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Bild-Reporter twitterte “sexy Tanzvideo” von Polizeischülerinnen: Behörde droht mit rechtlichen Schritten

Es geht um ein privates Video aus der sächsischen Polizeischule
Es geht um ein privates Video aus der sächsischen Polizeischule

Ein zweiminütiges Video von Polizeischülerinnen aus Sachsen machte am Wochenende in den sozialen Netzwerken die Runde, Bild Online griff den Clip auf. Bei Twitter sorgte dabei eine Formulierung im Artikel für Diskussionen. Die Polizei Sachsen wies daraufhin mehrfach auf den privaten Charakter des Inhalts hin und möchte nun rechtliche Schritte prüfen.

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“Aufregung um einen Zwei-Minuten-Clip: Polizeischülerinnen aus Sachsen drehten ein schlüpfriges Video – mal mit, mal ohne Uniform, das Ganze zu einem Song der US-Sängerin Fergie”, heißt es im Bild-Artikel von Thomas Fischer und Peter Thormeyer, der am Sonntagnachmittag veröffentlicht wurde. Und weiter: “Wie Bild erfuhr, entstand der Clip im Sommer 2018 an der Hochschule der Sächsischen Polizei in Bautzen, gelangte jetzt an die Öffentlichkeit und verbreitete sich rasend schnell im Internet.” Im Video auf der Nachrichtenseite sind die Gesichter der Protagonistinnen verpixelt.

Wer das Video veröffentlicht hatte, verriet der Artikel nicht, manch Beobachter schien den Urheber jedoch ausfindig gemacht zu haben. Watson-Reporter Felix Huesmann twitterte in Richtung der Boulevardzeitung: “Ihr habt ‘unser Reporter hat das offenbar private Video bei Twitter veröffentlicht, seinen Tweet aber mittlerweile wieder gelöscht’ etwas komisch formuliert, oder?” Dazu ein Foto von einem Tweet des Bild-Reporters Axel Lier, der für Themen rund um Justiz und Kriminalität verantwortlich ist. Dieser hatte das Video getwittert und die Polizei Sachsen gefragt, “ob das real oder fake” sei. Der Tweet mit dem Video ist mittlerweile gelöscht.

Zwischen Huesmann und Lier entwickelte sich eine kurze Diskussion, da der Watson-Reporter in einem weiteren Tweet erklärte, dass die Formulierung im Text doch “eine recht schiefe und irreführende” sei. Schließlich habe doch der Bild-Reporter das Video im Kurznachrichtendienst verbreitet. Die Antwort darauf: “Habe ich diesen Beitrag geschrieben?”

Eine zutreffendere Formulierung, so Huesmann, wäre wohl folgende gewesen: “‘Nachdem ein Reporter von Bild und BZ das Video bei Twitter veröffentlichte, verbreitete es sich rasend schnell im Internet’, oder nicht?” Darauf erwiderte der Bild-Mann: “Klar, aber meine Kollegen in Sachsen entscheiden selbst, was sie wie formulieren.”

Die Polizei Sachsen hatte sich nach dem Hinweis ebenfalls eingeschaltet und die genauen Hintergründe recherchiert. An Axel Lier twitterte das Social-Media-Team: “Liegt Ihnen eine Erlaubnis zur Veröffentlichung vor? Nach unserem aktuellen Kenntnisstand gibt es diese nicht. Für unsere Kolleginnen war es als rein privates Video gedacht. Wir prüfen auch rechtliche Schritte, bspw. Verstoß KUG (Kunsturhebergesetz, Anm. d. Red.).” Eine Nachricht ähnlichen Inhalts erhielt ebenso der Focus-Redakteur Alexander-Georg Rackow, der seinen Tweet mit dem Video ebenfalls gelöscht hat. Aus “Kulanz”, so der Journalist. Denn es hätte “auch gute Argumente für eine Veröffentlichung gegeben”.

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Dem konnte Marcus Engert allerdings nur widersprechen. Der Redakteur von BuzzFeedNews-Reporter brachte dies wie folgt auf den Punkt: “Bei einer sauberen Abwägung bleiben hier gar keine ‘guten Argumente für eine Veröffentlichung’. Hier liegt überhaupt nichts vor, dass einen auch nur zur Vermutung bringen könnte, das Informationsinteresse einer Allgemeinheit sei größer als das schutzwürdige Interesse der Frauen.” Engert ging in seinem Thread zudem auf weitere Punkte ein:

Die Polizei Sachsen verwies zudem darauf, dass man trotz trotz positiver Reaktionen auf das Video die Privatsphäre der Kolleginnen respektiert und es überraschend sei, wie wenig auf die private Natur des Inhalts bei der Verbreitung geachtet werde. Das Video zeige, so die Polizei Sachsen, dass “die Kommissarsanwärterinnen mit Freude dabei sind”.

Sie betonte jedoch auch: “Dass ein privat aufgenommenes Video nun seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, verdeutlicht auch, dass wir unsere angehenden Beamtinnen und Beamten noch mehr dafür sensibilisieren müssen.”

tb

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Alle Kommentare

  1. Möpse, Maden und Moneten — dem ist nichts hinzuzufügen. BILD bleibt BlLD, Döpfner hin oder Reichelt her

    1. Hahahaha.

      Dann ist klar, weshalb Frau Alice S. dort so präsent ist.

      Das muss man sich mal auf der Zunge zergehn lassen.

  2. Headline bei MEEDIA: “Wir versuchen, der Wahrheit ins Auge zu blicken”: Vorstandschef Mathias Döpfner über die Mission der Marke Bild…

    Meiner Meinung nach: “Wir versuchen mal zu spannen, muss eben nur schlüpfrig genug für unsere Leser sein…”

    Das beste Gegenmittel: Eine fette Schadensersatzklage gegen die Medien. Bei bestimmten Promis ist die Presse schon sehr vorsichtig geworden, kommt einfach zu teuer. Komisch, wenn was Geld kostet, dann hat die Öffentlichkeit nicht mehr so ein hohes Informationsinteresse.

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