als die größte Quelle für ungenaue Artikel. 96 Prozent der Shares in den untersuchten hundert Artikeln passierten dort.

Um die Geschichten zu analysieren, die in drei Hauptthemen von Interesse sind – Krankheiten und Krankheitsbehandlung, Lebensmittel und Ernährung und Impfstoffe – bewerteten die Forscher die Glaubwürdigkeit der Artikel anhand einer Reihe von Faktoren wie “Qualität und Vielfalt der Primärquellen sowie das Vorhandensein von Rhetorik und emotionaler Sprache”. Artikel, die als glaubwürdig erachtet wurden, informieren die Leser demnach in der Regel besser.

Artikel zu Ernährungsthemen am unglaubwürdigsten

Von den untersuchten Themen erhielten die Artikel zu Krankheiten und Krankheitsbehandlung den höchsten Prozentsatz an positiven Bewertungen. Die meisten Beiträge wurden von renommierten Quellen veröffentlicht. Alternativ erhielten weit verbreitete Artikel im Zusammenhang mit Lebensmitteln und Ernährung laut Forschern den höchsten Prozentsatz an negativen Glaubwürdigkeitswerten. Dabei stammten viele Artikel von Lifestyle-Blogs oder “gesundheitsbezogenen Websites zweifelhafter Herkunft”.

Die Forscher fordern deswegen mehr Einsatz, “um die Verbreitung ungenauer Gesundheitsnachrichten einzudämmen”. Facebook gelobt derweil Besserung bei der Eindämmung von Fake-News über seine Plattform und testet unterschiedliche Ansätze zur Bekämpfung fragwürdiger Quellen, darunter den Einsatz von Fact-Checkern.

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Alle Kommentare

  1. Wass schreiben die Forscher?:

    [*quote*]
    “Der Artikel hat mehrere Probleme, die seine Glaubwürdigkeit in Frage stellen. Erstens gibt es keinerlei Links zu Originalquellen mit schriftlichen Zitate von Experten”, so die Kritik der Forscher.
    [*/quote*]

    Das ist an Komik nicht zu überbieten. Lebenselixier der Zeitungsredaktionen ist doch, die Quellen zu verschweigen. Die Redaktionen und ihre Insassen spielen sich als die großen Wissenden auf. Würde man dagegen SELBER die Quellen ansehen können, bräche dieser Nimbus sofort zusammen, weil man sehen könnte, wie stümperhaft die Damen und Herren Allwissenden abgekupfert haben. Die Wiederkäuerredaktionen leben jetzt in sehr dünner Luft.

    Schon vor weit mehr als 10 Jahren hat sich an den Hochschulen etabliert, als Student und Wissenschaftler selber zu schreiben und zu veröffentlichen. Wissenschaft aus erster Hand, DAS ist der Stand der Dinge.

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