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Auflagenbetrug bei SPD-Medienbeteiligung Öko-Test: Verbrauchermagazin soll Verkaufszahlen geschönt haben

Jürgen Stellpflug

Die Krise bei Öko-Test weitet sich aus. Erst musste die Öko-Test Holding jüngst eine finanzielle Krise überwinden, jetzt erschüttern weitere negative Schlagzeilen das zur SPD-Medienholding ddvg gehörende Verlagshaus. Das Verbrauchermagazin soll jahrelang Auflagenzahlen von Sonderheften geschönt und damit Anzeigenkunden hinters Licht geführt haben. Die SPD hüllt sich hierzu in Schweigen.

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Die SPD Medienholding ddvg, eine wichtige Einnahmequelle für die Partei, erschüttert derzeit eine schwere Krise. Die Partei hüllt sich hierzu in tiefes Schweigen. „Die gesamten Vorgänge betreffen das unternehmerische Handeln der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (ddvg). In das operative Geschäft der ddvg ist die SPD nicht involviert. Deshalb werden wir uns als Partei zu diesem Thema nicht äußern“, erklärt eine Parteisprecherin gegenüber MEEDIA. Fragen, ob die SPD möglicherweise ihre Aufsichtspflichten bei der Gesellschaft verletzt habe oder personelle Konsequenzen bei der ddvg zieht, werden nicht beantwortet.

Stellpflug weist Vorwürfe zurück

Was ist passiert? Die SPD-Medienholding ddvg ist mehrheitlich an der Frankfurter Öko-Test Holding beteiligt, in der das gleichnamige Verbrauchermagazin Öko-Test erscheint. Doch der Verlag soll jahrelang die Auflagenzahlen von Sonderheften geschönt und damit Anzeigenkunden beschwindelt haben, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Verantwortlich für den Betrug macht ddvg-Geschäftsführer Jens Berendsen den langjährigen Öko-Test Geschäftsführer und Chefredakteur Jürgen Stellpflug, der im Frühjahr 2018 gefeuert wurde. Um die Anzeigenkunden offenbar von einer Strafanzeige abzuhalten, druckte der Verlag Ersatzanzeigen als Entschädigung.

Stellpflug weist die Vorwürfe gegenüber MEEDIA zurück. „Von Betrug war bis zur Veröffentlichung der Süddeutschen gestern auch in den Verfahren vor dem Arbeitsgericht und dem Landgericht keine Rede“, so der Journalist. Zum Hintergrund: Das Arbeitsgericht Frankfurt hatte am Dienstag die Kündigung gegen ihn für unwirksam erklärt und urteilte, dass er als Chefredakteur weiterbeschäftigt werden müsse. Doch das will der Verlag nicht auf sich sitzen lassen. Umgehend kündigte er dem ehemaligen Öko-Test-Manager erneut. Doch auch dagegen will sich Stellpflug zur Wehr setzten. „Ich freue mich schon sehr auf die Verhandlung dazu vor dem Arbeitsgericht, da ich selbstverständlich auch gegen die Kündigung klagen werde“, erklärt er.

Auslöser des finanziellen Desasters vielschichtig

Als Grund für die erneute fristlose Kündigung führt der Verlag an, dass er eine geplante Verschmelzung des Öko-Test Verlags auf den Mutterkonzern Öko-Test Holding AG habe torpedieren wollen. „Die Verschmelzung habe ich nicht verhindert, sie wurde mit einer Mehrheit von über 99 Prozent beschlossen, weil ich mich der Stimme enthalten habe“, so Stellpflug. Die Zusammenführung der Gesellschaften war notwendig, da der Mutterkonzern mehr als die Hälfte seines Grundkapitals verloren hatte.

Die Auslöser für dieses finanzielle Desaster sind vielschichtig. Einer ist der unternehmerischer Ausflug des Verlags nach China. Hierin hatte ddvg-Geschäftsführer Berendsen große Hoffnung gesetzt. Er wollte dort mit unabhängigen Produkttests das große Geschäft aufziehen. Diverse Lebensmittel-Skandale hatten die Chinesen schwer verunsichert. Sie waren sehr daran interessiert, neutrale Urteile über die Qualität ihrer Produkte zu bekommen. Als Verantwortlicher vor Ort fungierte Thomas Böwer, ehemals Abgeordneter in der Hamburger Bürgerschaft.

China-Geschäft lief anders als erhofft

Doch das Öko-Test Engagement in China entwickelte sich nicht wie erwartet. Da einige der chinesischen Mit-Investoren nicht bereit waren, das Projekt weiter zu finanzieren, hat auch die ddvg dieses Engagement beendet. Sie verkaufte die Aktivitäten im November 2018 an das dortige Management – Wertberichtigungen waren nötig. Sie führten unter anderem dazu, dass die Öko-Test GmbH als operative Unit in die roten Zahlen rutschte. Für die Miesen musste allerdings die Muttergesellschaft, die Öko-Test Holding AG in Frankfurt, aufkommen, da ein Ergebnisabführungsvertrag besteht. Laut Süddeutscher Zeitung soll das China-Abenteuer die ddvg rund zehn Millionen Euro gekostet haben, was der Verlag auf Anfrage aber zurückweist. Zudem bestätigt ein Sprecher von Öko-Test, dass die Verschmelzung erfolgte und die Markenrechte an die Holding übergegangen seien.

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